Popmusik aus Kambodscha

Im Artikel über Ros Sereysothea hatte ich die amerikanischen Einflüsse auf die Popmusik Kambodschas in den 1960er Jahren erwähnt. In der heutigen Zeit gibt es auch einen kulturellen Transfer in die andere Richtung. Es haben sich einige westlich-kambodschanische Bands gegründet, die in Amerika und Europa erfolgreich sind.

Die vielleicht bekannteste Band dieser Art ist “Dengue Fever” aus Los Angeles. Neben Cover-Songs aus der Zeit vor den Roten Khmer komponierten sie in den letzten 15 Jahren auch eine Vielzahl an eigenen Liedern. Zwischendurch schafften sie es immer mal wieder in Film und TV, aktuell z.B. beim Bwin-Werbespot oder als Track in der Fernsehserie “Weeds” und im Film “Hangover II”.

Die australisch-asiatische Band “Cambodian Space Project” bietet einen ähnlichen Mix:

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Die fünf Länder des Theravada-Buddhismus

Buddha-Figuren in Laos

Der Theravada-Buddhismus ist die älteste noch existierende Strömung des Buddhismus. In den fünf Ländern Sri Lanka, Thailand, Myanmar (Birma), Kambodscha und Laos wird er hauptsächlich praktiziert. Der Überlieferung nach machten diese Länder über Missionare des indischen Kaisers Ashoka, der im 3. Jahrhundert vor der Zeitenwende lebte, Bekanntschaft mit dem Buddhismus.

Die Theravada-Schule kam über die Kleinstaaten der Mon und Pyu nach Südostasien. Über den Austausch mit Sri Lanka festigte sich die Glaubensrichtung und setzte sich in ganz Birma durch. Die benachbarten Thais nahmen die Konfession ebenfalls an und brachten sie, nachdem sie Angkor den Rang abgelaufen hatten, in den östlichen Teil Südostasien. Ab dem 14. Jahrhundert kann man den Einfluss des Theravada-Buddhismus in Kambodscha erkennen.

Nach Abzug der europäischen Kolonialmächte wurde die Region auch religiös neu geordnet. In Thailand, das nie kolonialisiert wurde, blieb die alte Bande zwischen Staat und Religion erhalten. Doch in Kambodscha und Laos, die von sozialistischen Unabhängigkeitsbewegungen und Militärdiktaturen beherrscht wurden, trennte man den Glauben vom Staat ab.

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Ros Sereysothea – das tragische Leben eines kambodschanischen Musikstars

Der Vietnam-Krieg führte viele amerikanische Soldaten nach Südostasien. Ende der 1960er-Jahre betrug ihre Truppenstärke mehr als 500.000 Mann. Mit ihnen kam die amerikanische Infrastruktur und Lebensweise in die Region. Die Radiosender der US-Armee spielten die Hits ihrer Zeit und wurden nicht nur von Soldaten, sondern auch von der einheimischen Bevölkerung gehört. So gelangte der Rock’n’Roll nach Kambodscha. Einheimische Musiker mischten die neuen Einflüsse mit der klassischen Musik und heraus kam eine eigenwillige, unverkennbare Mischung.

Eine der größten Stars dieser Epoche wurde Ros Sereysothea, die als Ros Sothea 1948 im kleinen Dorf Battambong geboren wurde. Sie wuchs in einer armen Familie auf, die es sich nicht leisten konnte, sie zur Schule zu schicken. Der Legende nach verkaufte sie in jungen Jahren gekochte Schnecken auf der Straße und erhielt dadurch den Spitznamen “Boiled Snail Girl”.

In ihrer Teenager-Zeit begann sie und ihre Familie mit regelmäßigen musikalischen Auftritten Geld zu verdienen. Der gute Ruf der Band lockte schnell Publikum von weit her an. Der ursprüngliche Name der Gruppe ist verloren gegangen, da die Zuschauer sie einfach nach ihren beiden Sängern “Serey Sothea” nannten.

