Die Stadtmauer von Chiang Mai

Stadtmauer
Chiang Mai: Stadtmauer und Graben

Chiang Mai wurde 1296 von König Mangrai als Hauptstadt des Reiches Lan Na gegründet. Die Zeiten waren gefährlich und so wurde keine Zeit verschwendet, die neue Stadt zu befestigen. Ungefähr 50.000 Soldaten machten sich an die Arbeit, hoben den Stadtgraben aus und errichteten einen Wall. Bei der ersten Mauer dienten Ziegel nur dazu, die Erdmassen in Form zu halten. Im Jahre 1519 wurde die Anlage komplett überarbeitet.

Die Mauer konnte an fünf Toren passiert werden. Im Norden liegt das Pratoo Chang Puak (Tor der weißen Elefanten), dessen Name an zwei Elefanten erinnert, die in einer Schlacht halfen den Feind zu besiegen. Im Süden liegt das Pratoo Chiang Mai. Das Tor im Osten wird Pratoo Thapae genannt und war der Haupteingang für die Händler aus dem Landesinneren, da der Fluß Mae Nam Ping an dieser Seite entlang fließt. Das “Suan Dok”-Tor im Westen lag in der Nähe der königlichen Gärten. Das fünfte Tor mit dem Namen “Suan Proong” wurde erst später gebaut, da es einer königlichen Mutter nicht gefiel, an der Mauer leben zu müssen. Es liegt im Südwesten und wurde u.a. dafür genutzt, Gefangene aus der Stadt zur Exekution zu bringen.

Die Gestaltung der Mauer richtete sich nach Prinzipien der buddhistischen Kosmologie. Innerhalb der Stadtmauern liegt der Wat Chedi Luang, der das Zentrum des Universums markierte. Diese Idee wurde aus der hinduistischen Welt übernommen,  in der ein Indra geweihter Pavillon auf dem Berg Su Meru als Mittelpunkt der Welt dient. Die viereckige Gestaltung der Mauer symbolisiert die Erde, die alten Vorstellungen zufolge, quadratisch geformt auf dem Wasser schwimmt.

 

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Die Nachkriegszeit (Geschichte Thailands 11)

Der junge thailändische König Ananda Mahidol, Rama VIII., hatte sich zu Kriegszeiten in Europa aufgehalten. Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Bhumibol besuchte er in der Schweiz die Schule. Die beiden Jungen verstanden sich gut. Sie lernten Deutsch und Latein und hatten dieselben Interessen wie die europäischen Jugendlichen: vom Sammelbilder sammeln bis hin zum Skifahren in den Alpen. Während Bhumibol wenig Druck hatte und Zeit für Hobbys wie Fotografieren fand, erhielt Ananda eine strengere Ausbildung, um ihn für die Regentschaft zu rüsten.

Nach langen Jahren in der Fremde wurde Ananda mit seinem Anhang im Dezember 1945 zurück nach Thailand gerufen. Am Flughafen Don Mueang empfing Pridi sie. Auf dem Weg in die Innenstadt jubelten ihnen große Menschenmengen zu.

Thailand schien nach den Kriegsjahren den Weg zurück in die Normalität gefunden zu haben. Der König reiste viel, um das Land besser kennenzulernen. Auf diesen Touren fand der König ein neues Hobby: Schusswaffen.

Eine davon sollte ihm zum Verhängnis werden. Am 9. Juni, zur Frühstückszeit, hallte ein Schuss durch den königlichen Palast. Bhumibol eilte mit einigen Dienern in Richtung des Knalls und entdeckte seinen Bruder tot im Pyjama, mit einem Colt neben ihm liegend. Ein einzelner Schuss hatte ihn getötet.

Die Hintergründe des Todes bleiben unklar. Es kursierten mehrere Vermutungen:

– Ananda und Bhumibol hatten geladene Waffen neben dem Bett liegen. Eventuell hat sich Ananda beim Spielen mit der Pistole selbst erschossen.

– Vielleicht könnte Bhumibol in dem Fall involviert sein – evtl. ein Unfall mit seiner Beteiligung?

– Es könnte ein Mordkomplott gewesen sein. Allerdings spricht dagegen, dass der König seine Ausbildung noch nicht komplett abgeschlossen hatte und er sehr vorsichtig agierte. Es gab für politische Gegner kein Motiv, zu solchen Mitteln zu greifen.

