Der Smaragd-Buddha in Bangkok

Smaragd-Buddha
Smaragd-Buddha in Regenzeit-Kleidung (Foto: Wikimedia-Commons, JPSwimmer)

Im Tempel Wat Phra Kaeo, gleich neben dem Grandpalace in Bangkok, ist eines der berühmtesten Heiligtümer Thailands beheimatet: der Smaragd-Buddha.

Smaragd-Buddha in der Kleidung der "Heißen Jahreszeit"
Smaragd-Buddha in der Kleidung der “Heißen Jahreszeit” (Foto: Wikimedia Commons, Axel Boldt)

Er ist nicht, wie sein Name vermuten ließe,  aus einem Smaragd-Kristall gefertigt, sondern aus Jade. Die Buddha-Figur sitzt in Heldenpose, also im halben Lotussitz, mit den Handflächen nach oben auf den Schoss gelegt (Dyana Mudra), auf einem Thron. Diese Darstellung ist eine typische Meditationshaltung.

Die Statue hat zu den drei thailändischen Jahreszeiten (Heiße Jahreszeit, Kalte Jahreszeit, Regenzeit) jeweils ein eigenes Gewand und wird in einer feierlichen Zeremonie umgekleidet.

In Thailand werden alten Artefakten besonders starke Kräfte zugesprochen. Der Smaragd-Buddha gilt als außergewöhnlich alt und ehrwürdig. Der Legende nach wurde die Figur vom indischen Asketen Nagasena vor ca. 2000 Jahren erschaffen. Laut den Chroniken hatte der Smaragd-Buddha in den nachfolgenden Jahrhunderten viele Aufenthaltsorte: seine Reise ging von Sri Lanka nach Myanmar, Kambodscha und dem nordthailändischen Staat Lan Na. Zwischendurch verschwand er aus dem Blickfeld, da er hinter Stuck in einem Tempel in Chiang Rai versteckt war. Laut einer Erzählung wurde er 1434 wiederentdeckt, als ein Blitz in einer Stupa einschlug und die Statue wieder zum Vorschein brachte.

Smaragd-Budda in Winterkleidung
Smaragd-Budda in Winterkleidung (Foto: Wikimedia Commons, Russel Wade)

Über den Umweg über Laos gelangte die Figur in die Hände des späteren Königs Rama I., der den Buddha in die neue Hauptstadt Bangkok brachte. Mit diesem außergewöhnlichen Artefakt konnte er seine Herrschaft festigen und gleichzeitig seine Ansprüche auf Nordthailand und Laos bekräftigen.

Um 1820 brach eine Cholera-Epedemie im Land aus. Einigen Quellen zufolge kostete die Seuche einem Fünftel der Bevölkerung das Leben. In der Not wurden religiöse Mittel beschworen – der Smaragd-Buddha wurde durch Bangkok getragen, in der Hoffnung auf seine reinigende Kraft. Doch erst durch Impfungen amerikanischer Missionare konnte die Seuche eingedämmt werden.

Heute ist der Smaragd-Buddha eine Pilgerstätte für Buddhisten und eine Hauptsehenswürdigkeit für Bangkok-Touristen. 

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Thailand im 19. Jahrhundert (Geschichte Thailands 9)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte der siamesische König über eine Fläche, die vergleichbar mit der Größe des heutigen Thailands war. Zu diesem Herrschaftsgebiet hinzu kam noch die gleiche Grundfläche an Vasallenstaaten.

Das islamisch geprägte Sultanat Patani, das im Süden von Thailand lag, war schon zu Zeiten Ayutthayas abgabepflichtig. 1808 erfolgte ein Aufstand, der von den Siamesen niedergeschlagen wurde.

Es folgte eine Aufsplitterung der Verwaltung und letzten Endes die Annexion durch Bangkok im Jahre 1841.  In dieser Region finden sich noch heute separatistische Strömungen, die teilweise mit Gewalt versuchen, die Unabhängigkeit zu erlangen.

