Armut in Myanmar

Myanmar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit 1987 wird es von der UN unter dem LDC-Status („Least Developed Countries“, dt. „am wenigsten entwickelte Länder“) geführt. In den nachfolgenden Jahren wurde die Lage nicht einfacher – die regelmäßigen Menschenrechtsverletzungen führten zu einer internationalen Isolation. 1989 verhängten die westlichen Staaten Wirtschaftssanktionen. Die Regierung in Yangon war daraufhin auf wenige Handelspartner, wie China und Nordkorea, beschränkt. Erst mit der Öffnung in den letzten Jahren verbesserte sich die Situation: nicht nur die Sanktionen wurden aufgehoben, auch Schuldenerlass wurde gewährt.

Es ist zu hoffen, dass die bessere politische Lage die sozialen Probleme lindert. Denn die Zustände sind katastrophal. Ungefähr ¼ der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze – und lebt damit von weniger als 1,25 US-$ am Tag. Auf dem Land ist die Situation besonders desaströs: hier fallen 1/3 der Bewohner unter die Armutsgrenze und haben oft kein Zugang zu Strom und sozialen Dienstleistungen.

Die Armut hat fatale Auswirkungen auf die Kinder: die Sterblichkeit ist sehr hoch. Der Hauptgrund ist die Unterernährung. Jedes 3. Kind hat nicht genügend Nahrung. Im Shan- und Kayah-Staat sind sogar noch mehr Kinder mangelernährt. Kinderarbeit ist weit verbreitet. Oft müssen sie harte Arbeiten ausführen, beispielsweise auf dem Bau.

Arbeitende Kinder und Frauen
Arbeitende Kinder und Frauen (Foto: O. Aldirmaz)

Um die sozialen Brandherde einzudämmen, werden momentan viele Ideen diskutiert: Kann eine für alle zugängliche Sozialversicherung geschaffen werden? Welche Sozialtransfers sollen eingeführt werden? Rente, Kindergeld oder Stipendien? Was kann gegen die ungleiche Vermögensverteilung unternommen werden?

Die Regierung ist zum Handeln gezwungen. Die Wirtschaft soll wachsen. Daher verabschiedete sie 2012 ein neues Investitionsgesetz. Ausländische Unternehmen können nun fast ohne Einschränkungen Kapital einbringen. Nur in einigen Branchen, wie dem Bergbau, müssen fremde Investoren mit einheimischen Firmen zusammenarbeiten.

Besonders die reichen Rohstoffvorkommen locken die Kapitalgeber. Erdöl, Erdgas, Kohle, Wolfram, Zinn, Zink, Kupfer, Platin, Blei, Eisen, Antimon, Kalkstein und Marmor lassen sich in Myanmar finden. Zusätzlich werden allerlei Edelsteine gefördert: Rubine, Jade, Saphire und sogar Diamanten lagern in den Minen Myanmars.

Der Verkauf von Rohstoffen bringt schnelles Geld. Daher ist es für Myanmar attraktiv, den extraktiven Wirtschaftssektor zu stärken und mit ausländischen Firmen und Staaten zu kooperieren, die Interesse an den Naturmaterialien haben. Doch, wie in vielen anderen Entwicklungsländern, profitiert die Bevölkerung wenig vom Abbau der Bodenschätze. Die Einnahmen verbleiben in den Händen einiger weniger, der Reichtum sickert nicht in die unteren Schichten durch.

Die Bevölkerung wird dafür mit den Schattenseiten des Rohstoffabbau konfrontiert: fehlendes Know-how und ungenügendes Verantwortungsbewusstsein führen zu Umweltschäden.

Vor allem in den Grenzregionen verschärfte die Jagd nach den Bodenschätzen die Konflikte. So heizten die Platin-Vorkommen im Shan-Hochland die Auseinandersetzung zwischen Minderheit und Zentralregierung weiter an.

Der Lebensraum Wald ist auf unterschiedliche Weisen bedroht. Für den Export werden große Teakholzbestände abgeholzt. Zusätzlich wird unnötiger Schaden durch Brandrodung angerichtet.

Der Schutz der Natur wird eine schwierige Aufgabe für die Regierung in Yangon. Es reicht nicht, wenn die Politiker wohlwollende Gesetze verabschieden; denn die weit verbreitete Korruption führt dazu, dass Regelungen hintergangen werden. Sie müssen effektive Methoden zur Durchsetzung und Kontrolle der Verordnungen finden. Aufgrund der schwachen Institutionen kann das nur langfristig gelingen.

