UNESCO-Listen für Südostasien (Weltnaturerbe, Weltkulturerbe, Geopark)

Borbudur
Tempelanlage von Borobudur (Foto: Wikimedia Commons, Bennylin)
Indonesien
Naturerbe Nationalpark Komodo Der Nationalpark zum Schutz der Komodowarane.  1991
Naturerbe Nationalpark Ujung Kulon auf Java mit dem Vulkan Anak Krakatau Java  1991
Kulturerbe Buddhistische Tempelanlagen von Borobudur    1991
Kulturerbe Hindutempel von Prambanan    1991
Kulturerbe Paläontologische Stätte Sangiran Ausgrabungsstätte auf 48 km²  1996
Naturerbe Nationalpark Lorentz    1999
Naturerbe Nationalpark Gunung Leuser, Nationalpark Kerinci-Seblat und Nationalpark Barisan Selatan  Regenwälder von Sumatra  2004
Kulturerbe Das Subak-System als Manifestation der Tri Hita Karana-Philosophie  Bali  2012
Geopark Batur Vulkan  2012
Geopark Gunung Sewu    2015
Angkor Wat
Angkor Wat
Kambodscha
Kulturerbe Angkor, Roluos und Banteay Srei Archäologische Parks  1992
Kulturerbe Tempel Preah Vihear Grenzland zu Thailand  2008
Kulturerbe Sambor Prei Kuk Tempelzone  2017
Luang Prabang
Luang Prabang
Laos
Kulturerbe Luang Prabang Königspalast und buddhistische Klöster  1995
Kulturerbe Kulturlandschaft Champasak Tempelbezirk von Wat Phou  2008

 

George Town
George Town
Malaysia
Naturerbe Kinabalu-Park Kinabalu ist mit 4095 Meter der höchste Berg Malaysias  2000
Naturerbe Nationalpark Gunung Mulu Gunung Mulu ist ein 2377 Meter hoher Berg, Clearwater Cave etwa 108 km lang.  2000
Geopark Langkawi    2007
Kulturerbe Malakka und George Town Historische Städte an der Straße von Malakka  2008
Kulturerbe Archäologisches Erbe im Tal von Lenggong Fundstädten im Tal von Lenggong umfassen 2 Millionen Jahren Menschheitsgeschicht  2012
BawbawgyiPaya
Bawbawgyi Paya in der Nähe von Pyu (Foto: Wikimedia Commons, Doron)
Myanmar
Kulturerbe Antike Stätten von Pyu    2014

 

Papua-Neuguinea
Naturerbe Historische Agrarlandschaft von Kuk     2008
Tubbataha
Tubbataha-Korallenriff (Foto: UNESCO)
Philippinen
Kulturerbe San Agustín in Manila, Kirchen in Santa Maria, Paoay und Miagao Barock-Kirchen  1993
Naturerbe Korallenriff Tubbataha    1993
Kulturerbe Batad, Bangaan, Hungduan, Mayoyao Central und Nagacadan Reisterrassen  Reisterrassen  1995
Naturerbe Nationalpark “Unterirdischer Fluss”  bei Puerto Princesa auf Palawan  1999
Kulturerbe Historische Stadt Vigan    1999
Naturerbe Mount Hamiguitan Range Wildlife Sanctuary    2014
Botanischer Garten, Singapur
Botanischer Garten, Singapur
Singapur
Naturerbe Botanischer Garten    2015
Ayutthaya
Ayutthaya
Thailand
Kulturerbe Sukhothai Historical Park, Kamphaeng Phet Historical Park und Si Satchanalai Historical Park    1991
Kulturerbe Ayutthaya Historical Park    1991
Naturerbe Naturschutzgebiete Thungyai und Huai Kha Khaeng    1991
Kulturerbe Ban-Chiang-Ausgrabungsstätte    1992
Naturerbe Waldkomplex der Dong-Phaya-Yen-Bergkette inklusive Khao-Yai-Nationalpark  2005
Verbotene Stadt, Hue
Verbotene Stadt, Hue
Vietnam
Kulturerbe Kaiserstadt Huế    1993
Naturerbe Bucht von Ha-Long    1994
Kulturerbe Altstadt von Hội An    1999
Kulturerbe Tempelstadt My Son    1999
Naturerbe Phong Nha-Ke Bang-Nationalpark    2003
Geopark Karstplateau Đồng Văn    2010
Kulturerbe Zitadelle Thang Long in Hanoi    2010
Kulturerbe Zitadelle der Hồ-Dynastie    2011
Kulturerbe/Naturerbe Landschaftskomplex Tràng An    2014