Der laotische Vasallenstaat bäumte sich 1828 unter dem Herrscher Cao Anu gegenüber Thailand auf. Unter dem Vorwand, den Siamesen vor einer vermeintlichen britischen Bedrohung zu helfen, führte er seine Armee gegen die Thais. Das Heer Rama III. konnte den Angriff zurückschlagen und zerstörte die laotische Hauptstadt Vientiane völlig. Cao Anu wurde gefangen genommen und verstarb unter mysteriösen Umständen.  Vieles spricht dafür, dass der erfolglose Feldzug der Laoten ein Präventivkrieg war.

Im 19. Jahrhundert wurde die Gefährdung Thailands durch die Europäer offensichtlich. Die Briten öffneten mit Gewalt in den beiden Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) China für die westlichen Mächte.  1852 nahmen sie das südliche Myanmar ein und wurden damit direkter Nachbar Thailands.

Die Regierung in Bangkok sah in der Kooperation mit den Europäern den besten Weg, die Unabhängigkeit zu erhalten. 1855 unterzeichnete Mongkut, Rama IV. genannt, zusammen mit dem englischen Unterhändler John Bowring einen Vertrag, der den Briten günstige Handelsbedingungen gewährte. Opium durfte zollfrei eingeführt werden; die restlichen Güter wurden mit einem niedrigen Satz von 3 Prozent besteuert; der Reishandel wurde erlaubt. 1856 folgte ein ähnlicher Vertrag mit den Franzosen, die zu dieser Zeit stärker in Südostasien aktiv wurden.

Durch diese Abkommen wurde Thailand mehr in die Weltwirtschaft involviert: Landwirtschaft und Industrie wandelten sich und das Land erfuhr einen ökonomischen Aufschwung. Die Rohstoffproduktion konzentrierte sich auf gewinnbringende Produkte, wie Reis, Teakholz und Zinn. Das traditionelle Handwerk wurde teilweise durch die europäischen Fertigprodukte zurückgedrängt. Britische Textilien waren der Hauptimportartikel.

Erst da entwickelte sich Reis zum wichtigsten Exportgut. Zuvor bauten die Landwirte eine Vielzahl unterschiedlicher Nahrungsmittel an, darunter viele Früchte. Das änderte sich mit den Handelsabkommen. Von 1857 bis 1909 wuchs die Reisproduktion auf das Fünfzigfache.

Rama IV. folgte ein weiterer reformfreudiger König: Chulalongkorn, genannt Rama V.. Seine Regierungszeit betrug fast 40 Jahre – von 1868 bis 1910. Er richtete die Gesellschaft neu aus. Sklaverei und das feudale Lehnsystem wurden abgeschafft. Die Administration wurde stärker zentralisiert. Der dem Westen aufgeschlossene König stellte Hunderte von ausländischen Beratern ein, die helfen sollten, das Land zu modernisieren.

Die Änderungen betrafen alle Felder der Staatsverwaltung – von der Rechtssprechung, über die Geldwirtschaft bis hin zum Transportwesen.

Chulalongkorn
Chulalongkorn, Rama V. (Foto: Wikimedia Commons, Sodacan)

Rama V. heuerte europäische Architekten an, die beim Entwurf von westlichen Gebäuden für das Zentrum Bangkoks mitarbeiteten. Die thailändische Hauptstadt erhielt eine moderne Infrastruktur, wie beispielsweise Stahlbrücken.

Das eindrucksvollste Bauprojekt dieser Epoche wurde durch eine Europareise des Königs angeregt. In den abendländischen Metropolen besuchte er die prunkvollen Palastanlagen und beschloss etwas Ähnliches entwerfen zu lassen. Es entstand der Dusit-Bezirk: In einer großzügigen Parklandschaft wurden mehrere Paläste errichtet. Die vielleicht bekanntesten Gebäude sind die Ananta-Samakhom-Thronhalle, die im Barock-Stil erbaut wurde, und das Vimanmek Mansion, ein Palast, der komplett aus Teakholz besteht.

