Lackprodukte aus Myanmar (Lacquerware)

Lackware
Lackware. Wikimedia Commons, Wagaung at the English language Wikipedia.

Die vielleicht bekanntesten Kunstwaren aus Myanmar sind die Lackprodukte. Ein Reisender in Bagan wird die Waren an vielen Ständen, teilweise direkt vor den Pagoden, angeboten bekommen.

Die Kunstform hat uralte Wurzeln: schon vor 3.000 Jahren wurde sie in China ausgeübt und nach und nach von den südostasiatischen Nachbarn übernommen und weiterentwickelt. In Myanmar scheint das Handwerk im 12. oder 13. Jahrhundert in Bagan aufgegriffen worden zu sein.

Die Herstellung erfolgt auch heute nach alter Tradition aus natürlichen Materialien. Der Grundstoff des Lacks ist Harz vom Thitsi-Baum. Mit zwei bis zu 20 cm langen und ungefähr 5 cm tiefen Kerben, die in Form eines Vs geschnitten werden, wird der Baum angezapft. Das graue, dickflüssige Harz tropft dadurch langsam in ein Auffangbehälter. Nach dem Abzapfen erhält der Baum vier oder fünf Jahre Ruhe, um vollständig zu regenerieren.

Der Lack hat unterschiedliche Qualität: Aus frischen Harz kann ein schwarzer Lack gewonnen werden, der nur bis zu 25 % Wasser enthält. Die zweitbeste Sorte ist ein brauner Lack, der aus bis zu 35 % Wasser bestehen kann. Die schlechteste Art ist der gelbe mit bis zu 45 % Wasseranteil. Der Qualitätsunterschied wirkt sich auf die Glanzeigenschaften der fertigen Produkte aus.

Die Waren, die mit Lack verziert werden können, sind vielfältig. Es sind Gegenstände, die aus Bambus, Holz oder Eisen hergestellt werden – beispielsweise Boxen, Tische oder Servierbretter.

Der Lack wird mit Asche angerührt und per Hand auf das Objekt aufgetragen. Danach muss der Gegenstand ungefähr eine Woche trocknen. Anschließend folgt das Waschen und Polieren. Um eine hohe Qualität zu erreichen, sind mindestens sieben Lackschichten vonnöten und so wird das Verfahren mehrmals wiederholt. Mit der letzten Lackschicht wird ein Zinnober-Pulver namens Hinthabada beigemengt, das für verschiedene Färbungen, wie gelb, rot, grün und blau, sorgt.

Im letzten Arbeitsschritt folgt die Verzierung. Die Gravuren werden ohne Schablone freihändig durchgeführt. Da der Lack keine Fehler verzeiht, muss das Muster im ersten Versuch gelingen.

Links:

http://bagan.travelmyanmar.net/bagan-lacquerware.htm

http://www.azibaza.com/lecture/lacquer.htm

 
www.suedostasien-reisen.net

 


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Myanmar: Die “Zehn Blüten” des Kunsthandwerks

Lackwaren
Frauen aus Bagan stellen Lackwaren her. (Foto: Wikimedia Commons, Hybernator)

In Myanmar gibt es zehn traditionelle Künste, die sogenannten „Zehn Blüten“:

Panbe
Die Schmiedekunst
Panbu
Die Skulptur-Erstellung
Pantain
Die Gold- und Silberschmiederei
Pantin
Der Bronzeguss
Panyan
Die Kunst der Ziegellegerei und Mauerkunst
Pantaut
Eine Sonderform der Mauerei, bei der Blumen dargestellt werden
Pantamault
Eine Sonderform der Skulptur-Erstellung: die Steinskulptur-Kunst
Panpoot
Die Drehbank-Kunst
Panchi
Die Malerei
Panyun
Die Lackkunst (Lacquerware)

Neben den klassischen Künsten finden sich in Myanmar noch weitere hochwertige Handwerkswaren aus vielen Bereichen: Töpferei, Mosaik, Bildwirkerei, Edelsteinbearbeitung, dekoratives Parkett und Seidenweberei sind nur einige Beispiele.