Ethnien in Myanmar

Die Bamar (auch: Birmanen)

Die Bamar stammen ursprünglich aus Zentralchina. Mit der Einnahme Bagans Mitte des 9. Jahrhunderts festigten sie ihre Stellung in Myanmar. Von den Mon übernahmen sie den Theravada-Buddhismus. Sie sind mit rund 50 Millionen Angehörigen die größte und einflussreichste Ethnie der tibeto-birmanischen Sprachgruppe.

Die Chin

Die Chin sind ebenfalls der tibeto-birmanischen Sprachgruppe zugehörig und bewohnen den Westen des Landes, im nördlichen Teil des Rakhine-Gebirges. Sie werden in zwei Gruppen unterteilt. Die Meitei sind Hinduisten und leben in einem Kastensystem. Die Kuki-Chin sind religiös divers: es gibt Hinduisten, Buddhisten und Christen unter ihnen. Sie sind Viehzüchter und Brandrodungsbauern.

Die Rakhine

Die rund zwei Millionen Rakhine (Arakanesen) sind mehrheitlich Buddhisten und leben im Westen Myanmars. Das Verhältnis zu den Bamar ist seit langer Zeit gespannt. Ihre einflussreichste Zeit erlebten die Rakhine ab 1430: die Mrauk-U-Dynastie stieg mit der gleichnamigen Hauptstadt für ungefähr 350 Jahre zu einer regionalen Macht auf.  1785 konnten die Bamar Mrauk-U einnehmen. Einige Jahre versuchten die Rakhine sich gegen die Eindringlinge zu wehren, doch durch den Einmarsch der Briten 1826 wurde die Unabhängigkeit unerreichbar.

Mrauk-U
Mrauk-U. Wikimedia Commons, Go-Myanmar.

Die Kachin

Die Bezeichnung Kachin ist ein Sammelbegriff für die Angehörigen verschiedener Volksgruppen; zu ihnen gehören Jinghpaw, Lashi, Lisu, Maru und  Rawang. Sie zählen zum tibeto-birmanischen Sprachzweig. Die Kachin sind erst spät nach Myanmar eingewandert. Heute siedeln ca. 600.000 von ihnen in der nördlichen Grenzregion; der weitaus größere Teil, ungefähr 3 Millionen, leben in Indien und China. Ihr Gebiet ist reich an Rohstoffen – die wertvollsten sind Gold und Jade.

Die Kachin leisteten dem britischen Kolonialheer harten Widerstand, doch arrangierten sie sich mit der späteren Besatzung. Viele von ihnen konvertierten zum Christentum. Im 2. Weltkrieg wurde die britische Armee von Kachin unterstützt. Während dieser Zeit entstanden nationalistische Tendenzen, die im unabhängigen Myanmar für Spannungen sorgten. Die Kachin gehörten zu den unerbittlichsten Gegnern der Zentralregierung in Yangon.

Die Naga

Das Hauptsiedlungsgebiet der Naga befindet sich im Nordwesten des Landes und erstreckt sich bis nach Indien. Ungefähr 80 % der 3 Millionen Volkszugehörigen leben auf dem Gebiet Myanmars. Sie sind geprägt von animistischen Glaubensvorstellungen, doch sind viele von ihnen zum Christentum konvertiert.

Seit den 1950er-Jahren formierte sich unter ihnen eine Unabhängigkeitsbewegung, die sowohl gegen Regierungstruppen aus Indien als auch aus Myanmar kämpfte.

Die Intha

Auf und um den Inle-See herum leben die Intha. Ihre 70.000 Angehörigen wohnen in ungefähr zweihundert Dörfern, die teilweise nur mit dem Boot erreichbar sind.

Die Lebensweise ist eng mit dem See verwoben: schwimmende Gärten werden zum Obst- und Früchteanbau genutzt und die Fischerei rundet den Speiseplan ab. Eine Besonderheit ist ihre Art zu Rudern – sie stehen auf einem Bein und nutzen das andere um das Paddel zu bewegen.

Inle-See
Paddeln am Inle-See. Wikimedia Commons, Thomas Schoch.

 Die Shan

Die ungefähr 4 Millionen Angehörigen der Shan besiedeln das nach ihnen benannte Hochland im Osten Myanmars. Sie sind von Süd- und Mittel-China eingewandert und gehören der Tai-Volksgruppe an. Mehrheitlich sind sie Buddhisten. Die gesellschaftliche Gliederung ist streng hierarchisch. Das zeigt sich auch am Ehrentitel der Fürsten, die „sawbwa“ (myanm. „Herren des Himmels“) genannt wurden. Die britische Kolonialregierung beließ die Herrschaftsstrukturen der Shan und kooperierte mit ihnen. Mit der Unabhängigkeit versuchte die Regierung in Yangon die „Herren des Himmels“ zu entmachten und löste damit heftigen Widerstand aus.

Die Karen

Die Karen sind nach den Bamar die größte Bevölkerungsgruppe Myanmars und zählen knapp über 4 Millionen Menschen. Ursprünglich bewohnten sie das Ayeyarwaddy-Delta, wurden aber von den Bamar nach Osten in die Gebirgsregion verdrängt. Vermutlich waren die Karen ursprünglich matriarchalisch organisiert, doch heute ist von diesen Sitten nicht mehr viel geblieben. Als die Briten Myanmar besetzten, fanden sie die Karen sehr eigenständig vor. Auch hier verzichtete die Kolonialmacht auf große Eingriffe und gewann dadurch einen Verbündeten gegen die Bamar. Durch die engen Kontakte zu den Europäern, nahmen in erster Linie hochstehende Karen den christlichen Glauben an. Die Mehrheit des Volkes blieb buddhistisch.