In Verbindung mit der wachsenden Ökonomie tritt ein weiteres Problem verstärkt auf: der „Landraub“. Insgesamt 500 Fälle wurden von den Behörden registriert. Es gibt zwei unterschiedliche Formen:

  • Die direkte Enteignung durch den Staat, um das Grundstück ausländischen Firmen zur Verfügung stellen zu können. Die Unternehmen dürfen das Land zwar nicht erwerben, aber sie können es auf lange Zeit pachten. Der vormalige Besitzer erhält entweder keine oder eine geringe Entschädigung.
  • Die indirekte Enteignung erfolgt durch gesetzliche Anbauquoten für Bauern. Die Landwirte werden dazu verpflichtet ihre Agrarprodukte in einem bestimmten Verhältnis anzubauen, das nicht wirtschaftlich ist. Dadurch geraten die Bauern in die Verschuldung. Wenn die Kredite nicht mehr bezahlt werden können, folgt die Beschlagnahmung des Landes. Insgesamt wurden in der Ayeyarwaddy-Region Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 100.000 ha entzogen.

Beim Interessenskonflikt von Wirtschaft und Bürger muss Letzterer häufig nachgeben. Besonders negative Schlagzeilen machte der Bau der Yadana-Gaspipeline des französischen Total-Konzerns in den 1990er-Jahren. In Zusammenhang mit diesem Großprojekt wird nicht nur von Zwangsumsiedlungen, sondern auch von Folter und Mord berichtet.

In den letzten Jahren haben die Bürger gelernt, sich gegen Großprojekte besser zu wehren. Der Bau zweier indischer Staudämme wurde verhindert. Doch nicht jede Demonstration ist erfolgreich; beispielsweise die Inbetriebnahme der Kupfermiene von Monywa wurde von der Regierung mit Gewalt durchgesetzt.

Literatur (mit Amazon-Affiliate-Link):

Arbeitsgruppe Burma (Hrsg.): Aufbruch in Myanmar – Mit europäischen Investitionen zu Wohlstand und Frieden? Köln, 2014. (kostenloser Download)

Pancasila – die fünf Grundsätze der indonesischen Politik

Garuda
Indonesisches Staatswappen: Der Stern steht für das göttliche All-Eine, die Kette für den Internationalismus, der Baum für den Nationalismus, der Büffel für Demokratie und Baumwolle und Reis für die soziale Wohlfahrt.
(Foto: Gunawan Kartapranata)

Die Pancasila sind die Grundsätze der indonesischen Politik. Sie wurden erstmals von Sukarno, dem Führer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung und späteren ersten Präsidenten, in einer Rede am 1. Juni 1945 erwähnt. In leicht abgeänderter Form, mit einer höheren Gewichtung der Religion, wurden sie in die Präambel der indonesischen Verfassung aufgenommen.

Das Wort “Pancasila” (oder auch “Pantja-Sila”) stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie “5 Prinzipien”.

Diese sind:
– Das Prinzip der All-Einen Göttlichen Herrschaft
– Internationalismus und Humanismus
– Nationale Einheit
– Demokratie
– Soziale Wohlfahrt

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Stadtplanung in Singapur

Die Baumaßnahmen des Stadtstaates sind auf Erhöhung der Attraktivität ausgerichtet. Dieses hat mehrere Gründe: Die Ökonomie des Stadtstaates lebt vom Wissen. Daher ist es wichtig, dass die Stadt nicht nur gute Arbeitsbedingungen bietet, sondern auch attraktive Lebensbedingungen. So ist es möglich, international begehrte Experten anzuwerben und zu binden. Des Weiteren ist der Tourismus zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden. Und schließlich möchte Singapur seine Weltbedeutung durch die Architektur betonen.

Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Marina Bay, die alte Flussmündung, die durch Landgewinnungsmaßnahmen neue Baufläche bietet. Die Ufer sind zu Promenaden zum Flanieren umgebaut worden und mit Cafés, Geschäften und Restaurants gesäumt. Dahinter finden sich Hotel-, Büro- und Residenzhochhäuser.

Es sind allerlei Unterhaltungseinrichtungen vorhanden: Eine 27.000-Besucher Bühne, die Esplanade (ein hochmoderner Konzert- und Theatersaal), das Riesenrad „Singapore Flyer“ und viele kleine Attraktionen, wie das Wahrzeichen „Merlion“. Des Weiteren ist eine moderne Gartenanlage in Planung.

Die Marina Bay ist regelmäßig Austragungsort von Feiern und Festivals, dazu gehören internationale Veranstaltungen, wie der Formel1-Grand Prix, der direkt in der Innenstadt von Singapur, um die Marina Bay, ausgetragen wird.

Doch trotz der modernen, globalen Ausrichtung, sollte die heimische Tradition nicht verloren gehen. Der aktuelle „Concept Plan“ von 2001 spiegelt die potenziell widersprüchlichen Ziele von der Erfüllung globaler Bestrebungen bei Bewahrung des Lokalen wieder:

„Wir möchten ein globales Geschäftszentrum werden, ein Knotenpunkt der Kultur und Kunst, eine Inselstadt, die das tropische Grün feiert und eine Stadt, die ihre Identität und Geschichte widerspiegelt.“

Chinatown
Basar in Chinatown

Um dieses Ziel zu erreichen, wird eine thematische Stadtentwicklung verfolgt. Historische Bereiche, wie „Chinatown“, „Little India“ und die alte malaysische Siedlung sollen „revitalisiert“ werden.

