Die fünf Länder des Theravada-Buddhismus

Buddha-Figuren in Laos

Der Theravada-Buddhismus ist die älteste noch existierende Strömung des Buddhismus. In den fünf Ländern Sri Lanka, Thailand, Myanmar (Birma), Kambodscha und Laos wird er hauptsächlich praktiziert. Der Überlieferung nach machten diese Länder über Missionare des indischen Kaisers Ashoka, der im 3. Jahrhundert vor der Zeitenwende lebte, Bekanntschaft mit dem Buddhismus.

Die Theravada-Schule kam über die Kleinstaaten der Mon und Pyu nach Südostasien. Über den Austausch mit Sri Lanka festigte sich die Glaubensrichtung und setzte sich in ganz Birma durch. Die benachbarten Thais nahmen die Konfession ebenfalls an und brachten sie, nachdem sie Angkor den Rang abgelaufen hatten, in den östlichen Teil Südostasien. Ab dem 14. Jahrhundert kann man den Einfluss des Theravada-Buddhismus in Kambodscha erkennen.

Nach Abzug der europäischen Kolonialmächte wurde die Region auch religiös neu geordnet. In Thailand, das nie kolonialisiert wurde, blieb die alte Bande zwischen Staat und Religion erhalten. Doch in Kambodscha und Laos, die von sozialistischen Unabhängigkeitsbewegungen und Militärdiktaturen beherrscht wurden, trennte man den Glauben vom Staat ab.

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“Hinduismus” – ein junger Begriff für viele, alte Glaubensrichtungen

Hindutempel in Kuala Lumpur

Erst in der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert wurde der Begriff “Hinduismus” geprägt. Die englische East India Company, die in Bengalen tätig war, fasste unter Hinduismus die Religionen der Inder zusammen. Vielleicht bemerkten die Europäer gar nicht, dass es viele verschiedene Glaubensrichtungen im Land gab. Dazu mag beigetragen haben, dass die Anhänger der verschiedenen Sekten friedlich miteinander lebten, was zu dieser Zeit in Europa schwer vorstellbar war.

Das Wort “Hindu”, von dem das Wort “Hinduismus” abgeleitet ist, könnte ebenfalls an der “falschen” Kategorisierung mitschuldig sein. Es stammt nicht aus Indien, sondern ist persischen Ursprungs. Im Singular bezeichnet “Hindu” den Fluss Indus (der im altindischen Sanskrit “Sindhu-” heißt), im Plural bedeutet es sinngemäß “die Leute, die am Indus leben”. Die Muslime, die ab dem Jahre 711 Teile des Subkontinents eroberten, unterschieden ihre Bevölkerung nach Muslimen und Hindus. Unter Hindus wurde aber nicht eine Religion verstanden, sondern pauschal alle Nicht-Muslime, da die Unterscheidung beispielsweise für die Steuergesetzgebung wichtig war.

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Religiöse Toleranz in Indonesien

Meuseujid Raya Bayturrahman
Meuseujid Raya Bayturrahman (Foto: Si Gam Acèh)

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Der Islam erhielt hier, anders als in Nordafrika, nicht durch Eroberer, sondern durch Kaufleute Einzug.

In gewisser Hinsicht ist Indonesien ein religiös tolerantes Land: Muslime, Christen, Hindus und Anhänger kleinerer Glaubensgemeinschaften leben hier friedlich nebeneinander. Die wichtigsten Feste der verschiedenen Religionen gelten als nationale Feiertage.

Jeder Einwohner kann seinen Glauben frei wählen, allerdings sind nur der Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und der Glaube der Bahai offiziell anerkannt. Die Pancasila in der indonesischen Verfasssung legen fest, dass nur monotheistische Religionen akzeptiert werden. Die balinesischen Hinduisten, die eigentlich über eine Vielzahl an Göttern verfügen, erreichten dies, indem sie auf ihr oberstes göttliches Prinzip, dem Sanghyang Widhi Wasa verwiesen, in der alle Götter, Ahnen und Naturkräfte zu einer göttlichen Ordnung vereint werden.

