Aufstieg und Fall Bagans (Geschichte Myanmars 3)

Bagan
Bagan.

Das Jahr 1044 markierte einen neuen Zeitabschnitt in der Geschichte Myanmars: König Anawrahta erlangte die Macht in Bagan. Das neue Reich strebte nach Expansion. 1057 wurden die Mon besiegt und deren Hauptstadt Thaton eingenommen. Zum ersten Mal in der Geschichte Myanmars, konnte ein Großreich sämtliche Regionen des Landes vereinigen.

Der König ließ 30.000 Mon in die neue Hauptstadt Bagan deportieren. Unter den Neuankömmlingen waren viele buddhistische Mönche, die ihre Lehren verbreiten durften. Damit setzte sich der Theravada-Buddhismus endgültig im gesamten Land durch.

Als Anawrahta aus Sri Lanka die Tripitaka – eine Sammlung von Lehrreden des Buddha – erhielt, wurde das Reich zu einem überregionalen, religiösen Zentrum. Im 12. Jahrhundert galt Bagan sogar als Mittelpunkt des Buddhismus in ganz Südostasien; es zog Studenten aus China, Indien, Thailand und Laos an. Die kulturelle Bedeutung wurde durch eine überwältigende Bautätigkeit unterstrichen: in dieser Zeit entstanden zweitausend Pagoden und mehrere tausend Schreine in einem Umkreis von 25 Kilometern um die Hauptstadt.

Mit der Thronbesteigung von König Kyaswa im Jahr 1234 begann der langsame Abstieg des Reiches. Der Staatsschatz wurde durch große Bauprojekte aufgezerrt und die Steuereinnahmen sanken. 

Resignierend zog sich Kyaswa 1250 aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich dem Schreiben von religiöser Literatur. Er bestimmte seinen Sohn Uzana als Nachfolger. Nach nur vier Jahren im Amt verstarb der Thronfolger – er wurde auf einer Jagd von einem Elefanten getötet. Sein Sohn Narathihapati übernahm die Königswürde. Er sollte das Ende Bagans einleiten.

Im zentralen Asien eroberten die schnellen, berittenen Truppen der Mongolen ein riesiges Reich. Ihr Einflussbereich reichte von China bis nach Kleinasien und Osteuropa. Als die Gesandten des mongolischen Herrschers Kublai Khan in Bagan eintrafen, um Tribut zu fordern, weigerte sich Narathihapati sie zu empfangen. Einige Jahre später unternahmen die Mongolen einen zweiten Anlauf und schickten eine weitere Gesandtschaft. Dieses Mal reagierte der birmanische König mit Härte: er ließ die Gesandten enthaupten und sandte dem Khan die Köpfe seiner Leute zurück.

Als Narathihapati auch noch eine mongolische Provinz angriff, handelte Kublai Khan: Im Jahr 1278 ritten über 70.000 Krieger in Richtung Bagan. Die erste Schlacht war schnell entschieden. Die mongolischen Bogenschützen konnten die feindlichen Kriegselefanten in Schach halten und den Sieg sichern. 1283 erfolgte eine erneute Invasion. Narathihapati floh und machte sich damit zum Gespött der Angreifer aus dem Norden.

Der Nachfolger Kublai Khans, Tamerlan, beendete schließlich das Zeitalter Bagans im Jahr 1287. Nach einigen Wirren wurde Bagan eingenommen. Eine große Zahl an Pagoden wurde zerstört. Die mongolischen Okkupanten blieben nur einige Jahre. Nach vielen kleinen Scharmützeln akzeptierten sie eine Zahlung der Shan-Völker aus dem Norden Myanmars und zogen sich nach China zurück.

Einen Artikel über den archäologischen Park von Bagan finden Sie hier.

Literatur: 

Topich, William J.; Leitlich, Keith A.: The History of Myanmar. Santa Barbara, 2013.

 

Geschichte Myanmars Teil 2: Die frühen Reiche in Myanmar
Geschichte Mynamars Teil 4: Die Königreiche Pegu und Ava

 


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