Der Smaragd-Buddha in Bangkok

Smaragd-Buddha
Smaragd-Buddha in Regenzeit-Kleidung (Foto: Wikimedia-Commons, JPSwimmer)

Im Tempel Wat Phra Kaeo, gleich neben dem Grandpalace in Bangkok, ist eines der berühmtesten Heiligtümer Thailands beheimatet: der Smaragd-Buddha.

Smaragd-Buddha in der Kleidung der "Heißen Jahreszeit"
Smaragd-Buddha in der Kleidung der “Heißen Jahreszeit” (Foto: Wikimedia Commons, Axel Boldt)

Er ist nicht, wie sein Name vermuten ließe,  aus einem Smaragd-Kristall gefertigt, sondern aus Jade. Die Buddha-Figur sitzt in Heldenpose, also im halben Lotussitz, mit den Handflächen nach oben auf den Schoss gelegt (Dyana Mudra), auf einem Thron. Diese Darstellung ist eine typische Meditationshaltung.

Die Statue hat zu den drei thailändischen Jahreszeiten (Heiße Jahreszeit, Kalte Jahreszeit, Regenzeit) jeweils ein eigenes Gewand und wird in einer feierlichen Zeremonie umgekleidet.

In Thailand werden alten Artefakten besonders starke Kräfte zugesprochen. Der Smaragd-Buddha gilt als außergewöhnlich alt und ehrwürdig. Der Legende nach wurde die Figur vom indischen Asketen Nagasena vor ca. 2000 Jahren erschaffen. Laut den Chroniken hatte der Smaragd-Buddha in den nachfolgenden Jahrhunderten viele Aufenthaltsorte: seine Reise ging von Sri Lanka nach Myanmar, Kambodscha und dem nordthailändischen Staat Lan Na. Zwischendurch verschwand er aus dem Blickfeld, da er hinter Stuck in einem Tempel in Chiang Rai versteckt war. Laut einer Erzählung wurde er 1434 wiederentdeckt, als ein Blitz in einer Stupa einschlug und die Statue wieder zum Vorschein brachte.

Smaragd-Budda in Winterkleidung
Smaragd-Budda in Winterkleidung (Foto: Wikimedia Commons, Russel Wade)

Über den Umweg über Laos gelangte die Figur in die Hände des späteren Königs Rama I., der den Buddha in die neue Hauptstadt Bangkok brachte. Mit diesem außergewöhnlichen Artefakt konnte er seine Herrschaft festigen und gleichzeitig seine Ansprüche auf Nordthailand und Laos bekräftigen.

Um 1820 brach eine Cholera-Epedemie im Land aus. Einigen Quellen zufolge kostete die Seuche einem Fünftel der Bevölkerung das Leben. In der Not wurden religiöse Mittel beschworen – der Smaragd-Buddha wurde durch Bangkok getragen, in der Hoffnung auf seine reinigende Kraft. Doch erst durch Impfungen amerikanischer Missionare konnte die Seuche eingedämmt werden.

Heute ist der Smaragd-Buddha eine Pilgerstätte für Buddhisten und eine Hauptsehenswürdigkeit für Bangkok-Touristen. 

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Welche Buddha-Figur gehört zu welchem Wochentag?

In den Tempeln finden sich häufig acht verschiedene Buddha-Statuen nebeneinander. Diese Figuren symbolisieren die Wochentage; der Mittwoch tritt doppelt auf – morgens und abends. Die Darstellungen sind unterschiedlich und verweisen auf Taten des Buddha, die an verschiedenen Tagen stattgefunden haben. Über den Tag seiner Geburt ist ein gläubiger Buddhist mit einer dieser Statuen verbunden.

Wochentag Darstellung Bedeutung Bild
Sonntag Stehend, die Arme hängen, die rechte Hand ist über der linken. Erinnert an den gerade erleuchteten Buddha.
Montag Rechts die Abhaya Mudra, der linke Arm hängt herunter.  Friedensstiftung. Verweist auf die Hilfe für die Stadt Vesali.
Dienstag Liegender Buddha.  Buddha lehrte dem Riesen Asurindarahu, dass seine Größe relativ ist. 
Mittwoch morgens  Buddha hält eine Almosenschale.  Buddha ging morgens Almosen sammeln, nachdem er seinen Vater bekehrt hatte. 
Mittwoch abends  Buddha mit Elefant und Affe.  Buddha war von den Streitigkeiten der Mönche von Kosambi ermüdet und ging in den Wald, wo sich die Tiere um ihn kümmerten. 
Donnerstag Dhyana Mudra.  Siddhartha saß auf dem Gras und stand nicht auf, bis er erleuchtet wurde. 
Freitag Gekreuzte Hände auf Brusthöhe.  Buddha überlegt, wie er seine Erleuchtung teilen kann. 
Samstag Dhyana Mudra, mit Naga.  Buddha wird vom Naga-König beschützt.

