Thailand im 19. Jahrhundert (Geschichte Thailands 8)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte der siamesische König über eine Fläche, die vergleichbar mit der Größe des heutigen Thailands war. Zu diesem Herrschaftsgebiet hinzu kam noch die gleiche Grundfläche an Vasallenstaaten.

Das islamisch geprägte Sultanat Patani, das im Süden von Thailand lag, war schon zu Zeiten Ayutthayas abgabepflichtig. 1808 erfolgte ein Aufstand, der von den Siamesen niedergeschlagen wurde.

Es folgte eine Aufsplitterung der Verwaltung und letzten Endes die Annexion durch Bangkok im Jahre 1841.  In dieser Region finden sich noch heute separatistische Strömungen, die teilweise mit Gewalt versuchen, die Unabhängigkeit zu erlangen.

Der laotische Vasallenstaat bäumte sich 1828 unter dem Herrscher Cao Anu gegenüber Thailand auf. Unter dem Vorwand, den Siamesen vor einer vermeintlichen britischen Bedrohung zu helfen, führte er seine Armee gegen die Thais. Das Heer Rama III. konnte den Angriff zurückschlagen und zerstörte die laotische Hauptstadt Vientiane völlig. Cao Anu wurde gefangen genommen und verstarb unter mysteriösen Umständen.  Vieles spricht dafür, dass der erfolglose Feldzug der Laoten ein Präventivkrieg war.

Im 19. Jahrhundert wurde die Gefährdung Thailands durch die Europäer offensichtlich. Die Briten öffneten mit Gewalt in den beiden Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) China für die westlichen Mächte.  1852 nahmen sie das südliche Myanmar ein und wurden damit direkter Nachbar Thailands.



Die Regierung in Bangkok sah in der Kooperation mit den Europäern den besten Weg, die Unabhängigkeit zu erhalten. 1855 unterzeichnete Mongkut, Rama IV. genannt, zusammen mit dem englischen Unterhändler John Bowring einen Vertrag, der den Briten günstige Handelsbedingungen gewährte. Opium durfte zollfrei eingeführt werden; die restlichen Güter wurden mit einem niedrigen Satz von 3 Prozent besteuert; der Reishandel wurde erlaubt. 1856 folgte ein ähnlicher Vertrag mit den Franzosen, die zu dieser Zeit stärker in Südostasien aktiv wurden.

Durch diese Abkommen wurde Thailand mehr in die Weltwirtschaft involviert: Landwirtschaft und Industrie wandelten sich und das Land erfuhr einen ökonomischen Aufschwung. Die Rohstoffproduktion konzentrierte sich auf gewinnbringende Produkte, wie Reis, Teakholz und Zinn. Das traditionelle Handwerk wurde teilweise durch die europäischen Fertigprodukte zurückgedrängt. Britische Textilien waren der Hauptimportartikel.

Erst da entwickelte sich Reis zum wichtigsten Exportgut. Zuvor bauten die Landwirte eine Vielzahl unterschiedlicher Nahrungsmittel an, darunter viele Früchte. Das änderte sich mit den Handelsabkommen. Von 1857 bis 1909 wuchs die Reisproduktion auf das Fünfzigfache.

Rama IV. folgte ein weiterer reformfreudiger König: Chulalongkorn, genannt Rama V.. Seine Regierungszeit betrug fast 40 Jahre – von 1868 bis 1910. Er richtete die Gesellschaft neu aus. Sklaverei und das feudale Lehnsystem wurden abgeschafft. Die Administration wurde stärker zentralisiert. Der dem Westen aufgeschlossene König stellte Hunderte von ausländischen Beratern ein, die helfen sollten, das Land zu modernisieren.

Die Änderungen betrafen alle Felder der Staatsverwaltung – von der Rechtssprechung, über die Geldwirtschaft bis hin zum Transportwesen.

Chulalongkorn
Chulalongkorn, Rama V. (Foto: Wikimedia Commons, Sodacan)

Rama V. heuerte europäische Architekten an, die beim Entwurf von westlichen Gebäuden für das Zentrum Bangkoks mitarbeiteten. Die thailändische Hauptstadt erhielt eine moderne Infrastruktur, wie beispielsweise Stahlbrücken.

Das eindrucksvollste Bauprojekt dieser Epoche wurde durch eine Europareise des Königs angeregt. In den abendländischen Metropolen besuchte er die prunkvollen Palastanlagen und beschloss etwas Ähnliches entwerfen zu lassen. Es entstand der Dusit-Bezirk: In einer großzügigen Parklandschaft wurden mehrere Paläste errichtet. Die vielleicht bekanntesten Gebäude sind die Ananta-Samakhom-Thronhalle, die im Barock-Stil erbaut wurde, und das Vimanmek Mansion, ein Palast, der komplett aus Teakholz besteht.

Vimanmek Mansion
Vimanmek Mansion. Das Gebäude wurde einige Jahre zuvor als Sommerresidenz auf Koh Sri Chang erbaut. Auf Wunsch des Königs wurde dort der Palast zerlegt, nach Bangkok transportiert und da wieder errichtet.

Die stärkere Zentralisierung und die damit verbundene Bedeutungszunahme von Bangkok sorgten für Unzufriedenheit in den Provinzen.

Bankgoks Bevölkerungszunahme

Jahr Bevölkerung Jährliches Wachstum in % Verhältnis Bangkok / Chiang Mai
1883 169.300 1,90 10:1
1913 365.492 2,60 12:1
1929/30 702.544 3,92 14:1
1937 890.453 3,44 15:1

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Thailand von mehreren Rebellionen erschüttert:

– Im Süden kam es im ehemaligen Sultanat Patani zu Aufständen.

– Im Norden, im Gebiet von Lan Na, kam es zu blutigen Unruhen, die als „Shan-Rebellion“ in die Geschichtsbücher eingingen.

– Im Nordosten, in der Isan-Region, die das thailändische Gebiet zwischen Kambodscha und Laos umfasst, begehrten vor allem die Laoten auf. Kettenbriefe und vermeintlich mit magischen Kräften ausgestattete Männer sammelten teilweise über 1000 Aufständische, um gegen die siamesische Herrschaft vorzugehen.

Die Revolten wurden schnell eingedämmt, flackerten aber in den nachfolgenden Jahren noch einmal auf, ohne allerdings eine allzu große Wirkung zu haben.

Literatur (mit Amazon-Affiliate-Links):

Hier geht es zu Teil 7: Bangkok, die Stadt der Engel
Teil 9: Kriege und Aufstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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