Vimanmek Mansion
Vimanmek Mansion. Das Gebäude wurde einige Jahre zuvor als Sommerresidenz auf Koh Sri Chang erbaut. Auf Wunsch des Königs wurde dort der Palast zerlegt, nach Bangkok transportiert und da wieder errichtet.

Die stärkere Zentralisierung und die damit verbundene Bedeutungszunahme von Bangkok sorgten für Unzufriedenheit in den Provinzen.

Bankgoks Bevölkerungszunahme

Jahr Bevölkerung Jährliches Wachstum in % Verhältnis Bangkok / Chiang Mai
1883 169.300 1,90 10:1
1913 365.492 2,60 12:1
1929/30 702.544 3,92 14:1
1937 890.453 3,44 15:1

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Thailand von mehreren Rebellionen erschüttert:

– Im Süden kam es im ehemaligen Sultanat Patani zu Aufständen.

– Im Norden, im Gebiet von Lan Na, kam es zu blutigen Unruhen, die als „Shan-Rebellion“ in die Geschichtsbücher eingingen.

– Im Nordosten, in der Isan-Region, die das thailändische Gebiet zwischen Kambodscha und Laos umfasst, begehrten vor allem die Laoten auf. Kettenbriefe und vermeintlich mit magischen Kräften ausgestattete Männer sammelten teilweise über 1000 Aufständische, um gegen die siamesische Herrschaft vorzugehen.

Die Revolten wurden schnell eingedämmt, flackerten aber in den nachfolgenden Jahren noch einmal auf, ohne allerdings eine allzu große Wirkung zu haben.

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Hier geht es zu Teil 8: Bangkok, die Stadt der Engel
Teil 10: Kriege und Aufstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Bangkok, „die Stadt der Engel“ (Thailands Geschichte 8)

Bangkok, Grand Palace
Bangkok, Grand Palace

Eine der ersten Amtshandlungen von Rama I. war die Umverlegung der Hauptstadt. Thonburi lag am westlichen Ufer des Chao Phraya Flusses und hatte dadurch mehrere Nachteile: Es gab Probleme mit der Bodenerosion und der Ort war schlecht gegen Angriffe aus Myanmar geschützt. Daher zog die Administration nur ein kurzes Stück weiter an das Ostufer.

Karte
Thonburi und Bangkok, 1782. Das Gebiet östlich des Flusses wird als Rattanakosin bezeichnet. (Foto: Wikimedia Commons, Paul_012, abgeändert)

Dort lag das Dörfchen Bangkok, das übersetzt soviel wie Olivendorf bedeutet. Die Ortschaft war überwiegend von chinesischen Fischern und Händlern bewohnt, die in das heutige Chinatown umgesiedelt wurden.


Die neue Hauptstadt wurde Gkrung-Thèep genannt: die Stadt der Engel. Die Thais bezeichnen ihre Metropole heute noch mit diesem Namen.

Die neue Hauptstadt bedurfte vieler Baumaßnahmen. Tempelanlagen und Palastgebäude waren die größten Herausforderungen. Auf dem Gelände des „Großen Palastes“ wurde einer der schönsten Tempel errichtet: der Wat Phra Kaeo.

Hier ist heute noch der sogenannte Smaragd-Buddha untergebracht. Diese aus Jade kunstvoll hergestellte Statuette hatte eine besondere religiöse Bedeutung. Umso älter eine Buddha-Statue ist, desto größer werden seine Kräfte eingeschätzt – und dieses Bildnis galt als außergewöhnlich alt und ehrwürdig. Der Legende nach wurde die Figur vom indischen Asketen Nagasena vor ca. 2000 Jahren erschaffen. Laut den Chroniken hatte der Smaragd-Buddha in den nachfolgenden Jahrhunderten viele Aufenthaltsorte: seine Reise ging von Sri Lanka nach Myanmar, Kambodscha und Lan Na. Zwischendurch verschwand er aus dem Blickfeld, da er hinter Stuck in einem Tempel in Chiang Rai versteckt war. Laut einer Erzählung wurde er 1434 wiederentdeckt, als ein Blitz in einer Stupa einschlug und die Statue wieder zum Vorschein brachte. Anschließend nahmen die Laoten die Figur nach Vientiane. Dort konnte sie der spätere König Rama I. – damals noch General – sichern und zu Taksin nach Thonburi zurück bringen.