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Problematisch ist für Anhänger nicht anerkannter Religionen und für Atheisten der Umgang mit den Behörden. Offizielle Dokumente, wie Personalausweise und Familienbuch erfordern die Zugehörigkeit zu einer der akzeptierten Glaubensrichtungen. Mit dem Einwohnermeldegesetz von 2006 ist es zwar erlaubt, die Religionszugehörigkeit nicht auszufüllen, aber in der Praxis weigern sich viele staatliche Beamte solche Dokumente auszustellen. Der Vorschlag des Innenministers Tjahjo Kumolo auf die Religionszeile zu verzichten, erntete Empörung aus den verschiedensten Lagern. Immerhin wurde beim elektronischen Personalausweis im Jahre 2013 die Kategorie “sonstige Religion” eingeführt.

Für Atheisten besteht wenig Verständnis. Wer seinen Nicht-Glauben öffentlich macht, dem droht Ächtung und im schlimmsten Fall sogar staatliche Verfolgung. Ein Blogger aus Sumatra veröffentlichte 2012 auf Facebook ein atheistisches Posting und wurde daraufhin wegen Anstiftung zum religiösen Hass zu 2 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Je nach Region wird der Islam unterschiedlich streng ausgelegt. Im Jahre 2013 verzeichnete die Nationale Kommission für Frauenrechte 342 von der Scharia “inspirierte” lokale und regionale Verordnungen. Dahinter stehen Richtlinien zum intensiven Koran-Unterricht für Schulkinder, Kleidungsvorschriften für Frauen und Strafen bei vorehelichen Sex, Alkoholmissbrauch und Glücksspiel.

In der Provinz Aceh im westlichen Sumatra, ist der Islam schon seit dem 13. Jahrhundert gefestigt und wird noch heute besonders strikt befolgt. Die Region nimmt eine Sonderstellung ein. Die Bewegung Unabhängiges Aceh kämpfte 30 Jahre lang gegen die indonesische Zentralregierung. Da Friedensabkommen scheiterten und auch militärisch nicht viel zu erreichen war, wurde der teilautonomen Provinz zugestanden, die Scharia offiziell einzuführen. Die Folge sind drakonische Strafen. Auf Glücksspiel oder Homosexualität droht das öffentliche Auspeitschen mit Rattanstöcken. 

Die Entwicklung der religiösen Toleranz in Indonesien ist nicht genau vorhersehbar. Noch sind viele Gläubige von den Hardlinern in Aceh weit entfernt. Allerdings konnte das Setara-Institut für Demokratie und Frieden einen Anstieg der religiösen Intoleranz verzeichnen. Von 2007 bis 2013 hat sich die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf religiöse Minderheiten von 91 auf 222 mehr als verdoppelt. In 117 Fällen waren staatliche Stellen involviert.

Im Oktober 2014 wurde Lukman Hakim Saifuddin zum Minister für religiöse Angelegenheiten. Es bleibt zu hoffen, dass der als moderat geltende Minister die Intoleranz zurück drängen kann.

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Welche Buddha-Figur gehört zu welchem Wochentag?

In den Tempeln finden sich häufig acht verschiedene Buddha-Statuen nebeneinander. Diese Figuren symbolisieren die Wochentage; der Mittwoch tritt doppelt auf – morgens und abends. Die Darstellungen sind unterschiedlich und verweisen auf Taten des Buddha, die an verschiedenen Tagen stattgefunden haben. Über den Tag seiner Geburt ist ein gläubiger Buddhist mit einer dieser Statuen verbunden.