Homo erectus als Seemann

Rekonstruktion eines weiblichen Homo-erectus-Kopfes.
Rekonstruktion eines weiblichen Homo-erectus-Kopfes (Foto: Wikimedia Commons, Fotograf: Tim Evanson)

Als Homo sapiens nach Südostasien einwanderte, war er nicht der erste seiner Gattung, der diese Region betrat. Einer seiner Vorfahren ist diesen Weg bereits früher angetreten: Homo erectus. 

1891 entdeckte Eugène Debois ein Teil des Schädels dieser Frühmenschen auf der indonesischen Insel Java, der fortan Java-Mensch genannt wurde. Später wurde er der Art Homo erectus zugeordnet.

Stammbaum
Stammbaum (Foto: Wikimedia Commons, Martin0815)

Die Urmenschen entwickelten sich vor ca. 2 Millionen Jahren in Afrika. Sie hatten technische Fähigkeiten und nutzten das Feuer. Allerdings scheinen sie weitaus mehr gekonnt zu haben, als lange Zeit gedacht.

Eine Veröffentlichung von Mike Morwood in der “Nature” sorgte 1998 für eine Sensation. Er datierte Steinwerkzeuge neu, die auf der Insel Flores (Indonesien) gefunden wurden. Die neue Schätzung beläuft sich auf 800.000 Jahre. Daraus folgt, dass sie nicht vom Homo sapiens stammen konnten, der erst viel später dort angekommen war

Warum war das eine Sensation? Es war doch lange bekannt, dass Homo erectus es nach Indonesien schaffte. Java ist nicht weit von Flores entfernt.

Java ist zwar heute eine Insel, aber in Zeiten, in denen der Meeresspiegel niedrig ist, kann dort trockenen Fusses vom Festland aus eingewandert werden. Hier ist beispielsweise eine Rekonstruktion der Situation zur letzten Eiszeit, als der Meeresspiegel ca. 125 Meter tiefer war:

Sunda
Sunda (Foto: Wikimedia Commons, Maximilian Dörrbecker, Chumwa)

Flores hingegen konnte nur über das offene Meer erreicht werden. Bis zur nächsten Insel Sumbawa mussten mindestens 19 Kilometer Wasser überwunden werden. Das ist zu weit zum Schwimmen und daher ist es nahe liegend, dass Homo erectus bereits Boote oder ähnliches genutzt hat. Und das ist eine beeindruckende Leistung.

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Zerstörung durch Palmöl-Anbau

Palmöl-Plantage
Palmöl-Plantage und ein kleiner Rest an Regenwald in Sabah auf Borneo (Foto: Wikimedia Commons, T. R. Shankar Raman)

Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Ölpalme zunächst als Zierpflanze in die botanischen Gärten Asiens. Durch neue technische Entwicklungen wurde die industrielle Verarbeitung der Früchte möglich und die ersten Großplantagen entstanden 1911 in Indonesien und 1919 in Malaysia.

Was mit einzelnen, kleinen Plantagen begann, weitete sich im Verlaufe der Jahrzehnte enorm aus. Palmöl ist ein billiger und gut zu verarbeitender Rohstoff und so finden wir ihn heute überall: in Brot, Pizza, Schokolade, Margarine, in Kosmetik- und Reinigungsartikel. In den letzten Jahren wird Palmöl als Biokraftstoff eingesetzt, man sprach vom “Grünen Öl”. Doch die Klimabilanz der Ölpalme ist problematisch. Zwar ist sie ein nachwachsender Rohstoff, doch für die Monokultur-Plantagen werden große Flächen des tropischen Regenwalds gerodet.