Es gab einige wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Fall, doch keine konnte Aufklärung bringen. Der Tod des Regenten bleibt mysteriös.

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Bhumibol wurde als nächster geeigneter Verwandter zum neuen König. Aus dem fröhlichen jungen Mann, der gerade fünf seiner 18 Lebensjahre in Thailand verbrachte und europäischen Autos und amerikanischer Musik näher stand als den thailändischen Kulturgütern, wurde Rama IX.

Der Tod des Königs wurde als Signal für die Politik aufgefasst. Die verschiedenen Parteien rangen von Neuem um die Vorherrschaft. Nach vielen Wirrungen konnte sich Phibun im Jahre 1948 wieder die Macht sichern. Er wurde von den Alliierten zwar als Kriegsverbrecher angesehen, doch im beginnenden Kalten Krieg wurde er auch als verlässlicher Partner gegen die wachsenden kommunistischen Kräfte Asiens aufgefasst. Phibun forderte von den Thais, stärker nach materiellem Besitz zu streben – das war ein Zeichen, um sich gegenüber den kommunistischen Ideen abzusetzen.

Thailand blieb die nachfolgenden Jahre auf amerikanischen Kurs und wurde von den USA finanziell belohnt. Im Korea-Krieg stellte das Land 4.000 Soldaten ab und unterstützte die anti-kommunistischen Regierungen in Vietnam und Laos. 1954 trat Thailand dem Südostasienpakt (SEATO) bei, dem pazifischen Gegenstück zur NATO. Die einzigen südostasiatischen Staaten in dieser Organisation waren die Philippinen und Thailand. Hinzu kamen Pakistan und westliche Staaten.

König Bhumibol
Krönung von Bhumibol am 5. Mai 1959 (Foto: Wikimedia Common, gemeinfrei)

1957 wurde Phibun aus dem Amt geputscht. General Sarit errichtete ein autoritäres Regime. Obwohl er nach fünf Jahren im Amt verstarb, sollte Thailand anschließend noch eine Dekade benötigten, um zu einer demokratisch-parlamentarischen Ordnung zurückzukehren.

Sarit war im Gegensatz zu den Machthabern vergangener Zeiten, wie Pridi und Phibun, kaum mit dem Westen in Berührung gekommen. Er führte den Staat ausschließlich mit Blick auf die thailändischen Traditionen. Gegner wurden hart angegangen und grundsätzlich als Kommunisten betrachtet. Es gelang ihm, die politischen Spannungen zu beenden und Ruhe in das Land zu bringen. In der Bevölkerung wurde honoriert, dass er den König respektvoll behandelte und die buddhistischen Klöster förderte.


Unter Sarit florierte die Wirtschaft. Das Wachstum betrug seit dem Ende der 50er Jahre sieben Prozent. Der Nachfolger Sarits, Thanom Kittikachorn, schlug ebenfalls einen ökonomisch erfolgreichen Pfad ein: Er verstand es, ausländisches Kapital für die einheimischen Firmen zu akquirieren. Ausländische Güter und Gedanken fanden den Weg nach Thailand und veränderte die Gesellschaft. Viele junge Thais studierten in westlichen Ländern und lernten so fremde Kulturen kennen.

Im 2. Indochina-Krieg unterstütze Thailand die USA bei den Kämpfen in Vietnam und Laos. Die Amerikaner befürchteten, dass ein kommunistisches Indochina Thailand und Malaysia gefährden würde und damit auch Rohstoffe wie Zinn und Kautschuk unter falscher Kontrolle gelangen könnten.

Zeitweise befanden sich 45.000 amerikanische Soldaten und 600 Kampfflugzeuge auf thailändischem Gebiet. Doch trotz der eindrucksvollen Streitmacht wurde im Verlaufe der Jahre klar, dass die USA nicht in der Lage waren, den Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. In Thailand nahm die Opferbereitschaft ab und Kritik wurde laut. Zu diesen Verstimmungen fanden sich weitere Gründe zum Missmut: Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich, der Bevölkerungsanstieg führte zur Landflucht und städtischer Armut und eine Reihe weiterer sozialer Probleme traten auf.