Wochentag Darstellung Bedeutung Bild
Sonntag Stehend, die Arme hängen, die rechte Hand ist über der linken. Erinnert an den gerade erleuchteten Buddha.
Montag Rechts die Abhaya Mudra, der linke Arm hängt herunter.  Friedensstiftung. Verweist auf die Hilfe für die Stadt Vesali.
Dienstag Liegender Buddha.  Buddha lehrte dem Riesen Asurindarahu, dass seine Größe relativ ist. 
Mittwoch morgens  Buddha hält eine Almosenschale.  Buddha ging morgens Almosen sammeln, nachdem er seinen Vater bekehrt hatte. 
Mittwoch abends  Buddha mit Elefant und Affe.  Buddha war von den Streitigkeiten der Mönche von Kosambi ermüdet und ging in den Wald, wo sich die Tiere um ihn kümmerten. 
Donnerstag Dhyana Mudra.  Siddhartha saß auf dem Gras und stand nicht auf, bis er erleuchtet wurde. 
Freitag Gekreuzte Hände auf Brusthöhe.  Buddha überlegt, wie er seine Erleuchtung teilen kann. 
Samstag Dhyana Mudra, mit Naga.  Buddha wird vom Naga-König beschützt.

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Mudras und ihre Bedeutung

Die Handhaltung (Mudra) des Buddha ist entscheidend für die Bedeutung des Standbildes. Es gibt einige besonders häufig auftretende Gesten.

Bhumisparsa Mudra – Aufruf der Erde zum Zeugen: Die rechte Hand weist nach unten, die linke liegt auf dem Schoss. Der Dämon Mara versuchte Siddhartha kurz vor seiner Erleuchtung vom rechten Pfad abzubringen. Er setzte dazu u.a. seine Töchter ein, die ihn verführen sollten. Doch Buddha blieb standhaft und rief um dies zu Bezeugen die Erdgöttin Thorani mit der Berührung des Bodens. Thorani wrang Wasser aus ihren Haaren und Mara und seine Dämonen ertranken. Wahrscheinlich ist das die häufigste Geste in den thailändischen Tempeln.

Bhumisparsa Mudra
Bhumisparsa Mudra (Tiger Cave Tempel bei Krabi)

Dhyana Mudra  (auch: Samadhi Mudra): Beide Hände sind mit den Handflächen nach oben auf den Schoss gelegt. Diese Geste weist auf Meditation hin. Meistens wird die Figur im halben Lotussitz dargestellt.

Dhyana Mudra
Dhyana Mudra (Golden Mount Temple in Bangkok)

Abhaya Mudra: Die Hand wird mit allen Fingern nach oben dargestellt. Diese Geste symbolisiert Furchtlosigkeit. Sie kann sowohl mit beiden Händen als auch mit einer ausgeführt werden. Bei der einhändigen Ausführung kann mit der zweiten Hand eine andere Mudra angezeigt werden. Die Figuren werden stehend oder gehend dargestellt.

Abhaya Mudra
Abhaya Mudra (Marmor-Tempel Bangkok)

Vitarka Mudra: Die Hand ist nahe an der Brust und mit Daumen und Zeigefinger wird ein Kreis gebildet. Dieses Zeichen steht für Unterweisung und wird bei sitzenden und stehenden Statuen verwendet.

Vitarka Mudra
Vitarka Mudra (Phra Pathom. Wikimedia Commons, Heinrich Damm)

Bei der Dharmachakra Mudra wird mit beiden Händen ein ähnlicher Kreis geformt. Diese Geste steht für das in-Bewegung-Setzen des Dharmachakra und verweist auf die erste Predigt des Buddha.

Varada Mudra
Varada Mudra (Wat Pho, Bangkok. Wikimedia Commons, Heinrich Damm)

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Körperhaltungen der Buddha-Figuren in Thailand

Tiger Cave Temple
Buddha-Figuren im halben Lotussitz im Tiger Cave Temple bei Krabi.

Die Bedeutung der Figuren richtet sich nach Körperhaltung und Gestik. Die vier möglichen Haltungen sind stehend, sitzend, gehend, liegend.

Die sitzende Haltung wird in drei Varianten ausgeführt. Im halben Lotussitz ist das rechte Bein über das linke gelegt, die Fußflächen zeigen nach oben. Diese Darstellung wird auch Heldenpose genannt. Ab und zu wird Buddha im vollen Lotussitz dargestellt, bei dem beide Füße auf dem jeweils anderen Bein gelegt werden. Diese Stellung ist in Thailand eher ungewohnt und weist auf indische Einflüsse hin. Als dritte Variation wird Buddha auf einem Stuhl sitzend dargestellt.