Die Musik-Industrie war zu dieser Zeit eine Boom-Branche in Kambodscha und erfolgreiche Musiker wurden zu landesweiten Stars. Ros Sothea und ihre Bruder Serey wollten die Chance nutzen und gingen in die Hauptstadt Phnom Penh. Sie brauchten nicht lange warten: in der ersten Nacht wurden sie von einem Club fest angestellt.

Sothea konnte das Publikum fesseln und schnell wurden die Plattenbosse auf sie aufmerksam. Ihre Stimme war perfekt für die Mischung aus westlichen Rock und traditioneller Khmer-Musik. Sie erhielt einen Vertrag und produzierte mit “Stung Khieu” 1967 ihren ersten Hit. In den 60er und 70er Jahren folgten viele erfolgreiche Alben und sie spielte in einigen Filmen mit. König Norodom Sihanouk gab ihr den Titel “Preah Rheich Teany Somlang Meas” (die goldene Stimme der königlichen Hauptstadt).

Sie arbeitete mit einer weiteren Pop-Größe der Zeit,  Sinn Sisamouth, dem kambodschanischen Elvis, zusammen und prägte mit ihm eine neue Stilrichtung, die “Psychedelic Rock” oder “Garage Rock” genannt wurde. Ein Markenzeichen ist der Widerspruch zwischen Text und Musik. Gerne wird ausgelassene und fröhliche Musik mit Geschichten über Herzschmerz und traurigen Schicksalen vermengt.

So gut auch die Karriere von Sothea lief, mit ihren Privatleben war sie nicht glücklich. Sie konnte als hübsche Frau mit einer tollen Stimme zwar einfach Männer kennen lernen, allerdings verhielten sich diese oft wenig respektvoll. Als Sängerin verkaufte sie ihre Stimme als ein öffentliches Gut und damit verringerte sich in den Augen vieler Menschen ihr Ansehen.

In den späten 60er Jahren war sie mit dem Sänger Suos Mat verheiratet. Die Ehe hielt aber nur einige Jahre, wahrscheinlich auch deswegen, weil er sie wild geschlagen haben soll.

Ihre glücklichste Liebschaft war mit einem Fallschirmspringer der Armee. Sie folgte seinem Vorbild, trat in die Armee ein und machte ebenfalls ein paar Sprünge mit dem Fallschirm.

1975 wurde zu einem schwarzen Jahr. Sotheas Freund wurde bei einem Kampfeinsatz getötet und die Roten Khmer übernahmen die Macht. Die neuen Machthaber scheuchten alle Menschen aus den Städten in ländliche Arbeitslager. Sothea versuchte in der kulturfeindlichen Epoche unerkannt zu bleiben. Doch lange konnte sie sich nicht verbergen. Nachdem sie entdeckt wurde, musste sie neben der Landarbeit den Roten Khmer zu Diensten sein und Lieder zu ihren Ehren singen.

1977 wurde verfügt, dass sie einen Assistenten von Pol Pot heiraten musste. Auch diese Ehe blieb unglücklich, denn der Ehemann neigte zur Eifersucht und schlug sie. 

Nur kurze Zeit später verschwand Sothea. Im Arbeitslager wurde vermutet, dass die schlechte Beziehung zu ihrem Mann der Grund dahinter sein könnte. Gerüchten zu folge wurde sie auf einem Karren gesehen, der sie mit anderen Leuten zusammen in eine neue Stadt bringen sollte. Allerdings mag das nur ein Euphemismus dafür gewesen sein, Menschen zu beseitigen.

Sotheas Schwester, die die düstere Epoche überlebte, wurde zugetragen, dass die Sängerin unterernährt in ein Krankenhaus in Phom Penh eingeliefert wurde und dort kurz vor dem Einmarsch der vietnamesischen Truppen verstarb.

 


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Mouhot in Angkor

Ta Phrom
Die Tempelanlage Ta Prohm in Angkor besitzt einen besonderen Charme. Während bei den anderen Haupttempeln die Natur zurechtgestutzt wurde, kann man hier erleben, wie der Urwald sich seinen Lebensraum zurückholte. Dicke Wurzeln überwuchern die Gemäuer und Bäume wachsen kreuz und quer. Es entsteht der Eindruck, die Anlage wäre frisch entdeckt!

