Die Nachkriegszeit (Geschichte Thailands 11)

Der junge thailändische König Ananda Mahidol, Rama VIII., hatte sich zu Kriegszeiten in Europa aufgehalten. Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Bhumibol besuchte er in der Schweiz die Schule. Die beiden Jungen verstanden sich gut. Sie lernten Deutsch und Latein und hatten dieselben Interessen wie die europäischen Jugendlichen: vom Sammelbilder sammeln bis hin zum Skifahren in den Alpen. Während Bhumibol wenig Druck hatte und Zeit für Hobbys wie Fotografieren fand, erhielt Ananda eine strengere Ausbildung, um ihn für die Regentschaft zu rüsten.

Nach langen Jahren in der Fremde wurde Ananda mit seinem Anhang im Dezember 1945 zurück nach Thailand gerufen. Am Flughafen Don Mueang empfing Pridi sie. Auf dem Weg in die Innenstadt jubelten ihnen große Menschenmengen zu.

Thailand schien nach den Kriegsjahren den Weg zurück in die Normalität gefunden zu haben. Der König reiste viel, um das Land besser kennenzulernen. Auf diesen Touren fand der König ein neues Hobby: Schusswaffen.

Eine davon sollte ihm zum Verhängnis werden. Am 9. Juni, zur Frühstückszeit, hallte ein Schuss durch den königlichen Palast. Bhumibol eilte mit einigen Dienern in Richtung des Knalls und entdeckte seinen Bruder tot im Pyjama, mit einem Colt neben ihm liegend. Ein einzelner Schuss hatte ihn getötet.

Die Hintergründe des Todes bleiben unklar. Es kursierten mehrere Vermutungen:

– Ananda und Bhumibol hatten geladene Waffen neben dem Bett liegen. Eventuell hat sich Ananda beim Spielen mit der Pistole selbst erschossen.

– Vielleicht könnte Bhumibol in dem Fall involviert sein – evtl. ein Unfall mit seiner Beteiligung?

– Es könnte ein Mordkomplott gewesen sein. Allerdings spricht dagegen, dass der König seine Ausbildung noch nicht komplett abgeschlossen hatte und er sehr vorsichtig agierte. Es gab für politische Gegner kein Motiv, zu solchen Mitteln zu greifen.

Es gab einige wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Fall, doch keine konnte Aufklärung bringen. Der Tod des Regenten bleibt mysteriös.

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Bhumibol wurde als nächster geeigneter Verwandter zum neuen König. Aus dem fröhlichen jungen Mann, der gerade fünf seiner 18 Lebensjahre in Thailand verbrachte und europäischen Autos und amerikanischer Musik näher stand als den thailändischen Kulturgütern, wurde Rama IX.

Der Tod des Königs wurde als Signal für die Politik aufgefasst. Die verschiedenen Parteien rangen von Neuem um die Vorherrschaft. Nach vielen Wirrungen konnte sich Phibun im Jahre 1948 wieder die Macht sichern. Er wurde von den Alliierten zwar als Kriegsverbrecher angesehen, doch im beginnenden Kalten Krieg wurde er auch als verlässlicher Partner gegen die wachsenden kommunistischen Kräfte Asiens aufgefasst. Phibun forderte von den Thais, stärker nach materiellem Besitz zu streben – das war ein Zeichen, um sich gegenüber den kommunistischen Ideen abzusetzen.

Thailand blieb die nachfolgenden Jahre auf amerikanischen Kurs und wurde von den USA finanziell belohnt. Im Korea-Krieg stellte das Land 4.000 Soldaten ab und unterstützte die anti-kommunistischen Regierungen in Vietnam und Laos. 1954 trat Thailand dem Südostasienpakt (SEATO) bei, dem pazifischen Gegenstück zur NATO. Die einzigen südostasiatischen Staaten in dieser Organisation waren die Philippinen und Thailand. Hinzu kamen Pakistan und westliche Staaten.

König Bhumibol
Krönung von Bhumibol am 5. Mai 1959 (Foto: Wikimedia Common, gemeinfrei)

1957 wurde Phibun aus dem Amt geputscht. General Sarit errichtete ein autoritäres Regime. Obwohl er nach fünf Jahren im Amt verstarb, sollte Thailand anschließend noch eine Dekade benötigten, um zu einer demokratisch-parlamentarischen Ordnung zurückzukehren.