1971 löste Thanom das Parlament auf und verbot die Parteien – eine Reaktion auf die wachsenden politischen Spannungen im Land. Doch das heizte die Unzufriedenheit an. Zwei Jahre später demonstrierten in Bangkok 500.000 Menschen für eine demokratische Verfassung. Am 14. Oktober 1973 eröffneten die Regierungstruppen auf die Protestierenden das Feuer. Über 70 Demonstranten verloren ihr Leben.

Die Tragödie rief den König auf den Plan. Er nutzte seine Autorität, um Thanom und seine Herrschaftsriege in die Schranken zu weisen. Sanya Dhammasakdi, ein Jurist und frommer Buddhist, wurde neuer Premierminister. Für die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung wurde ein Wahlkomitee aus allen Bevölkerungsschichten bestimmt.

Diese Machtdemonstration von Bhumibol bewies die gestiegene Macht des thailändischen Königshauses. Es zeigte sich aber auch, dass Bhumibol bescheiden blieb und die demokratische Bewegung stärkte.

Die nachfolgenden drei Jahre wurden als „demokratische Periode“ bekannt. Die Vorgänge in Thailand erinnerten an das durch die 68er-Bewegung geprägte Europa: Neben den emanzipatorischen Initiativen, die für mehr Freiheit und Demokratie eintraten, schlugen einige radikale Gruppen einen maoistischen Weg ein.

Durch die Erfolge der Kommunisten in Vietnam, Kambodscha und Laos, wurde die Lage in Thailand explosiv. Es bildeten sich nationalistische Gegenbewegungen, wie Nawaphon („neue Kraft“) und die Dorfpfadfinderbewegung.

Als bei einer Theateraufführung der Kronprinz verunglimpft wurde, stürmten wütende Dorfpfadfinder zusammen mit der Polizei die Universität. Bei den blutigen Auseinandersetzungen starben 43 Studenten und zwei Polizisten. Es wurden massenhaft Verhaftungen durchgeführt und mancher Student floh in den kommunistischen Untergrund.

In den 80er Jahren beruhigte sich die Lage. Die linken Gruppierungen waren geschwächt und eine Generalamnestie führte dazu, dass die Aktivisten in die Gesellschaft zurückkehren konnten.

Im Dezember 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Der Kalte Krieg endete.

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Teil 10: Kriege und Aufstände in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

 



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Kriege und Aufstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Geschichte Thailands 10)

Grand Palace, Bangkok
Grand Palace, Bangkok

1910 verstarb Chulalongkorn und Vajiravudh, Rama VI., folgte auf dem Thron. Der neue König setzte kurz nach Amtsantritt viele Reformen im gesellschaftlichen Bereich um: Neben dem buddhistischen Kalender galt nun auch der Gregorianische; Familiennamen wurden eingeführt, die oftmals aus dem Sanskrit oder Pali entlehnt wurden.

Der König, der eine englische Universität besucht hatte, förderte zwar einzelne westliche Kulturgüter, wie beispielsweise die Mode, doch setzte er auf eine eigene, thailändische Identität.

Der Vielvölkerstaat aus Siamesen, Laoten, Tai Yuan, Khmer, Malaien und Chinesen sollte unter der Trinität Nation, Buddhismus und König geeint werden. Ein neuer Nationalismus entstand, den Rama VI. mit Gedichten, Zeitungsartikeln, Liedern und Reden anheizte.

Die Haltung des Königs gegenüber dem chinesischen Bevölkerungsanteil war widersprüchlich. Auf der einen Seite veröffentlichte er unter einem Pseudonym einen Zeitungsartikel, indem er die Chinesen als „Juden des Ostens“ bezeichnete und mit negativen Attributen, wie geldgierig und opportunistisch, belegte. Auf der anderen Seite sind auch freundliche Worte des Königs über die Chinesen überliefert.

Thailand war chronisch unterbevölkert und auf Zuwanderung angewiesen. Die chinesischen Zuwanderer erschienen ihm im Vergleich zu anderen möglichen Immigranten als am besten in die thailändische Kultur integrierbar. Ihre Einwanderung wurde gefördert, doch mussten die Chinesen sich zum König bekennen, die thailändische Sprache nutzen und ihre Familiennamen thaiisieren lassen.