Als Rama I. seine neue Hauptstadt baute, holte er die Statue sofort herüber. Mit diesem außergewöhnlichen Artefakt konnte er seine Herrschaft festigen und gleichzeitig seine Ansprüche auf Lan Na und Laos aufzeigen.


Die Wirtschaftspolitik ähnelte der Thonburi-Ära. Bangkok wurde zu einem internationalen Handelshafen. Die chinesischen Händler nahmen auch in dieser Zeit eine wichtige Rolle im Warenverkehr ein. Durch Steuervorteile wurden weitere Kaufleute ins Land gelockt. Ab den 1820er-Jahren begannen die chinesischen Einwanderer in den Provinzen Thailands Pfeffer und Zuckerrohr anzubauen.

Die Regierung investierte in den Ausbau von Kanälen. Ursprünglich wurden sie aus militärischen Gründen angelegt, doch schnell nutzten die Händler die Wasserstraßen, die optimal zum Transport von Gütern in das Hinterland von Bangkok geeignet waren.

Von 1809 bis 1824 regierte Rama II., der Sohn des vorigen Königs, in Siam. Die Regierungszeit verlief friedlich und es mussten keine größeren Konflikte mit den Nachbarstaaten gelöst werden. Siam öffnete sich wieder den westlichen Mächten. Briten und Amerikaner sandten Missionare und Kaufleute.

Smaragd-Buddha
Smaragd-Buddha

Um 1820 brach eine Cholera-Epedemie im Land aus. Einigen Quellen zufolge kostete die Seuche einem Fünftel der Bevölkerung das Leben. In der Not wurden religiöse Mittel beschworen – der Smaragd-Buddha wurde durch Bangkok getragen, in der Hoffnung auf seine reinigende Kraft.  Doch Thailand wurde von weiteren Seuchenwellen getroffen. Erst als amerikanische Missionare um 1838 die Menschen zu impfen begannen, konnten die Krankheiten eingedämmt werden. Seit dieser Zeit werden Missionare als „in Religion unterrichtende Ärzte“ bezeichnet.

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Hier geht es zu Teil 7: Thaksin und das wiederestarkte Siam
Teil 9: Thailand im 19. Jahrhundert

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Traditionelle Elemente der Thai-Architektur am Beispiel “Golden Mount”

Golden Mount, Bangkok
Golden Mount, Bangkok

Der Tempel auf dem Hügel „Golden Mount“ ist einer der ältesten in Bangkok. 1801 wurde er restauriert und vom König Rama I. unter dem Namen „Wat Saket“ feierlich wiedereröffnet.

Übersetzt bedeutet die Bezeichnung „Tempel der Reinigung des königlichen Haares“ und bezieht sich auf die rituelle Reinigung, die Rama I., damals noch General Chakri,  vor seiner Machtübernahme im Jahr 1782 hier durchführte. Nach der Zeremonie eilte er in den Palast. Dort fand eine Revolte gegen König Taksin statt, der in geistiger Umnachtung seine Familie töten und sich als Gott verehren ließ. In einem Samtsack mit einem Sandelholz-Stock zu Tode geprügelt, fand der alte Herrscher sein Ende und Chakri konnte den Thron besteigen.

Am „Golden Mount“ lässt sich gut die traditionelle Thai-Architektur studieren. Auch in Südostasien findet sich ein großer Unterschied zwischen religiösen und profanen Bauten.

Der Aufbau der Wohnhäuser orientierte sich an den ländlichen Lebensweisen seiner Bewohner. Stelzenbauweise sorgt für trockene Füße in Flutzeiten und verhindert die Ausbreitung von Krankheiten. Die Häuser wurden aus leichten Materialien gefertigt und verfügten über hohe Satteldächer, um die Wärme zu reduzieren. Da die Menschen tagsüber hart arbeiten mussten, wurden die Wohnungen nur bei Nacht genutzt.