Die Kayah sind ein kleines Volk, dass südlich des Shan-Staates siedelt. Sie sind mit den Karen verwandt und werden aufgrund ihrer roten Kleidung auch als „Rote Karen“ (myanm. „Karenni“) bezeichnet. Durch eine besondere Tradition haben die Kayah weltweit Bekanntheit erlangt: Die Frauen tragen schwere Kupfer- und Messingringe um den Hals, der dadurch gedehnt wird. Allerdings steht dieser Brauch in der Kritik, da die Trägerinnen nicht zu einer Touristenattraktion werden möchten. 

Karen-Frau
Frau aus dem Karen-Stamm. Wikimedia Commons, Peter van der Sluijs.


Die Mon

Im Südosten siedeln die Mon, das älteste Kulturvolk in Myanmar. Sie sind mit den Khmer in Kambodscha verwandt und übernahmen früh den Buddhismus. Aufgrund des über 1000 Jahre anhaltenden Konkurrenzkampfes mit den Bamar, haben sich die beiden Völker bei den wechselseitigen Militärzügen gut durchmischt. Heute gibt es noch ca. 500.000 Menschen, die sich auf die Identität als Mon berufen.

Die Wa

Die ca. 300.000 Wa sind mit den Mon verwandt und leben im Nordosten des Landes, neben den Shan. Sie waren ursprünglich berüchtigte Kopfgeldjäger. Die Frauen sollten durch Tätowierungen als Kriegsbeute unattraktiv gemacht werden. Zu Zeiten des unabhängigen Myanmar leisteten die Wa vor allem in den kommunistischen Gruppen Widerstand. Ihre guten Kontakte zu China nutzen sie in den letzten Jahren, um im lukrativen Opiumhandel aktiv zu werden.

Die Rohingya

Im Norden des Bundesstaates Rakhine, an der Grenze zu Bangladesch, siedeln die Rohingya, eine ca. 1.400.000 Menschen zählende Ethnie. Sie betrachten sich als Ureinwohner der Rakhine-Region, die vor etwa 1.000 Jahren islamisiert wurde. Ihre Kultur ist nach Westen ausgerichtet: ihre Sprache ähnelt dem Bengalischen und zählt zu den indo-europäischen Sprachen. Zum Schreiben nutzen sie arabische und lateinische Zeichen. Die Regierung in Yangon erkennt ihnen keinen indigenen Status zu und behandelt sie nicht wie Staatsbürger.

Die Moken

Im äußersten Südwesten des Landes befindet sich das Mergui-Archipel. Hier leben die 70.000 Angehörigen des Seefahrer-Volkes der  Moken. Sie gehören der gleichen Gruppe wie die Orang Asli aus Borneo und die Dayak aus Malaysia an. Ihr Lebensraum ist das Meer, doch wird ihr althergebrachte Lebensstil durch die modernen Methoden des industriellen Fischfangs gefährdet.

Die vorherrschende Religion ist der Animismus. Dabei nimmt die  Schildkröte eine wichtige Stellung in der Mythologie ein. Ihre große Erfahrung im Umgang mit dem Meer nutzte ihnen 2004, als ein Tsunami Myanmar verwüstete. Die Moken erkannten früh die Warnzeichen und konnten sich in Sicherheit bringen.

Die Inder

In der Kolonialzeit lebten ungefähr 1 Million Inder in Myanmar. Sie hielten sich vorrangig in den Grenzgebieten zu Indien und in den großen Städten auf. Zeitweise stellten sie mit 48 % die größte Bevölkerungsgruppe in der Hauptstadt Yangon. Mit dem Abzug der Briten verließen auch viele Inder das Land. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich im unabhängigen Myanmar für sie. In den 1960er folgte eine weitere große Auswanderungswelle. Erst die Reformen der letzten beiden Jahrzehnte verbesserte ihre Situation.

Die Chinesen

Im Norden des Landes und in den großen Städten lebt die chinesische Minderheit. Wie überall Südostasien nutzen einige von ihnen ihre guten Netzwerke um Handel zu treiben.

Die Kokang

Im 18. Jahrhundert wanderten die Kokang von China aus in den Shan-Staat ein. Sie kontrollieren den Drogenhandel und verfügten über eine kampfstarke Armee. 2009 konnten die Regierungstruppen die militärischen Einheiten der Kokang zerschlagen. Einige der Gegner wurden in die regulären Milizen aufgenommen.

Literatur:

Köster, Ute; Phuong Le Trong; Grein, Christina: Handbuch Myanmar – Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur, Entwicklung. Berlin, 2014.

 

Ethnische Aufteilung in Prozent
Bamar (Bamar) 67,0 %
Karen 8,5 %
Shan 7,5 %
Rakhine (Arakanesen) 3,5 %
Rohingyas 3,2 %
Chin 2,5 %
Mon 2,0 %
Chinesen 1,7 %
Kachin 1,4 %
Inder 1,0 %
Wa 0,7 %
Sonstige Ethnien 1,0%

 

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