Der 1. Weltkrieg brach aus. Zunächst blieb Thailand neutral, doch kurz nach Kriegseintritt der USA im Juli 1917 erklärte es dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn den Krieg. Einige Soldaten wurden nach Frankreich abgestellt und deutsches Eigentum in Thailand beschlagnahmt. Die deutschen Mitarbeiter der Administration wurden entlassen.

Der thailändische Außenminister Prinz Devawongse Varopakar nutze die Friedenskonferenz in Versailles, um auf Augenhöhe mit den westlichen Mächten verhandeln zu können. Als Berater stand ihm Francis B. Sayre zur Seite, dem Schwiegersohn des damaligen amerikanischen Präsidenten, Woodrow Wilson. Nach vielen Jahren der Verhandlungen gelang es den Thailändern die ungleichen Verträge, die ihnen von den westlichen Staaten und Japan aufgedrängt wurden, außer Kraft zu setzen: Alle Länder verzichteten auf ihre exterritorialen Ansprüche und Siam machte einen großen Schritt in die Unabhängigkeit.


Die Wirtschaftskrise von 1929 erschütterte Thailand. Auf dem Weltmarkt sank der Reispreis stark; dadurch waren viele Bauern nicht mehr in der Lage ihre Verbindlichkeiten zu begleichen und mussten ihr Land verkaufen. Die Bodenpreise fielen. Dieser Abwärtsstrudel traf die Steuereinnahmen – der Staatshaushalt wurde um ein Drittel gekürzt.

Der Unmut wuchs in der Bevölkerung und 1932 kam es zum Staatsstreich. Eine Gruppe von Offizieren und zivilen Autoritäten erkämpfte eine Neuordnung des Staates. Der König verlor einen Großteil seiner Befugnisse und behielt in erster Linie seine repräsentative Funktion. Die Gesetzgebung wurde an eine Volksversammlung delegiert, die anfangs benannt, später aber gewählt wurde. Die neue Verfassung schaffte es nicht, dem Land Stabilität zu geben. Es folgte eine politisch ungeordnete Phase mit weiteren Putschen. Rama VII. dankte 1935 freiwillig ab, da er sich nicht mehr in der Lage sah, in dem Chaos seine Ideen umsetzen zu können.

Im Jahre 1934 übernahm Phibun Songkhram die Macht im Land. Er errichtete ein nationalistisches Regime, das an die anderen autoritären Systeme dieser Zeit erinnerte: Die Vergangenheit wurde verherrlicht, das Militär gestärkt und die Nachbarländer bedroht.

Aus der nationalistischen Zeit stammen einige sprachliche Neuerungen, die noch heute im Gebrauch sind:

Siam wurde in Thailand umbenannt und verdeutlichte damit den Anspruch, das Land aller Tai-Völker zu sein.

Es sind die geschlechtsspezifischen Höflichkeitspartikel „khrap“ für Männer und „khap“ für Frauen beibehalten worden, die thailändischen Sätzen beigefügt werden können.

Die Grußformel „sawatdi“ ist ein Lehnwort vom Sanskrit-Wort „savit“ und kann mit „Heil“ wieder gegeben werden.

Im 2. Weltkrieg suchte Thailand die Nähe zu Japan. Phibun war der Meinung, dass sich eine neue Weltordnung herausbilden würde: Kleine Staaten würden verschwinden und große Machtblöcke entstehen. Daher versuchte die Führung, die zwischen 1893 und 1909 an Frankreich und England abgetretenen Gebiete, u. a. in Kambodscha und Laos, wiederzuerlangen.

1940 kam es zu offenen Kampfhandlungen zwischen Thailand und Frankreich. Die Franzosen konnten Teile der gegnerischen Flotte zerstören, doch an Land waren sie in der Defensive. Auf Druck von Japan wurden nach 2 Monaten die Kämpfe abgebrochen und die Kontrahenten einigten sich am Verhandlungstisch über Gebietsabtretungen. Das Bündnis mit Japan brachte weitere Schwierigkeiten für Phibun mit sich. So wurde verlangt, dass Thailand den befreundeten Nationen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt. Unter Zögern folgte Thailand 1942 dem japanischen Wunsch. Die Entscheidung sorgte für Unruhe in der Regierung und Finanzminister Pridi Phanomyon und Außenminister Direk Jayanama legten ihre Ämter nieder.