Rodung
Rodung des Regenwaldes auf Borneo (Foto: Wikimedia Commons, T. R. Shankar Raman)

2015 haben Indonesien und Malaysia mehr als 50 Millionen Tonnen Palmöl und damit ca. 3/4 der Weltproduktion hergestellt (die Angaben variieren leicht je nach Quelle). Diese großen Mengen benötigen dementsprechend große Anbaugebiete. Seit 1990 haben sich die Flächen verzehnfacht. Heute nehmen die Plantagen in Indonesien ca. 13 Millionen Hektar ein und in Malaysia ca. 5 Millionen Hektar. Das sind ungefähr die Flächen von Griechenland und der Schweiz. 

Diese Plantagen verdrängen den Regenwald und haben damit dramatische Auswirkungen auf das Leben der Menschen und Tiere. Die Einwohner verlieren den Wald, der ihnen Nahrungsmittel und Rohstoffe lieferte. Die Tierwelt verliert Lebensraum. Grob 10-15% aller Pflanzen, Säugetiere und Vögel der Erde leben in den Urwäldern Indonesiens. Die Monokultur der Ölpalmen bietet kein Habitat für diese vielfältige Flora und Fauna.

Die Gebiete werden häufig durch Brandrodung erschlossen. Die Brände geraten ab und zu außer Kontrolle und führten beispielsweise zur Brandkatastrophe im Jahre 2015. 

Die negativen Auswirkungen des Palmölanbaus sind kaum zu bestreiten. Es gibt verschiedene Wege, mit dem Problem umzugehen.

Der WWF unterstützt den nachhaltigen Anbau. Sie sehen den Boykott von Palmöl nicht als Lösung, da andere Pflanzenöle nicht so effizient angebaut werden könnten und dementsprechend mehr Anbaufläche benötigen würden. Bei der Ernährung sollte ein Kulturwechsel geschehen, da ca. 17% des Palmöls in weiterverarbeiteten Nahrungsmittel zu finden sind.

Kathrin Hartmann beschreibt die Mängel der aktuellen Versuche, den Palmöl-Anbau nachhaltig zu gestalten (demnächst folgt ein Beitrag zu ihrem Buch). Verzicht ist daher unvermeidbar.

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Wie Palmöl gemieden werden kann, beschreibt die Seite von Abenteuer Regenwald (unten auf der Seite).

Oliver Pye, von der Universität Bonn, glaubt nicht, über den Konsumenten-Weg das Problem lösen zu können. Sein Ansatz ist es, vor Ort Netzwerke und Gewerkschaften zu stärken, die u.a. über höhere Löhne das Öl teurer machen und damit weniger attraktiv.

Naga – von Indien nach Südostasien

Naga vor dem Wat Phnom
Naga vor dem Wat Phnom in Phnom Penh

Das Wort Naga stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet Schlange. Die indische Mythologie kennt die verschiedensten Schlangenwesen, die zusammen mit dem Hinduismus und Buddhismus den Weg nach Südostasien fanden. Ihre Darstellung variiert. Sie treten mal als normale Schlange, als mehrköpfige Kobra, als Drachen oder teils menschlich auf. 

In Indien werden Naga als Naturgeister wahrgenommen, als Bewahrer von Quellen, Flüssen, Seen und Brunnen. Sie können auch als Wächter von Schätzen auftreten. Sie bringen Regen und Fruchtbarkeit, aber auch negative Ereignisse wie Fluten und Dürren. Grundsätzlich werden Naga positive Eigenschaften wie Neugier zugeschrieben. Gegen Menschen wenden sich sich erst dann, wenn sie misshandelt werden oder der Mensch die Umwelt schädigt.