Kritiker werfen den Planern vor, dass sie künstliche Orte schaffen. Beispielsweise Chinatown ist zu starr und ordentlich. Es ist kein Wiederbeleben der alten Kultur, sondern in erster Linie eine kommerzielle Neuausrichtung.

Auch heute noch spielt die Natur in der Stadtplanung eine wichtige Rolle. Die vier Naturschutzgebiete Central Catchment Nature Reserve, Bukit Timah Nature Reserve, Sungei Buloh Wetland Reserve und Labrador Nature Reserve nehmen zusammen eine Fläche von 3000 Hektar ein; das sind ca. 4,5% der Landfläche Singapurs.

Im Jahre 2009 wurde ein Naturschutzplan (National Biodiversity Strategy and Action Plan) verfasst, der das Ökosystem und die Artenvielfalt erhalten soll.

Im Rahmen des Planes wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt:

Anzahl der Arten Jahr 2008
Pflanzen 2900
Vögel 360
Schmetterlinge 270
Reptilien 120
Säugetiere 75
Amphibien 25
Korallen 200
Fische 111

Während zu Zeiten Yews von der Gartenstadt Singapur gesprochen wurde, setzt die neue Stadtplanung einen noch stärkeren Akzent auf die Begrünung. Das neue Konzept lautet „Die Stadt im Garten“. Besonders wird auf eine große Varianz an Pflanzen geachtet. Dadurch erscheinen die Orte nicht nur schöner, sondern werden auch unverwechselbar.

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Singapurs Wirtschaftswunder (Geschichte Singapurs 4)

Singapur
Singapur (Foto: Wikimedia Commons, Social Services)

Die Wirtschaft Singapurs durchlief nach der Unabhängigkeit verschiedene Phasen: In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt auf einer arbeitsintensiven Exportindustrialisierung, es folgte ein Strukturwandel zugunsten sach- und humankapitalintensiver Industrien. Am Ende der Entwicklung stand der Übergang zur wissensbasierten Ökonomie.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Industrie Singapurs hauptsächlich auf Rohstoffverarbeitung, wie die von Kautschuk, ausgerichtet.

Ende der 70er Jahre verabschiedete der Nationale Lohnrat, eine staatliche Organisation mit Vertretern der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der Regierung, extreme Lohnerhöhungen. Steigerungen von 20 % und mehr sollten dafür sorgen, dass Unternehmen die Effizienz steigern mussten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es sollte nicht mehr die billige Massenware hergestellt werden, sondern hochwertige Produkte. Um das Ziel zu erreichen, wurden Ausbildungseinrichtungen geschaffen und das deutsche Handwerksmeister-System übernommen.

Innerhalb von wenigen Jahren gelang der Wandel hin zum Hightechland. Die Industrie spezialisierte sich auf den Elektronikbereich. Aus diesem Feld stammen heute ca. 50 % der Exporte Singapurs.

Um die Industrien, die auf den Wirtschaftsfaktoren Arbeit und Boden fußen, nicht vollständig aus der Hand geben zu müssen, kooperiert Singapur mit den benachbarten indonesischen und malaysischen Regionen. Die Partner liefern Landflächen und günstige Arbeitskräfte, Singapur liefert Know-how, eine gute Infrastruktur und Kapital.

Nach der Rezession 1985 entstand die Idee, Singapur in ein „Total Business Center“ umzuwandeln. Dazu sollten intelligente Produktion und Dienstleistungen weiter ausgebaut werden und vor allem dem asiatischen Markt zur Verfügung gestellt werden.

Der Finanzsektor wurde gefördert. Am Anfang der 90er Jahre befanden sich über 300 Finanzinstitute und Banken im Stadtstaat.

Im Verlaufe der Jahre ist der Dienstleistungssektor für die Wirtschaft Singapurs der wichtigste Faktor geworden. Im Jahre 2010 betrug das Bruttoinlandsprodukt 303 Milliarden S$. Davon wurden 193 Mrd. S$ von den Dienstleistungsbetrieben erwirtschaftet. Der Bereich Business Service hat mittlerweile mit 40 Mrd. S$ den Finanzbetrieb mit 34 Mrd. S$ übertroffen.