Fußsohlen
Die Fußsohlen des liegenden Buddha. (Foto: Wikimedia Commons, Rdsmith4)

Die liegenden Statuen bieten eine Besonderheit: Unter den Fußsohlen finden sich oft Glückssymbole. In der Mitte kann das Dharmachakra auftauchen, das an den Achtfachen Pfad erinnert.

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Epochen der buddhistischen Kunst in Thailand

In den Tempeln Thailands ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Buddha-Statuen zu sehen. Sie lassen sich nach Kunstepoche und Körperhaltung unterscheiden.

Grob unterteilt gibt es sechs Epochen in der thailändischen Kunst. Allerdings ist die Unterscheidung der Stile, ähnlich wie in der europäischen Kunst, nicht einfach. Die Übergänge sind fließend und die Einflüsse innerhalb eines Abschnitts wechselhaft. Die Künstler stehen zwar in der Tradition ihrer Zeit, doch wollen sie ein Werk schaffen und nicht mit aller Macht den kunsthistorischen Einteilungen gerecht werden.

Die Kunstepochen
7. – 11. Jahrhundert Dvaravati-Stil
11. – 13. Jahrhundert Khmer- und Lopburi-Stil
13. – 15. Jahrhundert Sukhothai-Stil
11 – 18. Jahrhundert Lan Na-Stil
12. – 15. Jahrhundert U-Thòng-Stil
ab dem 14. Jahrhundert Ayutthaya-Stil und Rattanakosin-Stil

 

Buddha-Kopf der Dvaravati-Periode
Buddha-Kopf der Dvaravati-Periode. (Foto: Wikimedia Commons, Walters Art Museum)

Die Dvaravati-Kunst (7. – 11. Jahrhundert) ist indisch geprägt. Erst im Verlaufe der Zeit erhielt sie eine stärkere lokale Färbung. In der späten Phase kamen Einflüsse aus dem aufstrebenden Khmer-Reich hinzu.

Typisch für Buddha-Darstellungen dieser Epoche ist ein natürliches Gesicht, mit niedergeschlagenen Augen und einem lächelnden Mund.

 

Khmer-Buddha aus dem 12. Jahrhundert
Khmer-Buddha aus
dem 12. Jahrhundert.(Foto: Wikimedia Commons, Sailko)

Lopburi war zeitweise Provinzhauptstadt der Khmer und übernahm daher dessen künstlerische Darstellungen in der Zeit vom 11. – 13. Jahrhundert.

Figuren aus dieser Zeit tragen oft ein Diadem auf dem Kopf. Die Lippen sind dick, der Mund lächelnd. Auffällig sind die lang gezogenen Ohrläppchen.

Manchmal wird die Skulptur auf einem Podest in Lotus-Form dargestellt, mit königlichen Ornamenten geschmückt und von Nagas bewacht.

Buddha im Wat Mahathat in Sukhothai.
Buddha im Wat Mahathat in Sukhothai. (Foto: Wikimedia Commons, Wasanamak)

Der Sukhothai-Stil (13. – 15. Jahrhundert) nimmt Traditionen aus Sri Lanka auf. In dieser Zeit bestand enger Kontakt zwischen dem siamesischen Reich und der südöstlich vor Indien gelegenen Insel.

Die Figuren dieser Phase zeichnet ein idealisiertes Menschenbild aus. Sie besitzen zumeist ovale Gesichter. Das Kopfhaar wird fein und gleichmäßig gekraust gestaltet. Die Augenbrauen schlagen hohe, runde Kurven. Der Blick ist nach unten gerichtet. Die Brust ist breit, die Taille schmal. In dieser Periode wurde Buddha in allen vier Grundhaltungen gezeigt: Stehend, gehend, sitzend, liegend. Bei einigen Skulpturen wird um den Kopf der Figur eine Flamme dargestellt.

Der Lan Na- oder Chiang Saen-Stil (11 – 18. Jahrhundert) nahm Einflüsse von den Khmer, Sukhothai, Indien, Myanmar und Sri Lanka auf.