In vielen weiteren Ländern wurden die indischen Mythen mit einheimischen Traditionen vermischt, beispielsweise mit dem Glaube an die Nat in Myanmar.

In Thailand wurden Naga in einigen Märchen aufgenommen. Sie finden sich an Brunnen oder Tempeln als architektonische Elemente. Ein berühmter Naga, Phaya Naga genannt, lebt im Norden des Landes, im Mekong und wacht über Land und Leute. Sogar die moderne Kultur wird von den Schlangenwesen beeinflusst: die TV-Seifenoper Manisawat basiert auf einer Naga-Legende.

Im Nachbarland Laos sind die Schlangen ebenfalls gegenwärtig. Sie gelten als Beschützer der Hauptstadt Vientiane oder generell des laotischen Staates. Im ganzen Land finden sich Darstellungen der verschiedensten Art. In einem berühmten, alten Poem wird Thailand durch Garuda, dem schlangentötenden, mythischen Vogel und Laos durch ein Naga, dargestellt. 

Eine Legende in Kambodscha berichtet von einem Naga-Volk, das von König Kaliya regiert wurde. Sie wurden von Garuda vertrieben und konnten am Fluss Jamuna, im heutigen Bangladesch, Unterschlupf finden. Hier heiratete die Tochter Kaliyas einen indischen Brahmanen. Ihre Nachkommen sind das kambodschanische Volk.

In der Tradition der malaiischen Ureinwohner, der Orang Asli, ist der See Chini im Sultanat Pahang die Heimat eines Naga namens Sri Gumun. Der Legende nach verließen seine Nachkommen Sri Pahang oder dessen Sohn den See, um einen Naga mit dem Namen Sri Kemboja zu bekämpfen. Kemboja ist ein Name für Kambodscha.

In Indonesien finden sich Naga vor allem in der javanischen und balinesischen Kultur. Einige Darstellungen zeigen gekrönte oder geflügelte Schlangen. Hier mischten sich die indischen Einflüsse mit den animistischen Religionen der Ureinwohner, die die Schlangen verehrten. In alten javanischen Darstellungen aus dem 9. Jahrhundert wirken die Figuren der Kobra nachempfunden. Im 15. Jahrhundert scheint chinesischer Einfluss deutlich zu werden und die Figuren werden drachenähnlich, ohne allerdings Füße oder Beine zu haben. Die Naga stehen gewöhnlich in Verbindung mit den niedrigen Gottheiten der Erde oder des Wassers.

Auf den Philippinen finden sich einige Spuren von Naga aus der prä-hispanischen Zeit. Sie dienen z.B. als Ornament an Langschwertern.

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Terrorismus in Südostasien

Das Ground-Zero-Monument in Kuta auf Bali erinnert an den islamistischen Bombenanschlag von 2002, bei dem 202 Menschen starben. 

Über Terrorismus zu diskutieren ist schwer, da keine Übereinkunft besteht, was Terrorismus denn nun genau ist. In Europa bemerken wir das Problem, wenn darüber gestritten wird, ob ein Anschlag nun ein terroristischer Akt oder ein Amoklauf war. In anderen Teilen der Welt wird es noch unübersichtlicher. Ob jemand ein Terrorist oder ein Freiheitskämpfer ist, ist oft nur eine Frage der Perspektive. Die UN bemühte sich vergeblich, eine allseits akzeptierte Definition aufzustellen und eine Forschungsgruppe fand 109 unterschiedliche Definitionen des Terrorismus.

In diesem Artikel möchte ich daher keine zu strengen Abgrenzungen ziehen. Es geht nur darum, einen kurzen Überblick über die einzelnen Regionen zu bieten, ohne sich in Detailanalysen zu verfangen.