Die internationale Anbindung wurde verbessert. 1981 wurde der Flughafen Changi eröffnet. Er wurde auf Komfort ausgerichtet: Kostenloses Internet, Lounges mit Koi-Karpfen-Becken und Sesselecken mit Fußballübertragungen auf Großbildleinwand dienen den Passagieren, um die Wartezeit vor dem Boarding zu überbrücken. Der Flughafen gehört mit einer jährlichen Passagierzahl von ca. 42 Millionen zu den größten der Welt. Das ist in etwa vergleichbar mit den anderen beiden großen internationalen Flughäfen der Region, Bangkok und Jakarta.

Die nationale Fluggesellschaft Singapore Airlines wurde durch die günstigen Rahmenbedingungen Singapurs gefördert und konnte sich gegenüber der starken asiatischen Konkurrenz behaupten. Eine aggressive Preisstrategie und die Förderung von Stop-over-Programmen halfen dem Changi Airport, sich als Drehkreuz für Südostasien zu etablieren.

In der traditionellen Domäne, dem Seehandel, konnte Singapur seine wichtige Position festigen. Mitte des 20. Jahrhunderts revolutionierte eine prozesstechnische Neuerung den Seetransport: Frachtschiffe transportieren ihre Waren nun in genormten Containern. Dadurch konnte das Laden und Löschen komplett automatisiert werden. Die Arbeitsprozesse sind schlank gehalten, beispielsweise können Lastkraftwagen papierlos die Ladung zum Weitertransport aufnehmen. Durch dieses Verfahren können 700 Lkw in der Stunde abgefertigt werden.

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 27,62 Millionen Standard-Container-Einheiten (TEU) im Hafen abgewickelt. Zusätzlich wurden 1,2 Millionen Kühlschiff-TEU verladen. Damit ist Singapur mit Schanghai der größte Hafen der Welt.

Der Stadtstaat verfügt über den drittgrößten Ölhafen der Welt. Internationale  Öl-Konzerne wurden durch finanzielle Beihilfen geködert. Die Raffinerien sind ein wichtiger Faktor am wirtschaftlichen Erfolg Singapurs.

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Pallarz, Karl-Heinz: Die höfliche asiatische Härte. München, 1993.

Hier geht es zu Teil 3: Singapurs Unabhängigkeit – das große Aufräumen

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Thaksin und Yingluck Shinawatra

Thaksin Shinawatra
Thaksin Shinawatra (Foto: Wikimedia Commons, Helene C. Stikkel)

Thaksin Sinawatra ist 1949 in eine wohlhabende Kaufmanns- und Politikerfamilie hineingeboren worden. Er besuchte zunächst die Polizeiakademie, studierte dann an der amerikanischen Sam Houston State University und schrieb dort seine Dissertation im Fach Strafrecht. Anschließend schlug er die Laufbahn eines Geschäftsmannes im Bereich Telekommunikation ein. Innerhalb von ein paar Jahren wurde er zu einem der reichsten Männer Asiens. 1994 suchte er den Weg in die Politik und besetzte verschiedene Kabinettsposten.

Im Jahr der asiatischen Wirtschaftskrise, 1997, wurde in Thailand eine große Verfassungsreform verabschiedet. Vor allem das Wahlrecht wurde reformiert: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes konnte der komplette Senat frei gewählt werden; außerdem wurden die Parteien gestärkt. Die Anzahl der politischen Vereinigungen sollte reduziert und ihre Homogenität vergrößert werden.

1998 wird die Partei „Thai Rak Thai“ („Thais lieben Thais“) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Thaksin weitere Unternehmer, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen und Aktive der 73er-Bewegung.

Die Partei wurde sozial ausgerichtet und sprach auch jene Bürger an, die seit dem Niedergang der kommunistischen CPT nach Alternativen suchten. Wichtige Themen sollten die Landwirtschaft, die Gesundheitsversorgung, die Wirtschaft und die Verschuldung sein.

2001 fanden die ersten Wahlen nach der Verfassungsänderung statt. Thaksin warb mit seiner Erfahrung als erfolgreicher Geschäftsmann – das Land würde profitieren, wenn es von einem Top-Verkäufer angeführt wird. Thaksin hatte Erfolg und wurde neuer Premierminister.

Die Wirtschaft erholte sich unter dem neuen Ministerpräsidenten. Doch zwei blutige Konflikte überschatteten seine Regierungszeit.



Im „Krieg gegen die Drogen“ griff die Polizei brutal durch und erschoss zahlreiche Drogenhändler. Insgesamt sollen 2.500 Menschen ums Leben gekommen sein.

Nach dem Anschlag auf dem World Trade Center 2001 schloss sich Thailand der „Allianz der Willigen“ an und unterstützte die Amerikaner aktiv. Das erhöhte die Spannungen im islamisch geprägten Süden Thailands, dem ehemaligen Sultanat Patani. 2004 eskalierte die Situation, als die Armee über hundert zumeist jugendliche, leicht bewaffnete Aufständische tötete. In den nachfolgenden vier Jahren starben bei Terroranschlägen und Militäraktionen ungefähr 3.500 Personen.

