Umgang mit dem Rohingya-Konflikt in Myanmar

In den letzten Wochen konnte ich feststellen, dass vermehrt mein Artikel über “Ethnien in Myanmar” angeklickt wurde. Das hängt wahrscheinlich mit der Berichterstattung über den Konflikt im Rakhine-Staat zusammen und ist ein schönes Zeichen, dass auch im deutschsprachigen Raum die Menschenrechte in Südostasien ein Thema werden.

Ich hatte mir schon einige Paper zum Thema heraus gesucht, um selbst ein Artikel zu verfassen, doch habe ich davon Abstand genommen, da ich das Geschehen nur schlecht bewerten kann. Allerdings habe ich heute einen Artikel in der Online-Ausgabe der Süddeutschen gelesen, den ich empfehlen möchte, da er ein vielschichtiges Bild vom Rohingya-Konflikt liefert:

Interview mit Hans-Bernd Zöllner in der Süddeutschen Zeitung

Ich möchte davon abraten, nach 2, 3 Medien-Berichten über einen Konflikt ein festes Urteil zu fällen. Wer zu einer Sache kaum etwas weiß, kann nur in Schwarz-Weiß denken. Wenn man anschließend die Gut-gegen-Böse-Schablone anlegt, trägt man nur weiteren Zwietracht in die Welt. Was bringen denn solche Aktionen, wie die Petition, die Aung San Suu Kye den Friedensnobelpreis aberkennen lassen will? Das erscheint mir nur destruktiv.

Die Gründe für solche blutigen Auseinandersetzungen liegen leider häufig tief in der menschlichen Natur. Wichtig wäre es daher, die Hintergründe besser kennen zu lernen und zu verstehen was da passiert. Erst dann kann man sich sinnvoll engagieren. 

Wer sich für das Thema interessiert und sich langfristig für Verbesserungen der humanitären Situation in Myanmar einsetzen möchte, findet in Deutschland mehrere Anlaufstellen, z.B. die Burma-Initiative des Asienhaus in Köln.  

Religiöse Toleranz in Indonesien

Meuseujid Raya Bayturrahman
Meuseujid Raya Bayturrahman (Foto: Si Gam Acèh)

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Der Islam erhielt hier, anders als in Nordafrika, nicht durch Eroberer, sondern durch Kaufleute Einzug.

In gewisser Hinsicht ist Indonesien ein religiös tolerantes Land: Muslime, Christen, Hindus und Anhänger kleinerer Glaubensgemeinschaften leben hier friedlich nebeneinander. Die wichtigsten Feste der verschiedenen Religionen gelten als nationale Feiertage.

Jeder Einwohner kann seinen Glauben frei wählen, allerdings sind nur der Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und der Glaube der Bahai offiziell anerkannt. Die Pancasila in der indonesischen Verfasssung legen fest, dass nur monotheistische Religionen akzeptiert werden. Die balinesischen Hinduisten, die eigentlich über eine Vielzahl an Göttern verfügen, erreichten dies, indem sie auf ihr oberstes göttliches Prinzip, dem Sanghyang Widhi Wasa verwiesen, in der alle Götter, Ahnen und Naturkräfte zu einer göttlichen Ordnung vereint werden.

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Problematisch ist für Anhänger nicht anerkannter Religionen und für Atheisten der Umgang mit den Behörden. Offizielle Dokumente, wie Personalausweise und Familienbuch erfordern die Zugehörigkeit zu einer der akzeptierten Glaubensrichtungen. Mit dem Einwohnermeldegesetz von 2006 ist es zwar erlaubt, die Religionszugehörigkeit nicht auszufüllen, aber in der Praxis weigern sich viele staatliche Beamte solche Dokumente auszustellen. Der Vorschlag des Innenministers Tjahjo Kumolo auf die Religionszeile zu verzichten, erntete Empörung aus den verschiedensten Lagern. Immerhin wurde beim elektronischen Personalausweis im Jahre 2013 die Kategorie “sonstige Religion” eingeführt.

Für Atheisten besteht wenig Verständnis. Wer seinen Nicht-Glauben öffentlich macht, dem droht Ächtung und im schlimmsten Fall sogar staatliche Verfolgung. Ein Blogger aus Sumatra veröffentlichte 2012 auf Facebook ein atheistisches Posting und wurde daraufhin wegen Anstiftung zum religiösen Hass zu 2 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Je nach Region wird der Islam unterschiedlich streng ausgelegt. Im Jahre 2013 verzeichnete die Nationale Kommission für Frauenrechte 342 von der Scharia “inspirierte” lokale und regionale Verordnungen. Dahinter stehen Richtlinien zum intensiven Koran-Unterricht für Schulkinder, Kleidungsvorschriften für Frauen und Strafen bei vorehelichen Sex, Alkoholmissbrauch und Glücksspiel.

In der Provinz Aceh im westlichen Sumatra, ist der Islam schon seit dem 13. Jahrhundert gefestigt und wird noch heute besonders strikt befolgt. Die Region nimmt eine Sonderstellung ein. Die Bewegung Unabhängiges Aceh kämpfte 30 Jahre lang gegen die indonesische Zentralregierung. Da Friedensabkommen scheiterten und auch militärisch nicht viel zu erreichen war, wurde der teilautonomen Provinz zugestanden, die Scharia offiziell einzuführen. Die Folge sind drakonische Strafen. Auf Glücksspiel oder Homosexualität droht das öffentliche Auspeitschen mit Rattanstöcken. 

Die Entwicklung der religiösen Toleranz in Indonesien ist nicht genau vorhersehbar. Noch sind viele Gläubige von den Hardlinern in Aceh weit entfernt. Allerdings konnte das Setara-Institut für Demokratie und Frieden einen Anstieg der religiösen Intoleranz verzeichnen. Von 2007 bis 2013 hat sich die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf religiöse Minderheiten von 91 auf 222 mehr als verdoppelt. In 117 Fällen waren staatliche Stellen involviert.

Im Oktober 2014 wurde Lukman Hakim Saifuddin zum Minister für religiöse Angelegenheiten. Es bleibt zu hoffen, dass der als moderat geltende Minister die Intoleranz zurück drängen kann.

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