16. und 17. Jahrhundert: Europäer in Siam (Geschichte Thailands 4)

Mit der Erschließung des Seeweges von Europa nach Indien im 16. Jahrhundert wurde Siam Anlaufpunkt für Europäer. Die Interessen der einzelnen abendländischen Staaten variierten stark. Portugal strebte in Asien nicht alleine nach wirtschaftlichen Gewinnen. Bereits Vasco da Gama, der Entdecker der Meerespassage nach Indien, führte auf seinen Segeln das Kreuz-Symbol.

Der Islam war im südasiatischen Raum weit verbreitet. Auf der Indien-Route mussten Arabien und Persien passiert werden. Auch ein Teil der indonesischen Inselwelt stand unter muslimischen Einfluss. Die portugiesischen Seefahrer suchten daher gezielt Kontakt zu den „heidnischen“ Siedlungen um Handel zu treiben und um den christlichen Glauben zu verbreiten. Für diese Ziele eigneten sich Siam, Kambodscha und Pegu. Im Gegensatz zu den Kontakten mit der islamischen Welt, die häufig blutig endeten, war das Verhalten der Portugiesen gegenüber den Buddhisten und Hindus diplomatisch. In Ayutthaya waren sie willkommen, da sie durch die Kontrolle über Malakka den siamesischen Handel mit der Malaiischen Halbinsel erleichterten.

Die Portugiesen handelten in Siam, bauten Kirchen, missionierten und unterrichteten die Einheimischen im Umgang mit Waffen. Dennoch verringerten sie ihre Bemühungen nach einiger Zeit. Die Geschäfte liefen schlechter als erwartet, die Mission zeigte wenig Erfolg und im siamesisch-birmanischen Konflikt neigten sie zur gegnerischen Seite.


Die Niederländer waren mit ihrer großen Handelsgesellschaft in Südostasien aktiv und verfolgten in erster Linie ökonomische Interessen. Der Schwerpunkt der Geschäfte lag im Raum Malaysia und Indonesien, da dort begehrte Gewürze wuchsen und die strategische Situation günstig war.

Dennoch entwickelte sich Ayutthaya zu ihrem größten Handelsstützpunkt auf dem südostasiatischen Festland. Die Niederländer hofften, damit ihren China-Handel anzukurbeln. Das siamesische Königreich war politisch stabiler als die Nachbarländer und konnte berechenbaren Geschäftsverkehr ermöglichen.

Die Franzosen erschienen erst später in der Region. Sie beschränkten sich nicht auf ökonomische Interessen, sondern versuchten, wie die Portugiesen, das Christentum zu verbreiten. Ende des 17. Jahrhunderts intensivierten sich die Kontakte. 1686 empfing Ludwig XIV. eine siamesische Delegation in Frankreich.

Die Europäer waren nicht die einzigen Fremden in Ayutthaya. Neben Seeleuten und Händlern aus den benachbarten asiatischen Staaten suchten muslimische Besucher die Stadt auf, um Handel und Mission zu betreiben.

Literatur (mit Amazon-Affiliate-Link):

Hier geht’s zu Teil 3 – Das Königreich Ayutthaya
Hier zu Teil 5: Die Phaulkon-Affäre

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