Durch seinen autokratischen Führungsstil schürte Thaksin Unruhe in der Elite. Als 2006 seine Familie bei dem Verkauf eines milliardenschweren Aktienpaketes durch zuvor modifizierte Gesetze kaum Steuern bezahlen musste, kam es zu Massendemonstrationen. Thaksin probierte, sich durch Neuwahlen reinzuwaschen. Seine Partei gewann zwar, doch viele Bürger boykottierten die Wahl.

Als Thaksin sich auf der Herbstversammlung der Vereinten Nationen in New York aufhielt, wurde er durch einen Militärputsch in Bangkok entmachtet. General Suruyud Chulanont setzte sich an die Spitze des Staates. Die Verfassung wurde geändert – die Macht des Ministerpräsidenten gemindert.

Da in Thailand für Thaksin mehrere Strafverfahren drohten, wählte er das Exil. Mithilfe des berüchtigten Privatagenten Werner Mauss versuchte er in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Diese wurde nach kurzer Zeit – auf Druck von Berlin – wieder entzogen.

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Die thailändische Bevölkerung war in der Frage Thaksin tief gespalten. Der Kampf wurde nicht nur im Parlament, sondern auch auf den Straßen ausgetragen. Die arme Landbevölkerung im Norden und Nordosten des Landes war gegenüber dem alten Ministerpräsidenten eher positiv eingestellt, die Stadtbewohner zumeist gegen ihn. Seit 2008 folgte eine Vielzahl an Protesten und Unruhen im Land – mal von der einen, mal von der anderen Seite. Die Thaksin-Gegner sind als „Gelbhemden“ bekannt. Die Farbe deutet auf Verbundenheit zur Monarchie hin, da Gelb die Geburtstagsfarbe König Bhumibols ist. Die Anhänger der Pro-Thaksin-Fraktion werden als „Rothemden“ bezeichnet.

Yingluck Shinawatra
Yingluck Shinawatra auf Staatsbesuch in Deutschland. (Foto: Wikimedia Commons, Gerd Seidel)

2011 konnte die „Thai Rak Thai“-Nachfolgepartei „Pheu Thai“ („Partei für Thais“) die Parlamentswahlen eindeutig für sich entscheiden. Die Schwester Thaksins, Yingluck Shinawatra, übernahm die Führung als Ministerpräsidentin.

Die Gerüchte einer Amnestie für Thaksin führten 2013 zu Protesten in Bangkok. Im Januar 2014 kam es zu Unruhen und Gewalttätigkeiten mit Todesfällen. Die Regierung ließ am 2. Februar Neuwahlen ausrichten, die von Yingluck Shinawatra und ihrer „Pheu Thai“-Partei gewonnen wurden. Der Wert der Abstimmung war zweifelhaft: Die Wahlbeteiligung war niedrig und viele Stimmzettel ungültig. Es kam, wie es kommen musste – die Regierung wurde entfernt. Allerdings erfolgte die Absetzung der Ministerpräsidentin durch das Verfassungsgericht. Sie wurde schuldig gesprochen, einen Verwandten gesetzeswidrig in ein politisches Amt gehoben zu haben.

Das Urteil sorgte für weitere Aufstände auf den Straßen Bangkoks. Die Lage blieb unruhig, bis ein Militärputsch unter General Prayuth Chan-ocha vorerst die öffentliche Ordnung wiederherstellte.

2016 wurde Yingluck Shinawatra von einem Gericht der Korruption für schuldig befunden und zu einer Strafe von 35,7 Mrd. Baht (ca. 1 Mrd. Euro) verurteilt.

Literatur:

Grabowsky Volker: Kleine Geschichte Thailands . München, 2010.

Hicken, Allen: Party Fabrication – Constitutional Reform and the Rise of Thai Rak Thai. In: Journal of East Asian Studies 6 (2006), Seite 381-407.

Nachrichten aus der Bangkok-Post 1, 2, 3, 4

 



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Thailand im 19. Jahrhundert (Geschichte Thailands 9)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte der siamesische König über eine Fläche, die vergleichbar mit der Größe des heutigen Thailands war. Zu diesem Herrschaftsgebiet hinzu kam noch die gleiche Grundfläche an Vasallenstaaten.

Das islamisch geprägte Sultanat Patani, das im Süden von Thailand lag, war schon zu Zeiten Ayutthayas abgabepflichtig. 1808 erfolgte ein Aufstand, der von den Siamesen niedergeschlagen wurde.

Es folgte eine Aufsplitterung der Verwaltung und letzten Endes die Annexion durch Bangkok im Jahre 1841.  In dieser Region finden sich noch heute separatistische Strömungen, die teilweise mit Gewalt versuchen, die Unabhängigkeit zu erlangen.