Im Vielvölkerstaat Myanmar und in Thailand sind es vor allem separatistisch orientierte Gruppen, die Anschläge verüben. In Myanmar sind verstärkt die Grenzregionen vom Terror betroffen. Im Westen des Landes, im Gebiet der unterdrückten Minderheit der Rohingya und im Norden im Gebiet der Kachin, sind Entführungen, Ermordungen und Explosionen beinahe an der Tagesordnung. Die Lage ist gewaltgeladen und der Terror lässt sich nicht immer klar von Kriminalität (Drogenkriege), Aufständen und Racheakten trennen. Die touristisch gut erschossenen Gebiete im Zentrum des Landes sind i.d.R. eher sicher.

In Thailand ist der Hotspot des Terrorismus der muslimisch geprägte Süden, der 1841 annektiert wurde. Auch hier mischt sich Drogenkrieg mit Separatismus und Religion. Seit 2004 verfolgt die thailändische Regierung eine harte, blutige Linie in dem Konflikt, indem mehrere tausend Opfer zu beklagen sind.

Indonesien, das bevölkerungsreichste islamische Land der Erde, mit seinen ca. 200 Millionen Muslimen und Malaysia mit seinen ca. 20 Millionen Gläubigen, mussten sich notgedrungen mit islamistischen Terror befassen. Auf der Sicherheitskonferenz “Shangri La Dialog” warnte der Premierminister Singapurs Lee Hsien Long in seiner Rede im Mai 2015: “Südostasien ist für den IS eine Schlüsselregion für die Rekrutierung.” Allerdings konnten die terroristischen Anwerber viel weniger erreichen, als man es vielleicht bei der großen Zahl an Gläubigen vermuten würde. Im Jahre 2015 vermutete man ca. 500 Gotteskrieger aus Indonesien und mehrere Dutzend aus Malaysia in den Reihen des Islamischen Staates. Zur gleichen Zeit sollen nach Angaben des Präsidenten des Verfassungsschutzes ca. 700 Kämpfer aus Deutschland im Kampfgebiet tätig gewesen sein.

In Malaysia scheint man anfangs den IS falsch eingeschätzt zu haben und es gab sogar aus Regierungskreisen unkritische Sätze zu hören. Mittlerweile wurde die Gefahr allerdings erkannt und es gibt, ähnlich wie in Indonesien, Deradikalisierungskampagnen.

In beiden Ländern gibt es auch einheimische Terrororganisationen. Im islamistischen Bereich führte die Gruppe Jamaah Ansharut Tauhid 2002 den blutigen Anschlag auf Bali mit 202 Toten aus. Daneben gibt es andere aktive Organisationen in Indonesien, wie Mujahidin Indonesia Timur und die Aceh Singkil Islamic Care Youth Students Association. Eine separatistische Gruppe ist “Free Papua Movement”, die tödliche Anschläge durchführte. Alles in allem ist die Gefahr in Indonesien Opfer eines Anschlages zu werden dennoch gering.

Die aktivste Gruppe in Malaysia ist Abu Sayyaf. Aber alles in allem ist das Land sicher.

Das größte Sorgenkind in Südostasien sind die Philippinen. Hier kommt alles in großer Zahl zusammen: ob Terror mit politischen, separatistischen, kriminellen oder religiösen Ziele – oder gleich alles zusammen. Besonders blutig ist die Auseinandersetzung der kommunistischen Gruppen, wie der New People’s Army, mit den staatlichen Autoritäten, denen schon mehrere hundert Menschen zum Opfer gefallen sind. Daneben gibt es viele hochaktive Terroristengruppen, die Gottesstaaten errichten wollen, wie Abu Sayyaf oder eine asiatische Abteilung des IS. Die Grenze zum Bürgerkrieg ist fließend. Seit Mai 2017 halten einige hundert Kämpfer Teile der Stadt Marawi besetzt. Der philippinische Präsident Duterte hat daraufhin das Kriegsrecht verhängt. Seine Truppen konnten die Terroristen zwar zurückdrängen aber noch nicht vollständig besiegen.

