Yangon – der neue Mittelpunkt (Geschichte Myanmars 9)

Im Myanmar gab es mehrere städtische Zentren. Das 1852 besetzte Yangon wurde schnell zum wichtigsten britischen Stützpunkt in der Region. Die Siedlung war eine typische Hafenstadt der Kolonialzeit und ähnelte in ihrer Struktur Singapur, Penang oder Kalkutta. Sie war schon vor der Besatzung eine fremde Stadt auf birmanischen Grund. Ausländer dominierten das Stadtbild: neben Europäern suchten Chinesen, Inder und andere Asiaten dort ihr Glück. Die Einheimischen waren in der Unterzahl und ihr Anteil sank im Verlauf der Kolonialzeit. 1937 waren gerade 127.000 der 400.000 Einwohner Yangons Bamar.

Motorradfreies Yangon

Shwedagon Pagoda in Myanmar, Orkun A., 12/13.
Shwedagon Pagoda in Myanmar. (Foto: O. Aldirmaz)

Die Straßen der Metropolen Südostasiens werden von unzähligen Motorrädern und Rollern befahren. Doch warum ist das in Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars, anders?

Der Grund dafür liegt ungefähr zehn Jahre zurück. Damals war es noch üblich, dass Motorräder auf den Straßen fuhren. Doch dann erließ die Regierung ein Verbot für Zweiräder in der Stadt.

In den 1990er Jahren taten sich einige junge Leute zusammen und gründeten eine Motorrad-Bande: die Scorpions Gang. Sie entstammten zum Großteil aus elitären Familien; unter anderem war ein Enkel des ehemaligen Diktators Ne Win in ihrer Gruppe. Dadurch hatten sie eine gewisse Immunität gegenüber der Polizei. Sie nutzen diese aus und schmuggelten Autos und handelten mit Drogen. Auf den Höhepunkt ihrer Macht sah man sie als burmesische Yakuza an, als zweitstärkste Gruppierung hinter der Militärjunta.