Nach dem Gesetz hätte Pridi die Kriegserklärung unterschreiben müssen, da er einer der Thronregenten des minderjährigen Königs Ananda war. Er weigerte sich bis zuletzt. Daher ließ Phibun seine Unterschrift fälschen.

Pridi führte ab 1943 die Bewegung Seri Thai („Freies Thailand“) an, die sich gegen das Bündnis mit Japan stellte. Der 2. Weltkrieg schadete Thailand mehr als er nutzte. Zwar konnten kleine Landgewinne erzielt werden, doch die Wirtschaft wurde extrem geschädigt. Die Exportmöglichkeiten waren stark eingeschränkt und die Währung wurde geschwächt. Zudem verlangten die Japaner Unterstützung bei aufwendigen Bauprojekten. Eines dieser Projekte ist in dem Film „Die Brücke am River Kwai“ verfilmt worden.

River Kwai
Brücke am River Kwai (Foto: Wikimedia Commons, Spielvogel)

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Beim Bau des 415 km langen Schienenweges zwischen Myanmar und Thailand wurden schätzungsweise 240.000 Zwangsarbeiter aus Südostasien sowie 60.000 Kriegsgefangene eingesetzt. Viele der Arbeiter verloren zwischen 1942 und 1945 ihr Leben: Schätzungen gehen von über 100.000 Todesfällen aus.

Phibun ließ Pridi und die Seri Thai Bewegung gewähren. Auch innerhalb des Volkes regte sich Widerstand gegen das Bündnis mit Japan. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Gedanken Phibuns eine neue Hauptstadt in der nördlichen Provinz Phetchabun zu gründen, sorgten für Empörung. 1944 musste Phibun zurücktreten. Thailand konnte sich von Japan distanzieren. Nach der Kapitulation Japans am 15. August 1945 nahm Pridi als Thronregent die Kriegserklärung an Großbritannien und den USA zurück.

Die USA sahen in Thailand keinen Feindesstaat. Die Kriegserklärung erhielt den Formfehler, dass Pridi sie nicht unterschrieben hatte; zusätzlich wurde sie auch nie offiziell übergeben.

Die Briten bewerteten den Vorgang anders. Sie forderten Gebiete in Myanmar und Malaysia zurück. Thailand musste 1,5 Millionen Tonnen Reis an die britischen Kolonien liefern. Zusätzlich musste die neue Regierung zusichern ohne englische Einwilligung keinen Kanal zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanensee zu bauen, damit britische Besitzungen, wie Penang, nicht ihre günstige strategische Lage einbüßten.

Den Franzosen wollte die thailändische Regierung die eroberten Gebiete nicht zurückgeben. Erst nach einigem hin und her wurden 1947 Territorien in Laos und Kambodscha übergeben. Der Preah Vihear Tempelkomplex blieb vorerst in thailändischer Hand, wurde aber 1962 nach einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes Kambodscha zugesprochen.

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Hier geht es zu Teil 9: Thailand im 19. Jahrhundert
Teil 11: Die Nachkriegszeit

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Thailand im 19. Jahrhundert (Geschichte Thailands 9)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte der siamesische König über eine Fläche, die vergleichbar mit der Größe des heutigen Thailands war. Zu diesem Herrschaftsgebiet hinzu kam noch die gleiche Grundfläche an Vasallenstaaten.

Das islamisch geprägte Sultanat Patani, das im Süden von Thailand lag, war schon zu Zeiten Ayutthayas abgabepflichtig. 1808 erfolgte ein Aufstand, der von den Siamesen niedergeschlagen wurde.

Es folgte eine Aufsplitterung der Verwaltung und letzten Endes die Annexion durch Bangkok im Jahre 1841.  In dieser Region finden sich noch heute separatistische Strömungen, die teilweise mit Gewalt versuchen, die Unabhängigkeit zu erlangen.

Der laotische Vasallenstaat bäumte sich 1828 unter dem Herrscher Cao Anu gegenüber Thailand auf. Unter dem Vorwand, den Siamesen vor einer vermeintlichen britischen Bedrohung zu helfen, führte er seine Armee gegen die Thais. Das Heer Rama III. konnte den Angriff zurückschlagen und zerstörte die laotische Hauptstadt Vientiane völlig. Cao Anu wurde gefangen genommen und verstarb unter mysteriösen Umständen.  Vieles spricht dafür, dass der erfolglose Feldzug der Laoten ein Präventivkrieg war.

