Ökonomie in Thailand

In den 1980er Jahren öffnete Ministerpräsident Prem Tinsulanonda die thailändische Wirtschaft stärker für den internationalen Handel. Die Folge war ein kräftiges jährliches Wirtschaftswachstum von 9,4 Prozent von 1985 bis 1996. Dem setze die Asienkrise ein jähes Ende.

Wirtschaftswachstum Thailands

Dekade Jährliches Wachstum des Bruttoinlandprodukts in Prozent Bruttoinlandprodukt pro Kopf und Jahr in Baht
1960er 6,0 8.329 
1970er 7,8 13.143 
1980er 6,7 19.558 
1990er  7,8 34.839
2000er 4,4 48.159

Die Asienkrise begann im Februar 1997 in Thailand als Schuldenkrise. Eine Firma konnte ihrer Zahlungsverpflichtung gegenüber einem ausländischen Gläubiger nicht nachkommen. Vertrauen in die Ökonomie des Landes ging verloren.

Mitte des Jahres wurde der Wechselkurs der thailändischen Währung Baht freigegeben. Der Kurs brach gegenüber dem US-Dollar sofort um 20 Prozent ein. Ausländische Kapitalanleger reagierten und zogen ihr Geld aus der Region ab. Eine Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt, die sich auf andere Volkswirtschaften, wie Indonesien und Südkorea, ausbreitete. Der Internationale Währungsfonds griff ein und gewährte den angeschlagenen Staaten Kredite – knüpfte daran aber die Bedingung einer Strukturreform.

Nach der heißen Phase der Wirtschaftskrise in den Jahren 1997 und 1998 waren Millionen von Thailändern arbeitslos und verarmt. Das bereitete den Boden für den Wirtschaftstycoon Thaksin, der 2001 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.

Unter der Bezeichnung „Thaksinomics“ wurde die Wirtschaftspolitik dieser Zeit bekannt, die Thailand bis zum Jahr 2021 zu einem 1.-Welt-Land machen soll. Dazu sollte eine dynamische Ökonomie entstehen, in der viele Wissenschaftler und Techniker ausgebildet werden und Firmen kreativ handeln können. Der Staat sollte sich auf fünf Industrien konzentrieren: Automobilbau, Essen, Tourismus, Kleidung und Software. Unter klangvollen Namen wie „Kitchen of the World“, „Detroit of Asia” und „Tropical Fashion” wurden spezielle Maßnahmen zusammengefasst.

Ab 2002 konnte Thailand wieder ein gutes Wirtschaftswachstum von über 5 Prozent im Jahr erzielen. Dennoch ist die Politik Thaksins nur teilweise ein Erfolg. Die Strategie zur Förderung der fünf Schlüsselindustrien brachte keinen langfristigen Effekt. Das verhinderten fehlende Konsistenz und Kontinuität der Fördermaßnahmen, Probleme bei der Umsetzung von Änderungen und der Widerstand wichtiger Akteure in der Wirtschaft.

In den letzten zehn Jahren erlitt die Ökonomie viele Rückschläge: u.a. 2004 durch den Tsunami und die Vogelgrippe, 2006 durch die Rebellion gegen Thaksin und 2012 durch die Flut, die Bangkok unter Wasser setzte.

Die Bank of Thailand veröffentlicht jährlich den Report „Thailand’s Economic Conditions“ in dem die Situation der Wirtschaft detailliert dargestellt wird. Für 2012 verzeichnete das Institut eine stabile Lage mit einem kräftigten Wachstum von 6,4 Prozent, das vor allem auf eine hohe inländische Güternachfrage zurückging.

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Das Pilotprojekt zum Mindestlohn von 300 Baht täglich war 2012 gestartet und hatte weder große Abwanderung von Firmen noch bemerkenswerte Preiserhöhungen zur Folge. Daher wurde der Mindestlohn zum 1. Januar 2013 auf das ganze Jahr ausgeweitet.

Im Bereich der Industrie konnte die Automobilproduktion neue Rekordzahlen verzeichnen. 2012 wurden 2,4 Millionen Wagen in Thailand produziert. Die für die Ökonomie wichtige Festplattenproduktion kämpfte mit dem Strukturwandel in der IT-Branche. Der klassische Computer wird teilweise durch Tablet PC und Handy ersetzt, die SSD-Laufwerke nutzen. Dennoch konnten die Festplatten-Hersteller den Absatz steigern, u. a. aufgrund der Zunahme des Cloud Computing.

Die Landwirtschaft konnte zwar die Produktion erhöhen, doch die fallenden Preise senkten das Einkommen der Bauern. Die Preise sind von der Auslandsnachfrage abhängig: Wenn große Abnehmer wie China oder die USA weniger nachfragen, sinkt der Preis.

Der Tourismussektor konnte Rekordergebnisse verbuchen. 2013 empfing das Land 26,7 Millionen Reisende. Damit ist die Branche für die Volkswirtschaft Thailand von enormer Bedeutung: 2012 verbuchten die direkt im Reisebereich tätigen Firmen 825,6 Milliarden Baht, das sind 7,3 Prozent des Bruttosozialprodukts. Die indirekten Einnahmen des Tourismus, z. B. durch den Verkauf von Essen und Kleidung, sind noch höher.

Das Reiseziel Nummer 1 ist Bangkok. Das liegt nicht nur an der Vielfalt der Stadt, sondern auch am internationalen Flughafen Suvarnabhumi. Mit beinahe 16 Millionen Besuchern war Bangkok 2013 die meistbesuchte Stadt der Welt.

Herkunftsländer der Thailand-Besucher

Herkunftsland Anzahl der Reisenden
China 4,7 Millionen
Malaysia 2,99 Millionen
Russland 1,73 Millionen
Japan 1,53 Millionen
Südkorea 1,29 Millionen
Laos 1,1 Millionen
Indien 1,04 Millionen
Australien 920.000
Großbritannien 906.000
USA 826.000
Deutschland 744.000
Frankreich 614.000

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