Sarit war im Gegensatz zu den Machthabern vergangener Zeiten, wie Pridi und Phibun, kaum mit dem Westen in Berührung gekommen. Er führte den Staat ausschließlich mit Blick auf die thailändischen Traditionen. Gegner wurden hart angegangen und grundsätzlich als Kommunisten betrachtet. Es gelang ihm, die politischen Spannungen zu beenden und Ruhe in das Land zu bringen. In der Bevölkerung wurde honoriert, dass er den König respektvoll behandelte und die buddhistischen Klöster förderte.


Unter Sarit florierte die Wirtschaft. Das Wachstum betrug seit dem Ende der 50er Jahre sieben Prozent. Der Nachfolger Sarits, Thanom Kittikachorn, schlug ebenfalls einen ökonomisch erfolgreichen Pfad ein: Er verstand es, ausländisches Kapital für die einheimischen Firmen zu akquirieren. Ausländische Güter und Gedanken fanden den Weg nach Thailand und veränderte die Gesellschaft. Viele junge Thais studierten in westlichen Ländern und lernten so fremde Kulturen kennen.

Im 2. Indochina-Krieg unterstütze Thailand die USA bei den Kämpfen in Vietnam und Laos. Die Amerikaner befürchteten, dass ein kommunistisches Indochina Thailand und Malaysia gefährden würde und damit auch Rohstoffe wie Zinn und Kautschuk unter falscher Kontrolle gelangen könnten.

Zeitweise befanden sich 45.000 amerikanische Soldaten und 600 Kampfflugzeuge auf thailändischem Gebiet. Doch trotz der eindrucksvollen Streitmacht wurde im Verlaufe der Jahre klar, dass die USA nicht in der Lage waren, den Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. In Thailand nahm die Opferbereitschaft ab und Kritik wurde laut. Zu diesen Verstimmungen fanden sich weitere Gründe zum Missmut: Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich, der Bevölkerungsanstieg führte zur Landflucht und städtischer Armut und eine Reihe weiterer sozialer Probleme traten auf.

1971 löste Thanom das Parlament auf und verbot die Parteien – eine Reaktion auf die wachsenden politischen Spannungen im Land. Doch das heizte die Unzufriedenheit an. Zwei Jahre später demonstrierten in Bangkok 500.000 Menschen für eine demokratische Verfassung. Am 14. Oktober 1973 eröffneten die Regierungstruppen auf die Protestierenden das Feuer. Über 70 Demonstranten verloren ihr Leben.

Die Tragödie rief den König auf den Plan. Er nutzte seine Autorität, um Thanom und seine Herrschaftsriege in die Schranken zu weisen. Sanya Dhammasakdi, ein Jurist und frommer Buddhist, wurde neuer Premierminister. Für die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung wurde ein Wahlkomitee aus allen Bevölkerungsschichten bestimmt.

Diese Machtdemonstration von Bhumibol bewies die gestiegene Macht des thailändischen Königshauses. Es zeigte sich aber auch, dass Bhumibol bescheiden blieb und die demokratische Bewegung stärkte.

Die nachfolgenden drei Jahre wurden als „demokratische Periode“ bekannt. Die Vorgänge in Thailand erinnerten an das durch die 68er-Bewegung geprägte Europa: Neben den emanzipatorischen Initiativen, die für mehr Freiheit und Demokratie eintraten, schlugen einige radikale Gruppen einen maoistischen Weg ein.

Durch die Erfolge der Kommunisten in Vietnam, Kambodscha und Laos, wurde die Lage in Thailand explosiv. Es bildeten sich nationalistische Gegenbewegungen, wie Nawaphon („neue Kraft“) und die Dorfpfadfinderbewegung.

Als bei einer Theateraufführung der Kronprinz verunglimpft wurde, stürmten wütende Dorfpfadfinder zusammen mit der Polizei die Universität. Bei den blutigen Auseinandersetzungen starben 43 Studenten und zwei Polizisten. Es wurden massenhaft Verhaftungen durchgeführt und mancher Student floh in den kommunistischen Untergrund.

In den 80er Jahren beruhigte sich die Lage. Die linken Gruppierungen waren geschwächt und eine Generalamnestie führte dazu, dass die Aktivisten in die Gesellschaft zurückkehren konnten.

Im Dezember 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Der Kalte Krieg endete.

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Teil 10: Kriege und Aufstände in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

 



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