Singapurs Wirtschaftswunder (Geschichte Singapurs 4)

Singapur
Singapur (Foto: Wikimedia Commons, Social Services)

Die Wirtschaft Singapurs durchlief nach der Unabhängigkeit verschiedene Phasen: In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt auf einer arbeitsintensiven Exportindustrialisierung, es folgte ein Strukturwandel zugunsten sach- und humankapitalintensiver Industrien. Am Ende der Entwicklung stand der Übergang zur wissensbasierten Ökonomie.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Industrie Singapurs hauptsächlich auf Rohstoffverarbeitung, wie die von Kautschuk, ausgerichtet.

Ende der 70er Jahre verabschiedete der Nationale Lohnrat, eine staatliche Organisation mit Vertretern der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der Regierung, extreme Lohnerhöhungen. Steigerungen von 20 % und mehr sollten dafür sorgen, dass Unternehmen die Effizienz steigern mussten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es sollte nicht mehr die billige Massenware hergestellt werden, sondern hochwertige Produkte. Um das Ziel zu erreichen, wurden Ausbildungseinrichtungen geschaffen und das deutsche Handwerksmeister-System übernommen.

Singapurs Unabhängigkeit: das große Aufräumen (Geschichte Singapurs 3)

HawkerCenter
Ein Hawker-Center: Marine Parade Food Centre. (Foto: Wikimedia Commons, Terence)

Im 2. Weltkrieg wurde das unter britischer Herrschaft stehende Singapur von den Japaner besetzt. Nach deren Kapitulation folgte schnell eine Anbindung an Malaysia und schließlich die Unabhängigkeit im Jahre 1965.

Das unabhängige Singapur wurde als parlamentarische Demokratie gegründet. Doch unterscheidet sich diese wesentlich von der Demokratieidee im Westen. Es werden zwar regelmäßig freie Wahlen durchgeführt, doch das Volk ist bei der Staatsführung wenig involviert. Die Wurzeln dafür könnten in der kolonialen Zeit liegen: Die Bürger waren nicht gewohnt sich zu beteiligen und akzeptierten eine paternalistische, autoritäre Führung.

Lebensbedingungen des Prekariats in Singapur im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts (Geschichte Singapurs 2)

Hafen
Der moderne Tiefwasserhafen liegt fernab des historischen Hafens, der an der Flussmündung lag.

Die von Raffles neu gegründete Kolonie Singapur wuchs aufgrund ihrer Lage schnell. Der Handel prägte nicht nur die ansässigen Industrien, sondern auch die Kultur.

Ein wichtiger Industriezweig war die Transportindustrie. In Singapur wurde eine ungeheuer große Menge an Gütern umgeschlagen. Das benötigte eine ebenso beeindruckende Anzahl an Arbeitern, die die Güter zwischen Schiffen, Lagern und Fabriken hin- und her transportieren.

Die Arbeitsbedingungen in dieser Branche waren sehr hart. Es gab keine geregelten Arbeitszeiten: Wenn Arbeit da war, musste sie schnell getan werden! Es konnte nicht genau vorhergesehen werden, wann die Handelsschiffe in den Hafen liefen und daher mussten die Transporter jederzeit bereit sein.

Die Gründung Singapurs (Geschichte Singapurs 1)

Singapur
Cricket-Club, Singapur.

Die Geschichte des modernen Singapurs begann vor knapp 200 Jahren. Sir Stamford Raffles, der im Auftrag der englischen Ostindien-Kompanie in Asien tätig war, handelte am 30. Januar 1819 ein Siedlungsrecht mit dem lokalen Herrscher aus. Die Engländer übernahmen das Gebiet und begannen mit dem Ausbau des Stützpunktes.

Vor dem Eintreffen der Briten war die Insel kaum bewohnt und mit tropischem Regenwald überzogen. Schätzungen gehen von ungefähr eintausend Einwohnern aus. Sie gehörten zu den Orang Laut, einem malayischen Seefahrervolk, dass dementsprechend stark auf das Meer ausgerichtet war und bei denen die Kultivierung des Landesinneren nur eine geringe Rolle spielte.