Corona: Die gelbe Gefahr

Der Ausbruch des Corona-Virus war ein ernstes Problem und benötigte einen Schuldigen. Einer, der nach Aufklärung suchte, war Peter Stein, ein Bundestagsabgeordneter der CDU. Er schrieb auf Twitter: „Ich wünsche mir, dass bestimmte Volksgruppen mal aufhören #Fledermäuse, #Gürteltiere, #Affenschädel und anderen Scheiß zu essen. Das war bei #SARS schon so und bei # Ebola und jetzt wieder…“

Später löschte er den Tweet und entschuldigte sich. Doch letztlich hat er sich so geäußert, wie er tatsächlich denkt.

An dieser Stelle möchte ich nur kurz darauf eingehen, ob der Virus tatsächlich durch den Verzehr von Fledermäusen, die auf dem Markt in Wuhan gekauft wurden, auf den Menschen übergesprungen ist. Es besteht die Möglichkeit, dass in der Übertragungskette andere Tiere dazwischen gewesen sein könnten. Derartiges gab es in den letzten Jahrzehnten mehrmals. 1994 wurde in Australien der Hendra-Virus von Pferden auf den Menschen übertragen und 1998 beim Nipah-Virus in Malaysia war ein Schwein der Zwischenwirt. Beide Erreger finden sich normalerweise in früchtefressenden Fledermäusen. 

Aus dem Tweet von Herrn Stein lässt sich das Vorurteil herauslesen, dass Chinesen ja alles essen. Doch ganz so ist es nicht. Das Verspeisen von Gehirnen lebender Affen mag wohl bei Indianer Jones als urchinesisch gelten, allerdings nicht in der wirklichen Welt. Auch Fledermäuse stehen, Youtube-Videos zum trotz, nicht auf dem Speiseplan des gewöhnlichen Chinesen. Schwein, Huhn und Rind sind viel gebräuchlicher.

Wildtierjagd ist aber gerade für ärmere Menschen eine Möglichkeit, Teller und Geldbeutel zu füllen. Leider sind Fledermäuse einfach zu fangen und durch ihre Artenvielfalt und ihr besonderes Immunsystem ist der Verzehr von Fledermäusen tatsächlich eine Gefahr. So wird sich auch in Zukunft nicht ausschließen lassen, dass aus dieser Richtung eine Krankheit droht.

Vorhaltungen bringen nichts. Auch von Europa aus, ging schon die eine oder andere Seuche um die Welt. Und so manches Problem könnte folgen (z.B. multiresistente Erreger). Wichtig ist es, offen Fehler zu besprechen und daraus zu lernen. Im aktuellen Corona-Fall scheint China tatsächlich von Verfehlungen der Vogelgrippe gelernt zu haben und war nach anfänglicher Heimlichtuerei transparenter.

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