Im Gegensatz dazu wurden die Tempel vor allem tagsüber aufgesucht und dementsprechend eingerichtet. Hier wurde eine massive Steinarchitektur vorgezogen, die in der heißen Sonne Kühle spendet. Der Fußboden ist erdnah, das Dach hoch aufschießend.

In vielen traditionellen Gebäuden findet man Treppenstufen und verschieden hoch gelegene Räume. Die thailändische Gesellschaft ist sehr hierarchisch strukturiert und mit der Höhe einer Stelle im Haus wird ein sozialer Status ausgedrückt.

Die Sinne spielen in der traditionellen Architektur eine wichtige Rolle. Ein Gebäude soll sie auf sechs verschiedene Weisen ansprechen:
– Die Formgebung soll das Auge ansprechen.
– Geräusche sollen die Ohren aktivieren.
– Gerüche soll die Nase anregen.
– Guter Geschmack soll den Geist verwöhnen.
– Die Materialien sollen zum Tasten verführen.
– Schönheit und Sinn für das Heilige sollen die Seele erfüllen.

Wer auf diese Elemente achtet, findet in den Tempeln schnell Beispiele. Irgendwo sind Trommeln oder Glocken angebracht. Einige Glocken sind so konstruiert, dass sie schon durch den Wind erklingen, beispielsweise durch blattartige Klöppel, die als Windfang dienen. Für den Geruch sorgen nicht nur Plfanzen, sondern auch Aroma-Stäbchen. Der Tastsinn soll durch viele verschiedene Materialien und unterschiedliche Verarbeitungstechniken angeregt werden.

 
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Sunthòn Phu, der berühmteste thailändische Dichter

Sunthon Phu
Sunthòn-Denkmal am Wat Sri Sudaram in Bangkok. Hier studierte der Dichter in seiner Jugend. (Foto: Wikimedia Commons, Heinrich Damm)

Sunthòn Phu lebte von 1796 bis 1855. In seinem bewegten Leben sah sich der Dichter vier Königen der Chakri-Dynastie gegenüber. In jungen Jahren, zu Zeiten Rama I., arbeitete er als einfacher Angestellter am königlichen Hof und verliebte sich dort in Jun, die der königlichen Familie angehörte. Eine derartige Liaison verletzte die sozialen Normen dieser Zeit und beide wurden inhaftiert. Erst mit dem Tod des Königs wurde Amnestie gewährt.

Aus der Haft entlassen, verfasste Sunthòn eines seiner berühmtesten Werke, das Reisegedicht „Nirat Mueng Grang“. Er schrieb mehrere Liebesgedichte für Jun, die er schließlich heiraten durfte. Es folgten glückliche Zeiten: Sie bekamen einen Sohn und Rama II. machte ihn zum Hofdichter.

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Doch die Ehe hielt nicht lang. Sunthòn hatte eine Geliebte und Jun ließ sich scheiden. Dies war die erste Scheidung des Dichters, weitere sollten folgen. Er stürzte ab und verfiel dem Alkohol. Nach einer Schlägerei wurde er wieder inhaftiert. Im Gefängnis schrieb er ein Heldenepos über den Prinzen Aphai Mani, der mit seinem Bruder durch das antike Thailand zieht und mit seiner Flöte verzaubern kann. Der Held durchlebt Abenteuer, entscheidet Schlachten und heiratet vier Mal, mit teilweise tragischem Ausgang.

Von König Rama II. erhielt Sunthòn einen Adelstitel, den er schnell wieder verlor, als er dessen Thronnachfolger verärgerte. Rama III. schrieb ebenfalls Gedichte. Sunthòn korrigierte eines der königlichen Werke in aller Öffentlichkeit und erregte damit den Zorn des Regenten, der ihm seinen Titel entzog. Sunthòn zog sich zurück, wurde erst Mönch und später Kaufmann.