Buddhafiguren in Chiang Mai
Buddhafiguren in Chiang Mai

Buddha wurde in Lan Na oft mit einer speziellen Haartracht dargestellt. Das Haar läuft auf dem Kopf in Form einer Lotusknospe oder einer Kreuzblume zusammen. In späteren Zeiten auch in Flammenform.

Das Gesicht ist füllig. Obwohl der Körper meistens massiger ist, bleibt die Hüfte schlank.

Buddha im U-Thòng-Stil.
Buddha im U-Thòng-Stil.

 

Der U-Thòng-Stil (12. – 15. Jahrhundert) gewann durch den abnehmenden Einfluss der Khmer an Bedeutung.

Typisch für die Darstellungen in diesem Stil sind sehr feine, gekräuselte Haare und ein Haarband. In frühen Zeiten sind die Haare in Lotusknospenform geflochten, später auch in Flammenform. Die Köpfe sind leicht quadratisch mit Khmer- und Mon-Charakteristika.

Buddha-Figur im Wat Phra Men
Buddha-Figur im Wat Phra Men in Ayutthaya.(Foto: Wikimedia Commons, Lux2545)

 

Der Ayutthaya-Stil (ab dem 14. Jahrhundert) vereint unterschiedlichere Statuentypen als die vorhergegangenen Epochen.

Anfangs waren unter dem Einfluss von U Thòng die Gesichter quadratisch und die Haare mit einem Band versehen. Später wurden mehr Elemente des Sukhothai-Stils übernommen. Die Gesichtsausdrücke wurden mit der Zeit strenger, das Lächeln verschwand in einigen Fällen völlig. Die Augen wurden detailliert herausgearbeitet. Die Figuren sind teilweise mit vielen Ornamenten verziert. Einige tragen ein Diadem oder eine Krone auf dem Kopf.

Der Rattanakosin-Stil der Bangkok-Zeit führt in erster Linie die Traditionen aus Ayutthaya weiter.

 

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Religion in Myanmar

Mönch
Mönch mit Handy an der Shwezigon-Pagode in Nyaung-U (Foto: O. Aldirmaz)

In der frühen Periode Myanmars herrschte der Animismus vor (von lat. „anima“ – „Seele“, „Geist“, „Atem“). Unter diesem Sammelbegriff fallen Glaubenssysteme, die Geister oder „beseelte Dinge“ in den Mittelpunkt stellen. Viele animistische Religionen verfügen über drei unterschiedliche Arten von Geistern: Geister des Ahnen, Geister eines Ortes und Geister einer Naturerscheinung. Alle drei Formen finden sich auch in Myanmar.

Die Mon, als früheste Hochkultur des Landes, kam schon im 3. Jahrhundert v. u. Z. mit dem Theravada-Buddhismus in Kontakt. Diese Linie des Buddhismus ist besonders traditionell und sieht jeden Menschen selbst in der Eigenverantwortung, die Erlösung zu suchen und zu finden.

Ab dem 9. Jahrhundert wurden die Bamar in Myanmar zur führenden Macht. Auf ihre Wanderung durch verschiedene Regionen Chinas kamen sie mit den Mahayana-Buddhismus in Kontakt. Diese Glaubenslinie unterscheidet sich vom Theravada-Buddhismus dadurch, dass andere Menschen Hilfestellung bei der Suche nach Erlösung leisten können. In Myanmar übernahmen die Bamar die Religion der Mon, behielten aber einige Gebräuche des Mahayana-Buddhismus bei.

Der altüberlieferte Animismus überstand den Kontakt mit der Weltreligion – Geisterglaube und Buddhismus mischten sich. Noch heute nimmt der Animismus eine wichtige Stellung in der Gesellschaft ein. Die Geister werden „Nat“ (myanm. „Herr“) genannt und regeln in erster Linie den Alltag.