In den Ländern Laos, Kambodscha und Vietnam sieht es hingegen viel friedlicher aus. In Laos sorgte im Jahr 2003 ein Anschlag auf einen Reisebus in der Nähe der Stadt Vang Vieng für Schlagzeilen: Zwanzig Bewaffnete eröffneten das Feuer und töteten 10 Touristen. Ob es sich dabei um einen terroristischen Anschlag oder um einen Raubüberfall handelt, ist nicht vollständig geklärt worden. Abgesehen von diesem blutigen Zwischenfall ist Laos nur sehr selten Ziel von Anschlägen.

In Kambodscha und Vietnam ist Terrorismus nahezu unbekannt.

 

Recherchetools:

Global Terrorism Database

Tracking Terrorism

Länderdaten

Auf der Coursera-Online-Universität gibt es einen englischsprachigen Kurs zum Thema “Terrorism and Counterterrorism”. Dort geht es um allgemeine Grundlagen zum Thema Terrorismus. Der Kurs wird alle paar Monate neu gestartet und bietet kostenloses Lernmaterial.

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“Hinduismus” – ein junger Begriff für viele, alte Glaubensrichtungen

Hindutempel in Kuala Lumpur

Erst in der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert wurde der Begriff “Hinduismus” geprägt. Die englische East India Company, die in Bengalen tätig war, fasste unter Hinduismus die Religionen der Inder zusammen. Vielleicht bemerkten die Europäer gar nicht, dass es viele verschiedene Glaubensrichtungen im Land gab. Dazu mag beigetragen haben, dass die Anhänger der verschiedenen Sekten friedlich miteinander lebten, was zu dieser Zeit in Europa schwer vorstellbar war.

Das Wort “Hindu”, von dem das Wort “Hinduismus” abgeleitet ist, könnte ebenfalls an der “falschen” Kategorisierung mitschuldig sein. Es stammt nicht aus Indien, sondern ist persischen Ursprungs. Im Singular bezeichnet “Hindu” den Fluss Indus (der im altindischen Sanskrit “Sindhu-” heißt), im Plural bedeutet es sinngemäß “die Leute, die am Indus leben”. Die Muslime, die ab dem Jahre 711 Teile des Subkontinents eroberten, unterschieden ihre Bevölkerung nach Muslimen und Hindus. Unter Hindus wurde aber nicht eine Religion verstanden, sondern pauschal alle Nicht-Muslime, da die Unterscheidung beispielsweise für die Steuergesetzgebung wichtig war.

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Batik – eine indonesische Kunst

Batikmotiv aus Yogyakarta
Batikmotiv aus Yogyakarta (Foto: Wikimedia Commons, Thomas Bergholz)

Die buntgemusterten Batik-Hemden haben es in die Läden in aller Welt geschafft. Dahinter steht eine indonesische Kunstform, die auf ein spezielles Färbeverfahren beruht. Das javanische Wort “mbatik” bedeutet soviel wie “mit Wachs schreiben” – und das ist das Geheimnis der Muster.

Traditionell arbeiten mehrere Frauengenerationen einer Familie zusammen in einer Werkstatt. Mit dem “canting”, einem füllerähnlichen Instrument, das mit Wachs befüllt ist, wird auf Stoffbahnen ein Muster eingezeichnet. Beim anschließenden Färben bleiben diese Stellen dadurch frei und behalten die ursprüngliche Farbe des Stoffes. Danach kann das Wachs ausgekocht werden. Je nach Muster wird dieser Vorgang öfters wiederholt.

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Die Muster selbst variieren je nach Region. So nutzt man in den Sultansstädten Solo und Yogyakarta gerne dunkle Farbtöne in Braun, Schwarz, Indigo-Blau und Rot. Die Symbole tragen verschiedene Bedeutungen, so gibt es z.B. für Brautleute oder Begräbnisse verschiedene Bemalungen. Einige Muster waren sogar ausschließlich dem Sultan und seinem Anhang vorbehalten.

In den Küstenstädten Cirebon und Pekalongan hat sich ein eigener Stil entwickelt, der sich durch seine Farbenpracht auszeichnet. Die Muster zeigen chinesische und arabische Einflüsse.