Der laotische Vasallenstaat bäumte sich 1828 unter dem Herrscher Cao Anu gegenüber Thailand auf. Unter dem Vorwand, den Siamesen vor einer vermeintlichen britischen Bedrohung zu helfen, führte er seine Armee gegen die Thais. Das Heer Rama III. konnte den Angriff zurückschlagen und zerstörte die laotische Hauptstadt Vientiane völlig. Cao Anu wurde gefangen genommen und verstarb unter mysteriösen Umständen.  Vieles spricht dafür, dass der erfolglose Feldzug der Laoten ein Präventivkrieg war.

Im 19. Jahrhundert wurde die Gefährdung Thailands durch die Europäer offensichtlich. Die Briten öffneten mit Gewalt in den beiden Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) China für die westlichen Mächte.  1852 nahmen sie das südliche Myanmar ein und wurden damit direkter Nachbar Thailands.

Die Regierung in Bangkok sah in der Kooperation mit den Europäern den besten Weg, die Unabhängigkeit zu erhalten. 1855 unterzeichnete Mongkut, Rama IV. genannt, zusammen mit dem englischen Unterhändler John Bowring einen Vertrag, der den Briten günstige Handelsbedingungen gewährte. Opium durfte zollfrei eingeführt werden; die restlichen Güter wurden mit einem niedrigen Satz von 3 Prozent besteuert; der Reishandel wurde erlaubt. 1856 folgte ein ähnlicher Vertrag mit den Franzosen, die zu dieser Zeit stärker in Südostasien aktiv wurden.

Durch diese Abkommen wurde Thailand mehr in die Weltwirtschaft involviert: Landwirtschaft und Industrie wandelten sich und das Land erfuhr einen ökonomischen Aufschwung. Die Rohstoffproduktion konzentrierte sich auf gewinnbringende Produkte, wie Reis, Teakholz und Zinn. Das traditionelle Handwerk wurde teilweise durch die europäischen Fertigprodukte zurückgedrängt. Britische Textilien waren der Hauptimportartikel.

Erst da entwickelte sich Reis zum wichtigsten Exportgut. Zuvor bauten die Landwirte eine Vielzahl unterschiedlicher Nahrungsmittel an, darunter viele Früchte. Das änderte sich mit den Handelsabkommen. Von 1857 bis 1909 wuchs die Reisproduktion auf das Fünfzigfache.

Rama IV. folgte ein weiterer reformfreudiger König: Chulalongkorn, genannt Rama V.. Seine Regierungszeit betrug fast 40 Jahre – von 1868 bis 1910. Er richtete die Gesellschaft neu aus. Sklaverei und das feudale Lehnsystem wurden abgeschafft. Die Administration wurde stärker zentralisiert. Der dem Westen aufgeschlossene König stellte Hunderte von ausländischen Beratern ein, die helfen sollten, das Land zu modernisieren.

Die Änderungen betrafen alle Felder der Staatsverwaltung – von der Rechtssprechung, über die Geldwirtschaft bis hin zum Transportwesen.

Chulalongkorn
Chulalongkorn, Rama V. (Foto: Wikimedia Commons, Sodacan)

Rama V. heuerte europäische Architekten an, die beim Entwurf von westlichen Gebäuden für das Zentrum Bangkoks mitarbeiteten. Die thailändische Hauptstadt erhielt eine moderne Infrastruktur, wie beispielsweise Stahlbrücken.

Das eindrucksvollste Bauprojekt dieser Epoche wurde durch eine Europareise des Königs angeregt. In den abendländischen Metropolen besuchte er die prunkvollen Palastanlagen und beschloss etwas Ähnliches entwerfen zu lassen. Es entstand der Dusit-Bezirk: In einer großzügigen Parklandschaft wurden mehrere Paläste errichtet. Die vielleicht bekanntesten Gebäude sind die Ananta-Samakhom-Thronhalle, die im Barock-Stil erbaut wurde, und das Vimanmek Mansion, ein Palast, der komplett aus Teakholz besteht.

Vimanmek Mansion
Vimanmek Mansion. Das Gebäude wurde einige Jahre zuvor als Sommerresidenz auf Koh Sri Chang erbaut. Auf Wunsch des Königs wurde dort der Palast zerlegt, nach Bangkok transportiert und da wieder errichtet.

Die stärkere Zentralisierung und die damit verbundene Bedeutungszunahme von Bangkok sorgten für Unzufriedenheit in den Provinzen.

Bankgoks Bevölkerungszunahme

Jahr Bevölkerung Jährliches Wachstum in % Verhältnis Bangkok / Chiang Mai
1883 169.300 1,90 10:1
1913 365.492 2,60 12:1
1929/30 702.544 3,92 14:1
1937 890.453 3,44 15:1

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Thailand von mehreren Rebellionen erschüttert:

– Im Süden kam es im ehemaligen Sultanat Patani zu Aufständen.

