“Hinduismus” – ein junger Begriff für viele, alte Glaubensrichtungen

Hindutempel in Kuala Lumpur

Erst in der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert wurde der Begriff “Hinduismus” geprägt. Die englische East India Company, die in Bengalen tätig war, fasste unter Hinduismus die Religionen der Inder zusammen. Vielleicht bemerkten die Europäer gar nicht, dass es viele verschiedene Glaubensrichtungen im Land gab. Dazu mag beigetragen haben, dass die Anhänger der verschiedenen Sekten friedlich miteinander lebten, was zu dieser Zeit in Europa schwer vorstellbar war.

Das Wort “Hindu”, von dem das Wort “Hinduismus” abgeleitet ist, könnte ebenfalls an der “falschen” Kategorisierung mitschuldig sein. Es stammt nicht aus Indien, sondern ist persischen Ursprungs. Im Singular bezeichnet “Hindu” den Fluss Indus (der im altindischen Sanskrit “Sindhu-” heißt), im Plural bedeutet es sinngemäß “die Leute, die am Indus leben”. Die Muslime, die ab dem Jahre 711 Teile des Subkontinents eroberten, unterschieden ihre Bevölkerung nach Muslimen und Hindus. Unter Hindus wurde aber nicht eine Religion verstanden, sondern pauschal alle Nicht-Muslime, da die Unterscheidung beispielsweise für die Steuergesetzgebung wichtig war.

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Religiöse Toleranz in Indonesien

Meuseujid Raya Bayturrahman
Meuseujid Raya Bayturrahman (Foto: Si Gam Acèh)

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Der Islam erhielt hier, anders als in Nordafrika, nicht durch Eroberer, sondern durch Kaufleute Einzug.

In gewisser Hinsicht ist Indonesien ein religiös tolerantes Land: Muslime, Christen, Hindus und Anhänger kleinerer Glaubensgemeinschaften leben hier friedlich nebeneinander. Die wichtigsten Feste der verschiedenen Religionen gelten als nationale Feiertage.

Jeder Einwohner kann seinen Glauben frei wählen, allerdings sind nur der Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und der Glaube der Bahai offiziell anerkannt. Die Pancasila in der indonesischen Verfasssung legen fest, dass nur monotheistische Religionen akzeptiert werden. Die balinesischen Hinduisten, die eigentlich über eine Vielzahl an Göttern verfügen, erreichten dies, indem sie auf ihr oberstes göttliches Prinzip, dem Sanghyang Widhi Wasa verwiesen, in der alle Götter, Ahnen und Naturkräfte zu einer göttlichen Ordnung vereint werden.

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Problematisch ist für Anhänger nicht anerkannter Religionen und für Atheisten der Umgang mit den Behörden. Offizielle Dokumente, wie Personalausweise und Familienbuch erfordern die Zugehörigkeit zu einer der akzeptierten Glaubensrichtungen. Mit dem Einwohnermeldegesetz von 2006 ist es zwar erlaubt, die Religionszugehörigkeit nicht auszufüllen, aber in der Praxis weigern sich viele staatliche Beamte solche Dokumente auszustellen. Der Vorschlag des Innenministers Tjahjo Kumolo auf die Religionszeile zu verzichten, erntete Empörung aus den verschiedensten Lagern. Immerhin wurde beim elektronischen Personalausweis im Jahre 2013 die Kategorie “sonstige Religion” eingeführt.

Für Atheisten besteht wenig Verständnis. Wer seinen Nicht-Glauben öffentlich macht, dem droht Ächtung und im schlimmsten Fall sogar staatliche Verfolgung. Ein Blogger aus Sumatra veröffentlichte 2012 auf Facebook ein atheistisches Posting und wurde daraufhin wegen Anstiftung zum religiösen Hass zu 2 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Je nach Region wird der Islam unterschiedlich streng ausgelegt. Im Jahre 2013 verzeichnete die Nationale Kommission für Frauenrechte 342 von der Scharia “inspirierte” lokale und regionale Verordnungen. Dahinter stehen Richtlinien zum intensiven Koran-Unterricht für Schulkinder, Kleidungsvorschriften für Frauen und Strafen bei vorehelichen Sex, Alkoholmissbrauch und Glücksspiel.

In der Provinz Aceh im westlichen Sumatra, ist der Islam schon seit dem 13. Jahrhundert gefestigt und wird noch heute besonders strikt befolgt. Die Region nimmt eine Sonderstellung ein. Die Bewegung Unabhängiges Aceh kämpfte 30 Jahre lang gegen die indonesische Zentralregierung. Da Friedensabkommen scheiterten und auch militärisch nicht viel zu erreichen war, wurde der teilautonomen Provinz zugestanden, die Scharia offiziell einzuführen. Die Folge sind drakonische Strafen. Auf Glücksspiel oder Homosexualität droht das öffentliche Auspeitschen mit Rattanstöcken. 

Die Entwicklung der religiösen Toleranz in Indonesien ist nicht genau vorhersehbar. Noch sind viele Gläubige von den Hardlinern in Aceh weit entfernt. Allerdings konnte das Setara-Institut für Demokratie und Frieden einen Anstieg der religiösen Intoleranz verzeichnen. Von 2007 bis 2013 hat sich die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf religiöse Minderheiten von 91 auf 222 mehr als verdoppelt. In 117 Fällen waren staatliche Stellen involviert.

Im Oktober 2014 wurde Lukman Hakim Saifuddin zum Minister für religiöse Angelegenheiten. Es bleibt zu hoffen, dass der als moderat geltende Minister die Intoleranz zurück drängen kann.

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