Unter Rama IV. wendete sich das Blatt erneut. Dessen Tochter bat den Dichter das unvollendete Werk über den Prinzen Aphai Mani abzuschließen. Zur Belohnung erhielt er wieder einen Adelstitel und wurde zum Direktor der königlichen Schreibstube ernannt. Den Rest seines Lebens konnte der große Dichter friedlich verbringen, bis er schließlich 1855 starb.

Facebook-Seite des Sunthon-Phu-Museums in Bangkok 

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Ramakien – die thailändische Version des Ramayana

Royal Palace, Bangkok. 08/2010.
Royal Palace, Bangkok. 08/2010.

Neben dem Mahabharata ist das Ramayana das bedeutendste indische Epos. Die Datierung des Ramayana ist nicht genau möglich, doch grob lässt sich die Entstehung des Werkes vor ungefähr 2000 bis 2500 Jahren einordnen. Es gibt nicht die eine verbindliche Version des Werkes. Zählt man die verschiedenen Textarten (Epos, Dichtung, religiöse Erzählung) zusammen, finden sich ungefähr 25 in Sanskrit abgefasste Varianten. Dazu kommt eine unüberschaubare Zahl von fremdsprachlichen Ramayana-Erzählungen. Mit der Verbreitung der indischen Kultur wurde auch das Epos in die Länder Süd- und Südostasiens getragen. Es finden sich Texte in Balinesisch, Bengali, Kambodschanisch, Chinesisch, Javanisch, Laotisch, Malaiisch, Tamil, Thai, Tibetanisch und in vielen weiteren Sprachen. Viele dieser Werke wurden nicht nur aus dem indischen übertragen, sondern auch an den landestypischen Gepflogenheiten angepasst.

In Thailand wurde das Epos unter dem Namen Ramakirti (รามเกียรติ์) / Ramakian verbreitet. Zwar handelt es sich um Geschichten aus der hinduistischen Götterwelt, dennoch haben die Thais die Texte in ihre buddhistische Kultur integriert. Die Darstellungen von Episoden des Mythos sind vielfältig und reichen vom Tanz bis hin zur Tempelmalerei.

Sehr schöne Wandmalereien finden sich im Wat Phra Kaeo, dem Tempel des Smaragd-Buddhas, der neben dem Palast in Bangkok liegt. Dort wird ausführlich die gesamte Geschichte dargestellt.

Worum geht es in den Ramakian? Ähnlich wie in der Ilias hat der Bösewicht eine Frau entführt und möchte sie nicht herausrücken. Das führt zu einem Kampf zwischen den Göttern und den Dämonen.

Aber von Beginn an! In der Welt der Ramakian leben verschiedene Wesen: Menschen, Affen, Götter und Dämonen. Die Götter gründen die Stadt Ayutthaya, die Dämonen die Stadt Longka.

Der Hauptteil des Epos widmet sich der Fehde der beiden Könige dieser Städte: Phra Ram, der in Ayutthaya herrscht und von Menschen und Affen unterstützt wird und Thotsakan, dem zehnköpfigen Herrscher der Dämonenstadt. Beide kennen sich aus einem vorigen Leben, in dem Phra Ram den Dämonen getötet hat.

In der Thai-Version des Ramayana nehmen die Affen eine wichtige Rolle ein. Der mächtigste unter ihnen ist Hanuman, der durch den Windgott erschaffen wurde und ein treuer Verbündeter von Phra Ram ist. Er besitzt magische Fähigkeiten, kann sich in verschiedene Wesen verwandeln und kann einen Dreizack aus seinem Körper ziehen.

Der Dämon Thotsakan ist unsterblich, zumindest auf herkömmliche Art. In einem Ritual wurde sein Herz entnommen, in einem gläsernen Behälter gelegt und an einem geheimen Ort aufbewahrt. Solange der Dämon dem Herz fern bleibt, ist er nicht verwundbar.