Auf Bali hat Batik keine lange Tradition. Dennoch wächst die Industrie dort rasch, da vor allem Touristen an den Stoffen interessiert sind. Der Modetrend wurde von einigen Designern genutzt, um den indonesischen Stil auf die internationalen Laufstege zu bringen. Der vielleicht bekannteste Modeschöpfer ist Tex Saverio aus Jakarta, der Popstars wie Lady Gaga und Kim Kardashian einkleidet.

 
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Religiöse Toleranz in Indonesien

Meuseujid Raya Bayturrahman
Meuseujid Raya Bayturrahman (Foto: Si Gam Acèh)

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Der Islam erhielt hier, anders als in Nordafrika, nicht durch Eroberer, sondern durch Kaufleute Einzug.

In gewisser Hinsicht ist Indonesien ein religiös tolerantes Land: Muslime, Christen, Hindus und Anhänger kleinerer Glaubensgemeinschaften leben hier friedlich nebeneinander. Die wichtigsten Feste der verschiedenen Religionen gelten als nationale Feiertage.

Jeder Einwohner kann seinen Glauben frei wählen, allerdings sind nur der Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und der Glaube der Bahai offiziell anerkannt. Die Pancasila in der indonesischen Verfasssung legen fest, dass nur monotheistische Religionen akzeptiert werden. Die balinesischen Hinduisten, die eigentlich über eine Vielzahl an Göttern verfügen, erreichten dies, indem sie auf ihr oberstes göttliches Prinzip, dem Sanghyang Widhi Wasa verwiesen, in der alle Götter, Ahnen und Naturkräfte zu einer göttlichen Ordnung vereint werden.

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Problematisch ist für Anhänger nicht anerkannter Religionen und für Atheisten der Umgang mit den Behörden. Offizielle Dokumente, wie Personalausweise und Familienbuch erfordern die Zugehörigkeit zu einer der akzeptierten Glaubensrichtungen. Mit dem Einwohnermeldegesetz von 2006 ist es zwar erlaubt, die Religionszugehörigkeit nicht auszufüllen, aber in der Praxis weigern sich viele staatliche Beamte solche Dokumente auszustellen. Der Vorschlag des Innenministers Tjahjo Kumolo auf die Religionszeile zu verzichten, erntete Empörung aus den verschiedensten Lagern. Immerhin wurde beim elektronischen Personalausweis im Jahre 2013 die Kategorie “sonstige Religion” eingeführt.

Für Atheisten besteht wenig Verständnis. Wer seinen Nicht-Glauben öffentlich macht, dem droht Ächtung und im schlimmsten Fall sogar staatliche Verfolgung. Ein Blogger aus Sumatra veröffentlichte 2012 auf Facebook ein atheistisches Posting und wurde daraufhin wegen Anstiftung zum religiösen Hass zu 2 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Je nach Region wird der Islam unterschiedlich streng ausgelegt. Im Jahre 2013 verzeichnete die Nationale Kommission für Frauenrechte 342 von der Scharia “inspirierte” lokale und regionale Verordnungen. Dahinter stehen Richtlinien zum intensiven Koran-Unterricht für Schulkinder, Kleidungsvorschriften für Frauen und Strafen bei vorehelichen Sex, Alkoholmissbrauch und Glücksspiel.

In der Provinz Aceh im westlichen Sumatra, ist der Islam schon seit dem 13. Jahrhundert gefestigt und wird noch heute besonders strikt befolgt. Die Region nimmt eine Sonderstellung ein. Die Bewegung Unabhängiges Aceh kämpfte 30 Jahre lang gegen die indonesische Zentralregierung. Da Friedensabkommen scheiterten und auch militärisch nicht viel zu erreichen war, wurde der teilautonomen Provinz zugestanden, die Scharia offiziell einzuführen. Die Folge sind drakonische Strafen. Auf Glücksspiel oder Homosexualität droht das öffentliche Auspeitschen mit Rattanstöcken. 