Nat-Figuren in Taunggyi.
Nat-Figuren in Taunggyi. (Foto: Wikimedia Commons, Hintha)

Es gibt zwei Arten von Nats: Die „kleineren“ Naturgeister und die wichtigeren „37 Nats“. Die Zahl 37 ist hier nicht wörtlich zu nehmen – im Verlaufe der Geschichte gab es über Hundert dieser Geister. Sie sollen historische Persönlichkeiten gewesen sein, die oftmals gewaltsam zu Tode kamen. Die Biografie der einzelnen Wesen, fließt bei den Kulten ein. So wird bei der Ehrung des lebendig verbrannten Mahagiri-Nat auf alles verzichtet, was an Feuer erinnern könnte. Im Zusammenhang mit den muslimischen Nats, die Taungbyon-Brüder, wird auf Schweinefleisch verzichtet.

Die Geister sind amoralisch. Doch sie können hilfreich sein und Haus und Dorf schützen. Sogar bei Prüfungen oder auf der Arbeit können sie eingreifen. Um den Nat wohlgesonnen zu halten, werden Opfergaben bereitet, die die unterschiedlichsten Formen annehmen können: Reis, Obst, Gemüse, Wasser, Figuren und Spielzeug sind dazu geeignet. Schwere Krankheiten und Katastrophen verlangen ausgeklügelte Rituale.

Den Nat zu Ehren werden Feste abgehalten, die nach Region und Geist unterschiedlich gestaltet werden. Bei einigen Feiern werden Trance-Tänze aufgeführt. Die Tänzerinnen versuchen sich in den Nat hineinzuversetzen und seine Lebensgeschichte nachzuvollziehen; teilweise scheinen sie sogar vom Geist besessen zu sein.

Die Vollmondnacht im Dezember ist ein besonders beliebter Zeitpunkt zum Feiern. An vielen Orten werden dann Feste abgehalten.

Der Buddhismus spielt im Alltag ebenfalls eine große Rolle. Viele Gläubige leben für einige Monate als Mönch oder Nonne im Kloster, um ihren Glauben zu vertiefen. Dieser Brauch hat einen positiven Effekt: Kloster sind ein Hort des Wissens und können so tief in die Bevölkerung hinein wirken. Myanmar hat daher für ein armes Land eine hohe Alphabetisierungsrate von über 80 Prozent.

Wer sein ganzes Leben dem Buddhismus widmen möchte, entscheidet sich zumeist zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr für diesen Weg. Dem ersten Tag des Novizen kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Familie lädt zu Feierlichkeiten ein und veranstaltet eine Prozession durch die Gemeinde.

Dann ist der Zeitpunkt des Novizen gekommen, seine weltlichen Gewänder ab- und die Mönchsrobe anzulegen. Sein Kopf wird gescherrt und mit Safran eingerieben. Er erhält die wenigen Gegenstände, die ein Mönch besitzen darf: Almosenschale, Matte, Schirm, Fächer, Rasiermesser, Nadel, Faden und ein Sieb zum Wasserfiltern. In einer Gruppe mit anderen Novizen tritt der junge Mönchsanwärter den Gang zum Kloster an.

Das Klosterleben ist klar strukturiert: Am Morgen soll für Nahrung gesorgt werden, der Nachmittag wird für Textstudium und Meditation genutzt.

Buddhistische Mönche leben im Zölibat und müssen strenge Regeln im Umgang mit Frauen beachten. Eine Berührung ist streng verboten, daher soll ein Abstand von 2 Schritten eingehalten werden.

Im Buddhismus gibt es auch Nonnen. Es heißt, dass Buddha zunächst skeptisch dieser Idee gegenüber stand, sich aber dann von seinem Lieblingsschüler Ananda dazu überreden ließ, Frauen-Orden anzuerkennen.

Literatur:

Ludwig, Klemens: Birma.  München, 200

Topich, William J.; Leitlich, Keith A.: The History of Myanmar. Santa Barbara, 2013.

Sarkisyanz, Manuel: Die Kulturen Kontinental-Südostasiens. Kempten, 1979.