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Mudras und ihre Bedeutung

Die Handhaltung (Mudra) des Buddha ist entscheidend für die Bedeutung des Standbildes. Es gibt einige besonders häufig auftretende Gesten.

Bhumisparsa Mudra – Aufruf der Erde zum Zeugen: Die rechte Hand weist nach unten, die linke liegt auf dem Schoss. Der Dämon Mara versuchte Siddhartha kurz vor seiner Erleuchtung vom rechten Pfad abzubringen. Er setzte dazu u.a. seine Töchter ein, die ihn verführen sollten. Doch Buddha blieb standhaft und rief um dies zu Bezeugen die Erdgöttin Thorani mit der Berührung des Bodens. Thorani wrang Wasser aus ihren Haaren und Mara und seine Dämonen ertranken. Wahrscheinlich ist das die häufigste Geste in den thailändischen Tempeln.

Bhumisparsa Mudra
Bhumisparsa Mudra (Tiger Cave Tempel bei Krabi)

Dhyana Mudra  (auch: Samadhi Mudra): Beide Hände sind mit den Handflächen nach oben auf den Schoss gelegt. Diese Geste weist auf Meditation hin. Meistens wird die Figur im halben Lotussitz dargestellt.

Dhyana Mudra
Dhyana Mudra (Golden Mount Temple in Bangkok)

Abhaya Mudra: Die Hand wird mit allen Fingern nach oben dargestellt. Diese Geste symbolisiert Furchtlosigkeit. Sie kann sowohl mit beiden Händen als auch mit einer ausgeführt werden. Bei der einhändigen Ausführung kann mit der zweiten Hand eine andere Mudra angezeigt werden. Die Figuren werden stehend oder gehend dargestellt.

Abhaya Mudra
Abhaya Mudra (Marmor-Tempel Bangkok)

Vitarka Mudra: Die Hand ist nahe an der Brust und mit Daumen und Zeigefinger wird ein Kreis gebildet. Dieses Zeichen steht für Unterweisung und wird bei sitzenden und stehenden Statuen verwendet.

Vitarka Mudra
Vitarka Mudra (Phra Pathom. Wikimedia Commons, Heinrich Damm)

Bei der Dharmachakra Mudra wird mit beiden Händen ein ähnlicher Kreis geformt. Diese Geste steht für das in-Bewegung-Setzen des Dharmachakra und verweist auf die erste Predigt des Buddha.

Varada Mudra
Varada Mudra (Wat Pho, Bangkok. Wikimedia Commons, Heinrich Damm)

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Körperhaltungen der Buddha-Figuren in Thailand

Tiger Cave Temple
Buddha-Figuren im halben Lotussitz im Tiger Cave Temple bei Krabi.

Die Bedeutung der Figuren richtet sich nach Körperhaltung und Gestik. Die vier möglichen Haltungen sind stehend, sitzend, gehend, liegend.

Die sitzende Haltung wird in drei Varianten ausgeführt. Im halben Lotussitz ist das rechte Bein über das linke gelegt, die Fußflächen zeigen nach oben. Diese Darstellung wird auch Heldenpose genannt. Ab und zu wird Buddha im vollen Lotussitz dargestellt, bei dem beide Füße auf dem jeweils anderen Bein gelegt werden. Diese Stellung ist in Thailand eher ungewohnt und weist auf indische Einflüsse hin. Als dritte Variation wird Buddha auf einem Stuhl sitzend dargestellt.

Fußsohlen
Die Fußsohlen des liegenden Buddha. (Foto: Wikimedia Commons, Rdsmith4)

Die liegenden Statuen bieten eine Besonderheit: Unter den Fußsohlen finden sich oft Glückssymbole. In der Mitte kann das Dharmachakra auftauchen, das an den Achtfachen Pfad erinnert.

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Epochen der buddhistischen Kunst in Thailand

In den Tempeln Thailands ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Buddha-Statuen zu sehen. Sie lassen sich nach Kunstepoche und Körperhaltung unterscheiden.

Grob unterteilt gibt es sechs Epochen in der thailändischen Kunst. Allerdings ist die Unterscheidung der Stile, ähnlich wie in der europäischen Kunst, nicht einfach. Die Übergänge sind fließend und die Einflüsse innerhalb eines Abschnitts wechselhaft. Die Künstler stehen zwar in der Tradition ihrer Zeit, doch wollen sie ein Werk schaffen und nicht mit aller Macht den kunsthistorischen Einteilungen gerecht werden.