– Im Norden, im Gebiet von Lan Na, kam es zu blutigen Unruhen, die als „Shan-Rebellion“ in die Geschichtsbücher eingingen.

– Im Nordosten, in der Isan-Region, die das thailändische Gebiet zwischen Kambodscha und Laos umfasst, begehrten vor allem die Laoten auf. Kettenbriefe und vermeintlich mit magischen Kräften ausgestattete Männer sammelten teilweise über 1000 Aufständische, um gegen die siamesische Herrschaft vorzugehen.

Die Revolten wurden schnell eingedämmt, flackerten aber in den nachfolgenden Jahren noch einmal auf, ohne allerdings eine allzu große Wirkung zu haben.

Literatur (mit Amazon-Affiliate-Links):

Hier geht es zu Teil 8: Bangkok, die Stadt der Engel
Teil 10: Kriege und Aufstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Singapurs Unabhängigkeit: das große Aufräumen (Geschichte Singapurs 3)

HawkerCenter
Ein Hawker-Center: Marine Parade Food Centre. (Foto: Wikimedia Commons, Terence)

Im 2. Weltkrieg wurde das unter britischer Herrschaft stehende Singapur von den Japaner besetzt. Nach deren Kapitulation folgte schnell eine Anbindung an Malaysia und schließlich die Unabhängigkeit im Jahre 1965.

Das unabhängige Singapur wurde als parlamentarische Demokratie gegründet. Doch unterscheidet sich diese wesentlich von der Demokratieidee im Westen. Es werden zwar regelmäßig freie Wahlen durchgeführt, doch das Volk ist bei der Staatsführung wenig involviert. Die Wurzeln dafür könnten in der kolonialen Zeit liegen: Die Bürger waren nicht gewohnt sich zu beteiligen und akzeptierten eine paternalistische, autoritäre Führung.

Die Stadt stand vor einer Reihe an Herausforderungen. Die alte Flusstransportindustrie war für die neuen Anforderungen der Hochseeschifffahrt nicht ausgelegt. Nach dem Weltkrieg wurden die alten Lager- und Weiterverarbeitungseinrichtungen am Flussufer wieder in Betrieb genommen. Doch die Probleme durch die Zunahme des Warenstroms waren nicht zu übersehen:

1948 wurde der Verkehr auf dem Fluss auf das Fünffache des Vorkriegsniveaus geschätzt. Um die Gütermenge abwickeln zu können,wurden immer größere Transportschiffe eingesetzt. Diese behinderten den Verkehr, da sie die richtigen Tiden abwarten mussten, um bestimmte Stellen, wie Brückenbauten, passieren zu können.

Die Regierung Singapurs war sich früh der Problematik bewusst und es wurden Komitees eingesetzt, die Änderungsvorschläge unterbreiten sollten. Denn nicht nur der Handel litt unter den schlechten Transportbedingungen, sondern auch die Umwelt durch die am Ufer angesiedelte Leichtindustrie. Der Fluss, das Herzstück der Stadt, wurde durch die starke Inanspruchnahme extrem verschmutzt.

Der Hauptgrund für die Verschmutzung war die Abfallentsorgung. Sowohl Privatleute als auch Unternehmer versenkten ihren Müll im Fluss oder in den angeschlossenen Kanälen. Die Hawker sahen in den Wasserläufen eine bequeme Entsorgungsmöglichkeit. Am Tagesende wurden alle Abfälle versenkt; ungeachtet ob es sich um pflanzliche oder tierische Reste handelte.

Ende der 1960er Jahre begannen die Gegenmaßnahmen. Die Flussregion sollte aufgewertet und zu „Singapore‘s Seine“ werden.

Dazu sollten die Industriebetriebe vom Ufer weggesiedelt werden. Es wurde mit den Kohlehändlern und Bootswerften begonnen, die neue Viertel zugewiesen bekamen. Die Menschen, die dort lebten, gehörten zum Großteil der ökonomisch schwächeren Klassen an und waren daher umso mehr um ihre Zukunft besorgt. Bei den ersten Umsiedelungen regte sich Widerstand.

Doch die Regierung blieb hart und Alan Choe, der Leiter des Urban Renewal Department, sprach klar aus, dass der Fluss seine alte Funktion verloren hat und nicht mehr für den Gütertransport von großen Seeschiffen passend sei.

Das Aufräum-Programm wurde langsam aber stetig weiter verfolgt. Ende der 1970er-Jahre ging das Umsiedel-Projekt in die letzte Phase. Es wurden pro Jahr ca. 30.000 neue Unterkünfte gebaut. Die Bewohner erhielten Kompensationszahlungen und konnten ohne Kaution neue Wohnungen erhalten. Um die Hygiene zu verbessern, wurde beinahe die komplette Stadt mit einer Kanalisation versehen.

