Die ersten Corona-Monate in Thailand

In den letzten Wochen erschienen in der internationalen Presse viele Artikel, die über die wenigen Covid-Fälle in Thailand und den angrenzenden Ländern berichteten (z.B. hier in der New York Times). Da ich von Februar bis April in Südostasien war, kann ich dazu meine persönliche Perspektive einbringen.

Weil Thailand ein beliebtes Reiseziel der Chinesen ist, wurde der Virus schon sehr früh, Ende Januar, eingeschleppt. Überraschenderweise blieben die Ansteckungen zunächst überschaubar. Es wurde darüber spekuliert, dass Sars-Cov-2 vielleicht die Wärme nicht ausstehen kann. Später wurde der Gedanke relativiert und mein letzter Stand ist, dass nur der R0-Wert ein wenig gesenkt wird.

In den (sozialen) Medien wurde der Virus in Südostasien dennoch ernst genommen. Die nächste Überraschung folgte, als Europa zum Hotspot wurde und die ersten Flüge gecancelt wurden. In Thailand gab es allerdings bis Mitte März täglich nur eine Handvoll Neuinfizierter. Die Testkapazitäten waren zu dieser Zeit nicht hoch, doch war das Thema so allgegenwärtig, dass größere Ausbrüche nicht hätten unbemerkt bleiben können.

Einen solchen gab es bei einer Thaibox-Veranstaltung am 6. März im berühmten Lumpini-Stadion in Bangkok. Brisanterweise war der Organisator ein hochrangiger Militär, der anschließend in der Kritik stand. Gefühlt jeder 2. Fall hing mit diesem Ereignis zusammen. Genaue Zahlen kenne ich nicht, aber in der Bangkok-Post wurden jeden Tag die neuen Covid-Fälle aufgeführt und ständig las man, dass die Neuinfektionen im Zusammenhang damit standen.

Mit der größeren Bedrohungslage wurde nun auch Flatten-the-Curve in Dauerschleife im Fernsehen gespielt. Ich war im März auf Phuket. Dort machten die ersten Restaurants schon vor den Anordnungen freiwillig zu und viele Menschen trugen Maske – zumeist nicht nur in den Läden, sondern generell außerhalb des Hauses.

Surin Chill House – Mitte März dachte man, dass zum 1.4. wieder geöffnet werden könnte.

In den Phuket News wurden jeden Tag die neuen Fälle auf der Insel aufgelistet. Meistens handelte es sich dabei um Touristen und um Thais, die im Vergnügungsviertel arbeiteten. Bei mir im beschaulichen Surin gab es, soweit ich weiß, keinen Fall. Dennoch wurden die Maßnahmen von Woche zu Woche härter. Ich glaube, am 22.3. wurden dann die Restaurants und Massage Studios geschlossen. Einige Küchen boten Essen zum Mitnehmen an, andere renovierten in der Zeit und wieder andere gaben sofort auf und räumten die Läden leer. In den Hotels wurden Schwimmbäder und Gyms geschlossen. In den Supermärkten wurden Abstandsstreifen geklebt. Ab und zu wurde vor den Eingängen auch die Körpertemperatur mit einer Mess-Pistole kontrolliert.

Anfangs blieben die Strände zugänglich. Die Provinzregierung teilte mit, dass sich die Touristen an Abstandsregeln halten sollen oder die Strände würden geschlossen. Und so kam es dann natürlich.

Hamsterkäufe gab es meines Wissens nach kaum. In den sozialen Medien habe ich mal ein solches Bild aus Bangkok gesehen, aber das scheint die Ausnahme gewesen zu sein. Die Regierung hat regelmäßig verlautbart, dass die Versorgung ungefährdet sei. Wucherei wurde sehr hart bestraft. Für den Verkauf von überteuerten Masken wurden einige Händler zu Haftstrafen verurteilt.

Anfang April wurden dann die internationalen Flughäfen gesperrt. Es gab ein paar Tage Vorlauf, so dass man sich z.B. einen Platz bei der Rückholaktion der deutschen Botschaft buchen konnte.

In den nachfolgenden Wochen ging die Zahl der Neuansteckungen im Land selbst auf 0. Die vereinzelten neuen Fälle wurden aus dem Ausland importiert. Besonders ein ägyptischer Offizier, der ungenügend auf den Virus kontrolliert wurde, machte dabei Schlagzeilen und sorgte für einen lokalen Shutdown.

In diesem Artikel lag der Fokus auf den direkten Corona-Maßnahmen. Über die Einschnitte in das Leben der Thais durch den fehlenden Tourismus schreibe ich ein anderes Mal.

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