Die Kunstepochen
7. – 11. Jahrhundert Dvaravati-Stil
11. – 13. Jahrhundert Khmer- und Lopburi-Stil
13. – 15. Jahrhundert Sukhothai-Stil
11 – 18. Jahrhundert Lan Na-Stil
12. – 15. Jahrhundert U-Thòng-Stil
ab dem 14. Jahrhundert Ayutthaya-Stil und Rattanakosin-Stil

 

Buddha-Kopf der Dvaravati-Periode
Buddha-Kopf der Dvaravati-Periode. (Foto: Wikimedia Commons, Walters Art Museum)

Die Dvaravati-Kunst (7. – 11. Jahrhundert) ist indisch geprägt. Erst im Verlaufe der Zeit erhielt sie eine stärkere lokale Färbung. In der späten Phase kamen Einflüsse aus dem aufstrebenden Khmer-Reich hinzu.

Typisch für Buddha-Darstellungen dieser Epoche ist ein natürliches Gesicht, mit niedergeschlagenen Augen und einem lächelnden Mund.

 

Khmer-Buddha aus dem 12. Jahrhundert
Khmer-Buddha aus
dem 12. Jahrhundert.(Foto: Wikimedia Commons, Sailko)

Lopburi war zeitweise Provinzhauptstadt der Khmer und übernahm daher dessen künstlerische Darstellungen in der Zeit vom 11. – 13. Jahrhundert.

Figuren aus dieser Zeit tragen oft ein Diadem auf dem Kopf. Die Lippen sind dick, der Mund lächelnd. Auffällig sind die lang gezogenen Ohrläppchen.

Manchmal wird die Skulptur auf einem Podest in Lotus-Form dargestellt, mit königlichen Ornamenten geschmückt und von Nagas bewacht.

Buddha im Wat Mahathat in Sukhothai.
Buddha im Wat Mahathat in Sukhothai. (Foto: Wikimedia Commons, Wasanamak)

Der Sukhothai-Stil (13. – 15. Jahrhundert) nimmt Traditionen aus Sri Lanka auf. In dieser Zeit bestand enger Kontakt zwischen dem siamesischen Reich und der südöstlich vor Indien gelegenen Insel.

Die Figuren dieser Phase zeichnet ein idealisiertes Menschenbild aus. Sie besitzen zumeist ovale Gesichter. Das Kopfhaar wird fein und gleichmäßig gekraust gestaltet. Die Augenbrauen schlagen hohe, runde Kurven. Der Blick ist nach unten gerichtet. Die Brust ist breit, die Taille schmal. In dieser Periode wurde Buddha in allen vier Grundhaltungen gezeigt: Stehend, gehend, sitzend, liegend. Bei einigen Skulpturen wird um den Kopf der Figur eine Flamme dargestellt.

Der Lan Na- oder Chiang Saen-Stil (11 – 18. Jahrhundert) nahm Einflüsse von den Khmer, Sukhothai, Indien, Myanmar und Sri Lanka auf.

Buddhafiguren in Chiang Mai
Buddhafiguren in Chiang Mai

Buddha wurde in Lan Na oft mit einer speziellen Haartracht dargestellt. Das Haar läuft auf dem Kopf in Form einer Lotusknospe oder einer Kreuzblume zusammen. In späteren Zeiten auch in Flammenform.

Das Gesicht ist füllig. Obwohl der Körper meistens massiger ist, bleibt die Hüfte schlank.

Buddha im U-Thòng-Stil.
Buddha im U-Thòng-Stil.

 

Der U-Thòng-Stil (12. – 15. Jahrhundert) gewann durch den abnehmenden Einfluss der Khmer an Bedeutung.

Typisch für die Darstellungen in diesem Stil sind sehr feine, gekräuselte Haare und ein Haarband. In frühen Zeiten sind die Haare in Lotusknospenform geflochten, später auch in Flammenform. Die Köpfe sind leicht quadratisch mit Khmer- und Mon-Charakteristika.

Buddha-Figur im Wat Phra Men
Buddha-Figur im Wat Phra Men in Ayutthaya.(Foto: Wikimedia Commons, Lux2545)

 

Der Ayutthaya-Stil (ab dem 14. Jahrhundert) vereint unterschiedlichere Statuentypen als die vorhergegangenen Epochen.

Anfangs waren unter dem Einfluss von U Thòng die Gesichter quadratisch und die Haare mit einem Band versehen. Später wurden mehr Elemente des Sukhothai-Stils übernommen. Die Gesichtsausdrücke wurden mit der Zeit strenger, das Lächeln verschwand in einigen Fällen völlig. Die Augen wurden detailliert herausgearbeitet. Die Figuren sind teilweise mit vielen Ornamenten verziert. Einige tragen ein Diadem oder eine Krone auf dem Kopf.

Der Rattanakosin-Stil der Bangkok-Zeit führt in erster Linie die Traditionen aus Ayutthaya weiter.

 

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