Die Entwicklung der religiösen Toleranz in Indonesien ist nicht genau vorhersehbar. Noch sind viele Gläubige von den Hardlinern in Aceh weit entfernt. Allerdings konnte das Setara-Institut für Demokratie und Frieden einen Anstieg der religiösen Intoleranz verzeichnen. Von 2007 bis 2013 hat sich die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf religiöse Minderheiten von 91 auf 222 mehr als verdoppelt. In 117 Fällen waren staatliche Stellen involviert.

Im Oktober 2014 wurde Lukman Hakim Saifuddin zum Minister für religiöse Angelegenheiten. Es bleibt zu hoffen, dass der als moderat geltende Minister die Intoleranz zurück drängen kann.

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Pancasila – die fünf Grundsätze der indonesischen Politik

Garuda
Indonesisches Staatswappen: Der Stern steht für das göttliche All-Eine, die Kette für den Internationalismus, der Baum für den Nationalismus, der Büffel für Demokratie und Baumwolle und Reis für die soziale Wohlfahrt.
(Foto: Gunawan Kartapranata)

Die Pancasila sind die Grundsätze der indonesischen Politik. Sie wurden erstmals von Sukarno, dem Führer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung und späteren ersten Präsidenten, in einer Rede am 1. Juni 1945 erwähnt. In leicht abgeänderter Form, mit einer höheren Gewichtung der Religion, wurden sie in die Präambel der indonesischen Verfassung aufgenommen.

Das Wort “Pancasila” (oder auch “Pantja-Sila”) stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie “5 Prinzipien”.

Diese sind:
– Das Prinzip der All-Einen Göttlichen Herrschaft
– Internationalismus und Humanismus
– Nationale Einheit
– Demokratie
– Soziale Wohlfahrt

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Bahasa Indonesia – die Sprache Indonesiens

Am 28. Oktober 1928 trafen sich 70 junge Nationalisten in Batavia, um unter dem Motto “ein Land, eine Nation, eine Sprache” den Weg Richtung Unabhängigkeit einzuschlagen. Doch welche Sprache sollte man wählen? Auf den vielen Inseln des 1.900.000 km² großen Landes werden noch heute ca. 700 Sprachen gesprochen – das sind ca. 10% aller Sprachen weltweit. Obwohl die meisten Revolutionäre von der Insel Java stammten, entschieden sie sich gegen Javanisch. Die Wahl fiel auf die schon zuvor grenzüberschreitend gebrauchte Sprache des Nachbarstaates Malaysia: Malaiisch.

Die neue Sprache wurde mit der Unabhängigkeit im Jahre 1945 Indonesisch genannt. Zunächst wurde die neue Hochsprache im schriftlichen Verkehr gebraucht. Über Schule, Literatur und Medien verbreitete sich sich schnell und wurde von der Bevölkerung gut angenommen. Dennoch ist “Bahasa Indonesia” für die meisten Menschen im Land nur die Zweit- oder Drittsprache; zuerst wird die lokale Muttersprache erlernt.

In Malaysia entwickelte sich die Sprache anders als in Indonesien. Durch die britische Besatzung wurde Englisch zur Nationalsprache. 1957 konnte Malaysisch diesen Status wiedererlangen, wurde allerdings mit unzähligen Neologismen angereichert.

Auch in Indonesien veränderte sich die Sprache. Allerdings wurden hier vermehrt Lehn- und Fremdwörter aus dem Niederländischen eingeführt.

1972 folgte eine große Rechtschreibreform. Die Indonesier nutzen von da an, wie die Malaien, das lateinische Alphabet, anstatt der zuvor genutzten erweiterten Version der arabischen Schriftzeichen. So konnten die Schreibweisen von “Bahasa Indonesia” und “Bahasa Malaysia” angeglichen werden.

Literatur: 

Schott, Christina: Indonesien – Ein Länderporträt. Berlin, 2015.

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