Ab dem 13. Jahrhundert befand sich das Reich der Khmer in einem langwierigem Niedergang. Damit geriet auch die alte Metropole Angkor, die in ihrer Hochphase eine der größten Städte der Welt war, aus dem Fokus.

Die vermeintliche Wiederentdeckung der Ruinen von Angkor im 19. Jahrhundert wurde dem Franzosen Mouhot zugeschrieben. Allerdings entspricht das nicht den Gegebenheiten und auch er selbst hat dies nie für sich in Anspruch genommen. 

1858 segelte der 31-jährige Franzose Mouhot von London nach Bangkok, um von dort aus einige Expeditionen in das Landesinnere zu starten. Er bereiste Thailand, Kambodscha und Laos. Auf seiner Route lagen archäologische Stätten, wie Ayutthaya und eben die Ruinen von Angkor.

Die Vorstellung, dass seine Expeditionstruppe sich den Weg in die alte Khmer-Metropole mit Macheten frei  schlagen musste, ist aber falsch. Die Stadt war nicht verschollen. Als er 1860 die Ruinen betrat, war er noch nicht einmal der erste Europäer, der die Anlage besichtigen konnte. Aber es waren seine überschwänglichen Beschreibungen dieser historischen Stätte, die in Europa das Interesse an Angkor erweckten. Den Erfolg seiner Schriften konnte Mouhot nicht mehr erleben, denn er starb 1861 in Laos an Fieber. Seine Reiseaufzeichnungen wurden erst posthum in Europa veröffentlicht.

Das Reisejournal lässt sich kostenlos in englischer Sprache hier finden.

 


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Wat Phnom Daun Penh

Wat Phnom Daun Penh in Phnom Penh.
Wat Phnom Daun Penh in Phnom Penh.

Kambodscha bietet Kulturtouristen eine Reihe von Sehenswürdigkeiten; so manche davon finden sich in der Hauptstadt Phnom Penh. Der Name der Stadt leitet sich vom Khmer-Wort für Hügel „phnom“ und dem Namen einer Frau Penh her.

Frau Penh war eine reiche Witwe, die der Legende nach 1372 einen großen Fund machte und in einem Baumstamm vier bronzene Buddha-Statuen aufspürte. Zum Schutz dieser Heiligtümer wurde ein Hügel aufgeschüttet und darauf ein Schrein errichtet. Die Anwohner nannten den Hügel nach der Stifterin. Einige Jahre später wurde dieser Name auf die gesamte Ansiedlung ausgeweitet und bis heute beibehalten.

Nachdem die Thais Angkor erobert hatten, verlegten die Khmer ihren Königshof nach Phnom Penh. Der Tempel auf dem Hügel wurde damit auch unter königliche Obhut gestellt. Als der erste König Ponheo Yat verstarb, wurde seine Urne in einer Stupa auf dem Hügel beigesetzt.

Der heutige Besucher wird von der ursprünglichen Tempelanlage kaum noch etwas vorfinden. Dennoch bietet der Ort viel Interessantes zur Geschichte Kambodscha. Auf dem Weg zur Pagode wacht eine siebenköpfige Naga, eine Schlange aus der indischen Mythologie. In Südostasien werden diese Wesen als Beschützer geachtet und finden sich daher öfter in Tempelanlagen.
Hinter der Naga befindet sich eine große Uhr und ein Denkmal des Königs Sisowath. Das Monument soll an die Übergabe der drei von Thailand besetzten Provinzen Kambodschas im Jahre 1907 erinnern. Eine der zurückerhaltenen Provinzen war Siem Reap, die Region um Angkor.

Im Innenraum des Tempels finden sich buddhistische Wandmalereien, die sich zum Großteil auf die Vessantara Jataka beziehen. Jataka sind moralische Lehrgeschichten und sind in großer Vielzahl überliefert worden. In dieser speziellen Erzählung berichtet Buddha von einem seiner früheren Leben.

 


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