Im 19. Jahrhundert wurde die Gefährdung Thailands durch die Europäer offensichtlich. Die Briten öffneten mit Gewalt in den beiden Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) China für die westlichen Mächte.  1852 nahmen sie das südliche Myanmar ein und wurden damit direkter Nachbar Thailands.

Die Regierung in Bangkok sah in der Kooperation mit den Europäern den besten Weg, die Unabhängigkeit zu erhalten. 1855 unterzeichnete Mongkut, Rama IV. genannt, zusammen mit dem englischen Unterhändler John Bowring einen Vertrag, der den Briten günstige Handelsbedingungen gewährte. Opium durfte zollfrei eingeführt werden; die restlichen Güter wurden mit einem niedrigen Satz von 3 Prozent besteuert; der Reishandel wurde erlaubt. 1856 folgte ein ähnlicher Vertrag mit den Franzosen, die zu dieser Zeit stärker in Südostasien aktiv wurden.

Durch diese Abkommen wurde Thailand mehr in die Weltwirtschaft involviert: Landwirtschaft und Industrie wandelten sich und das Land erfuhr einen ökonomischen Aufschwung. Die Rohstoffproduktion konzentrierte sich auf gewinnbringende Produkte, wie Reis, Teakholz und Zinn. Das traditionelle Handwerk wurde teilweise durch die europäischen Fertigprodukte zurückgedrängt. Britische Textilien waren der Hauptimportartikel.

Erst da entwickelte sich Reis zum wichtigsten Exportgut. Zuvor bauten die Landwirte eine Vielzahl unterschiedlicher Nahrungsmittel an, darunter viele Früchte. Das änderte sich mit den Handelsabkommen. Von 1857 bis 1909 wuchs die Reisproduktion auf das Fünfzigfache.

Rama IV. folgte ein weiterer reformfreudiger König: Chulalongkorn, genannt Rama V.. Seine Regierungszeit betrug fast 40 Jahre – von 1868 bis 1910. Er richtete die Gesellschaft neu aus. Sklaverei und das feudale Lehnsystem wurden abgeschafft. Die Administration wurde stärker zentralisiert. Der dem Westen aufgeschlossene König stellte Hunderte von ausländischen Beratern ein, die helfen sollten, das Land zu modernisieren.

Die Änderungen betrafen alle Felder der Staatsverwaltung – von der Rechtssprechung, über die Geldwirtschaft bis hin zum Transportwesen.

Chulalongkorn
Chulalongkorn, Rama V. (Foto: Wikimedia Commons, Sodacan)

Rama V. heuerte europäische Architekten an, die beim Entwurf von westlichen Gebäuden für das Zentrum Bangkoks mitarbeiteten. Die thailändische Hauptstadt erhielt eine moderne Infrastruktur, wie beispielsweise Stahlbrücken.

Das eindrucksvollste Bauprojekt dieser Epoche wurde durch eine Europareise des Königs angeregt. In den abendländischen Metropolen besuchte er die prunkvollen Palastanlagen und beschloss etwas Ähnliches entwerfen zu lassen. Es entstand der Dusit-Bezirk: In einer großzügigen Parklandschaft wurden mehrere Paläste errichtet. Die vielleicht bekanntesten Gebäude sind die Ananta-Samakhom-Thronhalle, die im Barock-Stil erbaut wurde, und das Vimanmek Mansion, ein Palast, der komplett aus Teakholz besteht.

Vimanmek Mansion
Vimanmek Mansion. Das Gebäude wurde einige Jahre zuvor als Sommerresidenz auf Koh Sri Chang erbaut. Auf Wunsch des Königs wurde dort der Palast zerlegt, nach Bangkok transportiert und da wieder errichtet.

Die stärkere Zentralisierung und die damit verbundene Bedeutungszunahme von Bangkok sorgten für Unzufriedenheit in den Provinzen.

