Das Königreich Ayutthaya (Geschichte Thailands 3)

Ayutthaya
Im archäologischen Park von Ayutthaya.

Im Jahr 1351 wurde ungefähr 350 km südlich von Sukhothai die Stadt Ayutthaya von U Thòng gegründet. Er stammte aus einer Herrschaftsfamilie aus Lopburi und floh von dort vor einer Pockenepidemie.

Die neu gebildete Siedlung zeichnete sich durch ihre gute Lage aus. Sie lag am Zusammenfluss dreier Flüsse: Chao Praya, Lopburi und Pasak. Das Gebiet war Neuland: Bis zum 7. Jahrhundert war diese Stelle noch vom Meer überspült, das sich langsam nach Süden zurückzog. Versalzung und Malaria-Gefahr sorgten dafür, dass das neu entstandene Gebiet erst vom 11. Jahrhundert an besiedelt werden konnte.

Ayutthaya stieg schnell zur wichtigsten Macht im zentralen Thailand auf. Sukhothai wurde 1412 als Vasall gewonnen; damit konnte die Vormachtstellung langfristig gefestigt werden.

Der Name „Ayodhya“ leitet sich von dem klassischen, indischen Mythos Ramayana her und bedeutet „die Unbezwingbare“.

Unbezwingbarkeit war in dieser Epoche eine notwendige Eigenschaft, da das neue Reich oft in Konflikte mit den angrenzenden Machthabern verwickelt war. Es kam zu Kämpfen mit den Khmer und den Laoten. Im Norden Siams drohte Lan Na mit seiner wichtigsten Stadt Chiang Mai. Der größte Krisenherd lag im Westen: Krieger aus Myanmar unternahmen regelmäßig Vorstöße in das Gebiet der Thai-Völker.

Im 15. Jahrhundert leitete König Trailok eine große Strukturreform ein: Die Gesellschaft wurde strikt hierarchisch geordnet. Jeder Bürger erhielt einen Sakdina-Rang, der ihm einen Zahlenwert zuwies. Der Begriff sakdina weist auf die traditionelle Wohlstandsbasis hin und bedeutet wörtlich übersetzt: „Macht über Reisfelder“. Der Wert wird in rai ausgedrückt – eine Flächeneinheit, die für  Hektar steht. Diese Zahl ist symbolisch zu verstehen und hat keinen realen Bezug zum Landbesitz.

Die höchste Stelle wurde dem König zugeschrieben, der Verfügungsgewalt über alle Reisfelder des Reiches hatte. Der zweite Mann im Staat war der Vizekönig mit einem Rang von 100.000 rai. Prinzen mit Ministeramt konnten bis zu 50.000 rai erreichen. Mitglieder der königlichen Familie ohne wichtige Bedeutung lagen zwischen 500 und 7.000 rai. Hohe Beamte hatten einen Rang von 1.600 – 3.000 rai. Die einfache Bevölkerung wurde unter 400 rai eingestuft: beispielsweise Bauern zwischen 10 – 25 und Sklaven und Bettler bei 5 rai.


Dieser Hierarchie-Ordnung folgten Änderungen im Militär- und Zivilrecht. Die gemeinfreien Bürger konnten bis zu 6 Monate im Jahr zu Frondienst herangezogen werden. Sie wurden im Kanal-, Straßen- und Tempelbau eingesetzt. In Kriegszeiten mussten sie dem Heer des Königs zur Verfügung stehen. Einige Gemeinfreie konnten sich mit der Abgabe von Rohstoffen oder Handelswaren vom Frondienst loskaufen. Vor allem in den schlechter versorgten Randregionen des Reiches waren diese Abgaben von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

 

Bis zu einem Viertel der Bevölkerung bestand aus Sklaven. Ein Großteil von diesen waren aufgrund von Verschuldung in die Sklaverei geraten. Sie genossen eine relativ gute Behandlung und hatten die Möglichkeit sich aus der Versklavung freizukaufen.

Im 16. Jahrhundert bildete sich in Myanmar eine neue Macht heraus: die Toungoo-Dynastie. Sie eroberten nach und nach alle birmanischen Gebiete. Pegu wurde die zentrale Stadt dieses Reiches. König Bayinnaung trachtete danach ein Chakravartin zu werden – ein buddhistischer Weltenherrscher. Daher suchte er den Konflikt mit dem zweiten großen, buddhistischen Reich Südostasiens, mit Ayutthaya.

Bayinnaung fiel mit einem gewaltigen Heer in Siam ein. 1556 ergab sich Chiang Mai und ein Großteil der Lan Na-Region. 1563 wandte sich Bayinnaung Ayutthaya zu. Auch in der Zeit waren die Herrschenden einfallsreich im Finden eines Kriegsgrundes: Die Weigerung des siamesischen Königs zwei Elefanten zu übersenden wurde als willkommener Vorwand zur Invasion wahrgenommen.

Sechs Jahre später stand die Armee Toungoos vor den Toren Ayutthayas. Nach zeitgenössischen Quellen soll das Heer mit jeweils 4.000 portugiesischen und indischen Söldnern aufgestockt worden sein. Die Zahlen scheinen übertrieben, doch der Einsatz der europäischen Waffentechnik, die zu dieser Zeit führend war, stellte einen erheblichen Vorteil gegenüber den Siamesen dar.

Die Belagerung verlief unglücklich für Ayutthaya. Der laotische König, der zur Hilfe eilen wollte, wurde geschlagen und musste umkehren. Der siamesische Herrscher Chakkraphat erkrankte und verstarb. Sein Sohn und Nachfolger Mahin war ein zögerlicher Feldherr. Durch einen Verrat der eigenen Leute fiel Ayutthaya schließlich.

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Ayutthaya, die Unbesiegbare, wurde von höhnenden Birmanen „Yodhia“ getauft: „die Besiegte“. Sie wurde zu Tributzahlungen verpflichtet.

Die Eroberer plünderten die Stadt und verschleppten viele ihrer Bewohner, ob adlige oder gewöhnliche Bürger, nach Birma. Das am Boden liegende Reich weckte Begehrlichkeiten bei den Nachbarn. Die Khmer nutzten die Schwäche Siams und fielen in den folgenden 20 Jahren sechs Mal in das Land ein.

Der 1555 geborene Prinz Naresuan war unter den Kriegsgefangenen. Er wurde seinem Stand entsprechend behandelt und erhielt eine umfassende Ausbildung am birmanischen Königshof. 1571 durfte er nach Ayutthaya zurückkehren.

Die Überfälle der Khmer dienten Naresuan als Begründung, ein wehrhaftes Heer auf die Beine zu stellen. 1584 brach er mit Toungoo, da deren neuer Herrscher ein Attentat auf ihn geplant haben soll. Die nachfolgenden Angriffe der Birmanen konnte Naresuan, der ein geschickte Feldherr war, abwehren.

Bei seinem Tod im Jahre 1605 hinterließ er ein militärisch und wirtschaftlich gefestigtes Ayutthaya.

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Hier geht’s zu Teil 2 der Geschichte Thailands – Das Königreich Sukothai
Und hier zu Teil 4: Die ersten Europäer in Siam





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