Das Epos erzählt, wie Götter und Dämonen sich bekämpfen. Als Thotsakan Sida, die Frau von Phra Ram, entführt, spitzt sich die Situation zu. Mit List, Magie und Waffengewalt wird der Krieg geführt.

Der Dämon Phiphek, der Bruder von Thotsakan, der ein Seher ist, verrät seinen Blutsverwandten und läuft zu Phra Ram über. Umgekehrt läuft Hanuman zu den Dämonen über. Allerdings nur, um herauszufinden, wo das Herz von Thotsakant zu finden ist. Der Affe erbeutet das Herz und bietet es Thotsakan zum Austausch gegen Sida an. Der Dämonenherrscher zieht es aber vor, nicht nachzugeben. Er möchte seine Ehre nicht verlieren und lieber in der Schlacht sterben. Daher zieht er in der Gestalt des Gottes Phra Int in die letzte Schlacht. Sein Heer wird aufgerieben und er wird schließlich getötet. Nach vielen Jahren in der Gefangenschaft kann Sida befreit werden.

Mit Phiphek übernimmt ein Verbündeter Longka und heiratet Montho, die Frau von Thotsakan. Doch das Happy End zögert sich noch heraus. Montho gebiert Balaikan. Nachdem der erfährt, dass Thotsakan sein Vater war, sühnt er nach Rache. Er kämpft gegen die Feinde seines Vaters, doch nach anfänglichen Erfolgen siegt schließlich die Sippe der Götter.

Durch eine List wird Sida angestiftet ein Bild von Thotsakan zu malen. Phra Ram sieht das und glaubt, dass seine Frau in den toten Dämonenherrscher verliebt sei. Er urteilt streng und befiehlt Phra Lak die schwangere Sida zu töten. Doch der bringt das nicht über das Herz. Er tötet ein Reh und zeigt dessen Herz Phra Ram zum Beweis, dass Sida tot ist. Die hingegen lebt bei einem Einsiedler und gebiert dort einem Sohn, der durch Magie verdoppelt wird.

Jahre später trifft Phra Ram mit seinen Soldaten in einem Wald auf seine Kinder. Er sieht deren Geschicklichkeit und erkennt, dass sie von ihm sind. So trifft er Sida wieder und will ihr verzeihen, doch sie hat noch immer Angst vor ihm. Erst am Ende der Erzählung wird die Familie durch Vermittlung von Phra Isuan wieder zusammengeführt. Damit endet die Geschichte: Die Welt ist gerettet und alle sind glücklich und zufrieden.

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Eine gut zu lesende Auswahl der Ramakian auf ~300 Seiten:

Ein Buch zu den vielen Ramayana-Versionen, indem auch das Ramakien seinen Platz findet:

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Bangkok – Museum of Contemporary Art (MoCA)

MoCA-Bangkok
Dieses Foto von Museum of Contemporary Art (MOCA) wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Das Museum of Contempory Art ist ein Privatprojekt des Geschäftsmannes Boonchai Bancharongkul. Er wollte in der Jugend Kunst studieren, wurde aber von seinem Vater dazu angehalten, das Familienunternehmen zu übernehmen. Innerhalb von einigen Jahrzehnten baute er einen der größten thailändischen Telefonanbieter auf und verdiente dabei genügend Geld, um nebenbei viele Kunstwerke zu erwerben.

Diese Sammlung erhielt im Jahr 2012 einen würdigen Ausstellungsort. Inmitten einer interessanten Architektur werden 600 Gemälde und Skulpturen von mehr als 200 zeitgenössischen, thailändischen Künstler präsentiert.

Die Ausstellung versucht die verschiedenen kulturellen Einflüsse auf die thailändische Kultur darzustellen und dabei Bancharongkul Vorliebe für den Surrealismus und für buddhistische Kunst zu berücksichtigen.

Im Gegensatz zu europäischen Museen gibt es im MoCA keine schockierende oder provozierende Kunst. Typisch für die Thai-Kultur: die Werke sollen fröhlich machen und die Betrachter nicht mit negativen Gefühlen konfrontieren.

Webseite des Museums

 
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