Die Verschmutzungen der Hawker wurden ebenfalls eingedämmt. Einige von ihnen mussten ihr Gewerbe aufgeben, andere erhielten einen Platz in den neu geschaffenen „hawker centres“ zugewiesen, die teilweise direkt am Flussufer gelegen waren.

Nachdem die Transportindustrie vom Fluss vertrieben war, wurde zwischen 1982 und 1984 der Singapore River und seine Nebenflüsse gereinigt. Über 2250 Tonnen an Müll und Treibgut wurden entsorgt. 41.000 Tonnen kontaminierter Schlamm wurden entfernt und die Kai-Gegend dadurch von dem toxischen Geruch befreit.

Ein Großteil der Uferregion wurde umgestaltet. Der Norden blieb der Administration vorbehalten.

Historische Gebäude und weite, offene Flächen prägen die Landschaft. Der Fluss soll Einheimischen und Touristen zur Unterhaltung und Erholung dienen. In Ufernähe, wo einst die Industrie siedelte, finden sich Restaurants, Cafés und Shopping Malls, neben Residenzen, Hotelanlagen und Bürogebäuden.

Der Fluss ist Mittelpunkt für Feierlichkeiten und Veranstaltungen, beispielsweise der Singapur River Regatta.

Die Stadtverwaltung folgte der Idee des „Grünen Singapurs“. Ab 1963 wurden tausende von Bäumen angepflanzt. Die Pflanzen sollten nicht nur dem schönen Anblick dienen, sondern auch das Klima verbessern.

Ein großer Teil der Baustrukturen der modernen Stadt besteht aus Beton, der zwar äußerst praktisch, aber nicht immer ästhetisch ist. Im Rahmen des grünen Programms wurde auch hier Abhilfe geschaffen: viele Betonbauten, wie Brücken und Mauern, wurden begrünt. Häufig wurden dazu Schlingpflanzen eingesetzt.

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Hier geht’s zu Teil 2 der Geschichte Singapurs: Lebensbedingungen des Prekariats in Singapur im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts
Teil 4: Singapurs Wirtschaftswunder


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Liste der Rebellionen und Revolutionen in Thailand von 1932 bis 2017

1. Militärcoup 20.06.1933
2. Boworadet Rebellion 11.10.1933
3. Songsuradet Rebellion 29.01.1939
4. Militärcoup 08.11.1947
5. Militärcoup 01.10.1948
6. Grand Palace Coup 26.02.1949
7. Manhattan Coup 29.06.1951
8. Silent Coup 17.11.1971
9. Militärcoup 16.09.1957
10. Militärcoup 20.10.1958
11. Militärcoup 17.11.1971
12. Militärcoup 06.10.1976
13. Militärcoup 26.03.1977
14. Militärcoup 20.10.1977
15. Militärcoup 01.04.1981
16. Militärcoup 09.09.1985
17. Militärcoup 23.02.1991
18. Militärcoup 19.09.2006
19. Militärcoup 20.05.2014



U Thant – UNO-Generalsekretär aus Myanmar

U Thant
U Thant bei einer UN-Pressekonferenz (Foto: U Thant – Search for Peace)

Der weltweit bekannte Politiker U Thant wurde am 22. Januar 1909 geboren. Seine ersten politischen Erfahrungen sammelte er im antikolonialen Kampf – in der Thakin-Bewegung in den 1930er Jahren.

1957 wurde U Thant UN-Botschafter in New York. Vor allem zwei Themen bewegten ihn: der Kalte Krieg und die Entkolonialisierung in Afrika. Er fühlte sich mit den Afrikanern verbunden und konnte, aufgrund seiner Herkunft aus einer Kolonie, ihre Sorgen verstehen.

Als UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld in der Nacht vom 17. zum 18. September 1961 bei einem Flugzeugunglück starb, wurde U Thant zu seinem Nachfolger gewählt.

Er war ein unabhängiger Geist – stellte sich gegen Block-Denken und Großmachtstreben, aber auch gegen Separatismus. Pragmatismus und eine „unbirmanische Offenheit“ erleichterten seine politischen Verhandlungen.

Doch er musste auch Niederlagen hinnehmen: den Einmarsch der Sowjetunion in die Tschechoslowakei und die Kampfhandlungen der USA in Vietnam konnte er nicht verhindern, prangerte sie aber öffentlich an.

1966 wurde U Thant als Generalsekretär wiedergewählt. Nach dem Ende seiner Amtszeit 1971 blieb er in New York. In seine Heimat wollte er nicht zurückkehren, da ihn mit Ne Win eine gegenseitige Ablehnung verband.

U Thant verstarb am 25. November 1974. Der Tod sorgte für eine Kontroverse in der Heimat. Ne Win stellte sich gegen ein Staatsbegräbnis. Dennoch wurde U Thant von großen Menschenmengen geehrt. Studenten nutzen die Beerdigung um gegen die Regierung zu demonstrieren.