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Tempel in Thailand

Tiger Cave Temple, Krabi
Tiger Cave Temple, Krabi

Schätzungsweise 27.000 Wat (Tempel- oder Klosterkomplexe) existieren in Thailand. Ein Wat gilt traditionell als Gemeindezentrum. In kleinen Dörfern ist es der kulturelle Mittelpunkt, Städte können eine Vielzahl von solchen Anlagen besitzen. Da es keine verbindliche Bauordnung gibt, unterscheidet sich der Aufbau der Anlagen; doch einige Elemente finden sich fast überall.

Das größte und wichtigste Gebäude wird Viharn genannt. Dort befindet sich eine Buddha-Statue und davor genügend Raum zum Beten. Vor dem Buddha werden Gaben abgelegt. Oftmals zeigen die Wandmalereien Stationen aus dem Leben des Religionsstifters.
In der Nähe des Viharn befindet sich oft ein Chedi, ein kegelförmiger Bau, der entweder weiß oder golden gestrichen ist. In ihm können Reliquien oder die sterblichen Reste einer religiösen Persönlichkeit enthalten sein.
Der Bot dient als Versammlungshalle. Hier legen u. a. die Novizen ihr Gelübde ab. Es ist durch acht schwarze Steine markiert, die Grenzsteine symbolisieren; das Gebäude darf nur von Geistlichen betreten werden.

In Erinnerung an Buddha steht in manchen Wat ein Bodhi-Baum, eine Pappel-Feige. Unter einem solchen wurde Buddha erleuchtet.
Die Bibliothek ist oft aus Holz gefertigt. Sie dient nicht nur zur Lagerung von Büchern, sondern ist ein Ort zum Lernen.
Viele Tempelgebäude sind von farbigen, reflektierenden Materialien bedeckt. Das soll die bösen Geister abwehren, indem sie durch ihr eigenes Spiegelbild erschreckt werden. Aus einem ähnlichen Grund befinden sich Nagas, Schlangenwesen aus der indischen Mythologie, auf dem Wat-Gelände – sie gelten als Wächter.
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Mönche in Thailand

Mönche
Junge Menschen können in den Schulferien als Mönch leben. Hier sieht man einen kleinen Teil der Süßigkeiten, die bei der Abschlussveranstaltung gesammelt wurden.

In Thailand trifft man auf zwei unterschiedliche Mönchstypen, die an ihren Gewändern zu erkennen sind. Die Mahanikai tragen orangene Roben, die Thammayut dunkelrote. Letztere leben einen streng ausgelegten Buddhismus – sie essen nur einmal am Tag und es ist ihnen nicht erlaubt, Geld zu berühren.
Die Nonnen sind weiß gewandet. Im Kloster stellen sie die Grundversorgung sicher – sie kochen, waschen und halten die Anlage sauber.
Mönche sind ein wichtiger Bestandteil der thailändischen Gesellschaft. Zu vielen Ereignissen werden religiöse Zeremonien durchgeführt, oft auch bei weltlich erscheinenden Angelegenheiten, wie der Segnung bei Haus- und Büroeinweihungen und beim Kauf eines neuen Autos. Heirat und Beerdigungen werden von einer Gruppe von Mönchen begleitet.

Die Bevölkerung bringt den Geistlichen hohen Respekt entgegen, da sie den Geist des Guten verkörpern. Die Mönche benötigen äußerste Disziplin. Im Theravada Buddhismus bestimmen 227 Regeln alle Bereiche ihres Lebens. Sie dürfen nur 8 Gegenstände besitzen: drei Roben, eine Almosenschale, ein Messer, eine Nadel, ein Gürtelband und einen Wasserfilter. Sie dürfen zusätzlich ausgewählte andere Dinge als Geschenk annehmen. Daher verfügen einige Mönche über Sandalen oder Brillen.
An einem typischen Tag wacht ein Mönch um 4 Uhr in der Früh auf. Nach dem Gebet sammelt er Almosen und kehrt zum Frühstück zum Tempel zurück. Ein Teil des Tages kann er für eigene Aktivitäten, wie dem Studieren von Texten nutzen. Um 11 Uhr gibt es Mittagessen. Anschließend geht der Mönch seinen Pflichten innerhalb und außerhalb des Tempels nach.
 
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