Bankgoks Bevölkerungszunahme

Jahr Bevölkerung Jährliches Wachstum in % Verhältnis Bangkok / Chiang Mai
1883 169.300 1,90 10:1
1913 365.492 2,60 12:1
1929/30 702.544 3,92 14:1
1937 890.453 3,44 15:1

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Thailand von mehreren Rebellionen erschüttert:

– Im Süden kam es im ehemaligen Sultanat Patani zu Aufständen.

– Im Norden, im Gebiet von Lan Na, kam es zu blutigen Unruhen, die als „Shan-Rebellion“ in die Geschichtsbücher eingingen.

– Im Nordosten, in der Isan-Region, die das thailändische Gebiet zwischen Kambodscha und Laos umfasst, begehrten vor allem die Laoten auf. Kettenbriefe und vermeintlich mit magischen Kräften ausgestattete Männer sammelten teilweise über 1000 Aufständische, um gegen die siamesische Herrschaft vorzugehen.

Die Revolten wurden schnell eingedämmt, flackerten aber in den nachfolgenden Jahren noch einmal auf, ohne allerdings eine allzu große Wirkung zu haben.

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Hier geht es zu Teil 8: Bangkok, die Stadt der Engel
Teil 10: Kriege und Aufstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Bangkok, „die Stadt der Engel“ (Thailands Geschichte 8)

Bangkok, Grand Palace
Bangkok, Grand Palace

Eine der ersten Amtshandlungen von Rama I. war die Umverlegung der Hauptstadt. Thonburi lag am westlichen Ufer des Chao Phraya Flusses und hatte dadurch mehrere Nachteile: Es gab Probleme mit der Bodenerosion und der Ort war schlecht gegen Angriffe aus Myanmar geschützt. Daher zog die Administration nur ein kurzes Stück weiter an das Ostufer.

Karte
Thonburi und Bangkok, 1782. Das Gebiet östlich des Flusses wird als Rattanakosin bezeichnet. (Foto: Wikimedia Commons, Paul_012, abgeändert)

Dort lag das Dörfchen Bangkok, das übersetzt soviel wie Olivendorf bedeutet. Die Ortschaft war überwiegend von chinesischen Fischern und Händlern bewohnt, die in das heutige Chinatown umgesiedelt wurden.


Die neue Hauptstadt wurde Gkrung-Thèep genannt: die Stadt der Engel. Die Thais bezeichnen ihre Metropole heute noch mit diesem Namen.

Die neue Hauptstadt bedurfte vieler Baumaßnahmen. Tempelanlagen und Palastgebäude waren die größten Herausforderungen. Auf dem Gelände des „Großen Palastes“ wurde einer der schönsten Tempel errichtet: der Wat Phra Kaeo.

Hier ist heute noch der sogenannte Smaragd-Buddha untergebracht. Diese aus Jade kunstvoll hergestellte Statuette hatte eine besondere religiöse Bedeutung. Umso älter eine Buddha-Statue ist, desto größer werden seine Kräfte eingeschätzt – und dieses Bildnis galt als außergewöhnlich alt und ehrwürdig. Der Legende nach wurde die Figur vom indischen Asketen Nagasena vor ca. 2000 Jahren erschaffen. Laut den Chroniken hatte der Smaragd-Buddha in den nachfolgenden Jahrhunderten viele Aufenthaltsorte: seine Reise ging von Sri Lanka nach Myanmar, Kambodscha und Lan Na. Zwischendurch verschwand er aus dem Blickfeld, da er hinter Stuck in einem Tempel in Chiang Rai versteckt war. Laut einer Erzählung wurde er 1434 wiederentdeckt, als ein Blitz in einer Stupa einschlug und die Statue wieder zum Vorschein brachte. Anschließend nahmen die Laoten die Figur nach Vientiane. Dort konnte sie der spätere König Rama I. – damals noch General – sichern und zu Taksin nach Thonburi zurück bringen.

Als Rama I. seine neue Hauptstadt baute, holte er die Statue sofort herüber. Mit diesem außergewöhnlichen Artefakt konnte er seine Herrschaft festigen und gleichzeitig seine Ansprüche auf Lan Na und Laos aufzeigen.


