Puppentheater in Myanmar

Puppen
Traditionelle Puppen. (Foto: Wikimedia Commons, Yarzaryeni)

Zum Unterhaltungsprogramm von „Pagoda Festivals“ gehört das Puppentheater. Das Theater steht in einer Jahrhunderte alten Tradition.

Die Marionetten sind Kunstwerke für sich. Zwar stellen einige Puppenspieler sie selbst her, doch der überwiegende Teil der Figuren wird von Spezialisten hergestellt.

Das leichte aber stabile Yanamay-Holz wird als Grundlage für die Puppe verwendet. Die Größe variiert: die Figuren messen zwischen 60 und 100 cm. Für die Frisur wurde ursprünglich Menschenhaar genutzt; mittlerweile wird allerdings Pferdehaar eingesetzt.

Für die Augen von hochwertigen Prinzen- oder Prinzessinnen-Figuren werden echte Edelsteine verbaut: weiße Jade und schwarzer Onyx.

Zum Bemalen wird eine natürliche Farbe auf Kalk- oder Talk-Basis hergestellt. Für das Rot teuflischer Gesichter wird Hinthabada-Pulver verwendet, für Schwarz eine Ruß-Mischung.

In Myanmar ist der Glaube an Geister und dunkle Kräfte erhalten geblieben. Daher werden Tätowierungen getragen, die vor negativen Einflüssen schützen sollen. Aus dem gleichen Grund werden schützende Symbole auf die Marionetten gezeichnet.

Die am aufwendigsten geschmückten Figuren sind Prinz, Prinzessin, König und die Nats. Hier kommen Dekorationen aus Seide und Samt zum Einsatz, geschmückt mit Glasperlen und Pailletten. Am anderen Ende steht die Figur des Einsiedlers, der wie im wahren Leben, asketisch bekleidet ist.

Puppenspieler
Puppenspieler – In alten Zeiten wurde ausschließlich vor einem neutralen Hintergrund gespielt, damit die Puppen besonders gut sichtbar sind. Heutzutage werden aber gerne je nach Szene unterschiedliche, gemalte Hintergründe eingesetzt. Wikimedia Commons, Nguyen Thanh Long aus Saigon.

Die Aufführung folgt häufig einem festen Muster: anfangs führt eine weibliche Figur einen Ritualtanz auf, um Respekt gegenüber den örtlichen Schutzgeistern zu bezeugen.

Die zweite Szene spielt im frühzeitlichen Urwald, zu Beginn der Welt. Die Musik spielt dabei ungestüm, um das Chaos der vorweltlichen Zeit zu verdeutlichen. Nach und nach bevölkern Tiere, wie Pferd, Elefant, Vogel, Affe und Tiger die Bühne. Dazu gesellen sich mystische Wesen, wie Drache oder Oger.

Anschließend folgt eine Szene am Königshof. Teilweise gehört die Szene zur eigentlichen Geschichte, aber manches Mal soll sie nur dazu dienen, die Entstehung der menschlichen Gesellschaft und damit den Einzug von Recht und Ordnung zu symbolisieren. In kolonialen Zeiten wurde diese Stelle ab und zu genutzt, um an den vergangenen, souveränen Staat zu erinnern.

Als nächstes treten die beiden Hauptfiguren in einer Liebesszene auf und tanzen im Duett.

Erst dann beginnt das eigentliche Stück. In althergebrachter Weise wird die ganze Nacht durch gespielt. Es gab mehrere Versuche, die Spielzeit zu kürzen, doch keiner war von Erfolg gekrönt.

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