Die Wirtschaftspolitik ähnelte der Thonburi-Ära. Bangkok wurde zu einem internationalen Handelshafen. Die chinesischen Händler nahmen auch in dieser Zeit eine wichtige Rolle im Warenverkehr ein. Durch Steuervorteile wurden weitere Kaufleute ins Land gelockt. Ab den 1820er-Jahren begannen die chinesischen Einwanderer in den Provinzen Thailands Pfeffer und Zuckerrohr anzubauen.

Die Regierung investierte in den Ausbau von Kanälen. Ursprünglich wurden sie aus militärischen Gründen angelegt, doch schnell nutzten die Händler die Wasserstraßen, die optimal zum Transport von Gütern in das Hinterland von Bangkok geeignet waren.

Von 1809 bis 1824 regierte Rama II., der Sohn des vorigen Königs, in Siam. Die Regierungszeit verlief friedlich und es mussten keine größeren Konflikte mit den Nachbarstaaten gelöst werden. Siam öffnete sich wieder den westlichen Mächten. Briten und Amerikaner sandten Missionare und Kaufleute.

Smaragd-Buddha
Smaragd-Buddha

Um 1820 brach eine Cholera-Epedemie im Land aus. Einigen Quellen zufolge kostete die Seuche einem Fünftel der Bevölkerung das Leben. In der Not wurden religiöse Mittel beschworen – der Smaragd-Buddha wurde durch Bangkok getragen, in der Hoffnung auf seine reinigende Kraft.  Doch Thailand wurde von weiteren Seuchenwellen getroffen. Erst als amerikanische Missionare um 1838 die Menschen zu impfen begannen, konnten die Krankheiten eingedämmt werden. Seit dieser Zeit werden Missionare als „in Religion unterrichtende Ärzte“ bezeichnet.

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Hier geht es zu Teil 7: Thaksin und das wiederestarkte Siam
Teil 9: Thailand im 19. Jahrhundert

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Die Phaulkon-Affäre (Geschichte Thailands 5)

1675 erreichte der griechische Abenteurer Konstantinos Gerakis, genannt Phaulkon, der als Dolmetscher bei der East India Company angeheuert hatte, Ayutthaya. Innerhalb von kurzer Zeit gelang es Phaulkon, die Beachtung des siamesischen Königs Narai zu gewinnen und bei Hofe angestellt zu werden. Er stieg in der Hierarchie auf und wurde zum stellvertretenden Leiter des Außenhandelsministeriums. Damit wurde er Mitglied im royalen, exekutiven Rat, der zu Zeiten der häufigen Abwesenheiten des Königs, das wichtigste Machtzentrum war.

Phaulkon stand in Kontakt mit den Jesuiten. Im Jahre 1682 überzeugten ihn diese, seinem protestantischen Glauben abzuschwören und zum Katholizismus zu konvertieren.

Constantin Phaulkon
Constantin Phaulkon (Foto: Wikimedia Commons)

Über Phaulkon wurde versucht, den König in konfessionellen Fragen zu beeinflussen. Doch das Vorhaben musste scheitern: Die Europäer verstanden nicht, dass der siamesische Thron eng mit der hinduistisch-buddhistischen Mythologie verknüpft war. Die Herrscher schmückten sich mit den klassischen religiösen Titeln „Bodhisattva“ oder „Chakravartin“ und der Glaube war fest in der Bevölkerung verankert.

König Narai starb im Jahre 1688; damit fehlte die zusammenhaltende Macht am siamesischen Hof. Die Elite misstraute dem Europäer Phaulkon, der von den Franzosen und den Jesuiten unterstützt wurde; sie befürchteten einen militärischen Eingriff der französischen Streitmacht. Es folgte eine Palastrevolution. Phetracha, ein entfernter Verwandter von Narai, wurde zum König ausgerufen. Phaulkon wurde gefangen genommen und hingerichtet.

Die neuen Machthaber riegelten das Land gegen den westlichen Einfluss ab. Die Kontakte zu den europäischen Königshäusern wurden eingestellt.

Die Siamesen blieben gegenüber fremden Religionen tolerant und erlaubten weiterhin die Anwesenheit von Missionaren auf ihrem Territorium. Doch die Kirchenmänner waren durch die weggebrochenen Verbindungen und Kontakte noch weniger in der Lage, ihren Glauben zu verbreiten.

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Hier geht’s zu Teil 4 – Die ersten Europäer in Siam
Teil 6 – Die Zerstörung Ayutthayas